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Parfüm darf nicht mehr ins Handgepäck

"Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht, aber wir haben auf dem Flughafen schon immer sehr hohe Sicherheitsstandards". Flughafendirektor Georg Fundel findet, dass die Passagiere mit den verschärften Kontrollen seit den vereitelten Terroranschlägen vom 10. August gut klarkommen.

ELISABETH MAIER

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LEINF.-ECHTERDINGEN Auf Flügen in die USA oder von Großbritannien dürfen keine Flüssigkeiten mehr mit an Bord. Fundel: "Anfangs hatten wir viele Anrufe, weil Fluggäste unsicher waren. Aber jetzt hat sich alles eingespielt."

"Die Verschärfungen betreffen vor allem die Fluggäste, denn sie müssen mit deutlich längeren Wartezeiten rechnen." Heinz Knauf, Sprecher der Bundespolizei in Böblingen, hat von seinen Mitarbeitern auf dem Stuttgarter Flughafen erfahren, dass im Handgepäck für Flüge in die USA immer wieder Flüssigkeiten wie Shampoo, Mineralwasser, Haargel oder ähnliches zu finden sind. Sämtliche Toiletten- oder Kosmetikartikel sind bei Flügen in die USA tabu.

Gleiches gilt bei Flügen von Großbritannien nach Deutschland. Auch Passagiere, die zum Beispiel mit British Airways nach London fliegen und von dort weiter in die USA oder nach Kanada reisen, dürfen keine Flüssigkeiten ins Handgepäck stecken. Außerdem dürfen Reisende in die USA im Duty-Free-Shop keinen Alkohol oder kein Parfüm mehr einkaufen. Laptops und Handys an Bord sind erlaubt.

Obwohl betroffene Fluggesellschaften wie Delta Airlines, Lufthansa oder British Airways mit Plakaten oder im Internet über die neuen Regelungen informieren, gehen den Kontrolleuren laut Bundespolizei-Sprecher Knauf immer wieder Fluggäste mit Flüssigkeiten ins Netz. Babymilch darf mit an Bord genommen werden. Allerdings werden die Eltern aufgefordert, sie vor den Augen des Personals zu kosten. Auch Medikamente in flüssiger Form können die Fluggäste mitnehmen.

Auf die neuen Regelungen reagieren die meisten Fluggäste verständnisvoll: "Es ist gut, dass jetzt schärfer kontrolliert wird", finden Heinz und Inge Trautwein aus Stuttgart, die mit British Airways nach Kanada fliegen. Sie haben ihr Waschzeug diesmal nicht wie sonst im Handgepäck. "Wir waren ja durch die Medien informiert. Da haben wir auch unsere Wasserflaschen daheim gelassen, denn wir bekommen ja im Flugzeug etwas zu trinken." Für Ulrich-Franz Michalski und seine Kinder, die mit Delta Airlines von Stuttgart nach Atlanta und dann nach Texas reisen, sind die neuen Regelungen ebenfalls "unproblematisch". Im Duty-Free-Shop kauft der Familienvater nur gelegentlich ein paar Stangen Zigaretten.

"Unsere Passagiere haben für die neuen Regelungen Verständnis", bestätigt Daniela Corvelli von der Fluggesellschaft Delta, die in Stuttgart den einzigen Direktflug in die USA abwickelt. Passagiere, die nach der ersten Sicherheitskontrolle im Duty-Free-Shop noch eine Flasche Whisky oder ein Parfüm einkaufen, müssen diese in der zweiten Sicherheitsschleuse kurz vor dem Einstieg in den Flieger abgeben. "Diese doppelte Kontrolle hatten wir auch schon vor den vereitelten Terroranschlägen", so Polizeisprecher Knauf.

Mit umfassender Videoüberwachung sorgt der Flughafen laut Direktor Georg Fundel dafür, "dass sich die Fluggäste sicher fühlen können". Terminalaufsichten sind den ganzen Tag unterwegs. Sie achten darauf, dass kein herrenloses Gepäck in den Gebäuden steht. Und sie alarmieren die Bundespolizei, wenn der Besitzer nicht sofort ermittelt wird.

"Neulich ließen Leute ein Kaninchen in einer Kiste stehen", sagt Fundel. In solchen Fällen arbeite man sehr gut mit der Bundespolizei zusammen, die das Gepäck dann überprüfe und gegebenenfalls anschließend ihre Sprengstoffexperten zu Rate ziehe.