Lokales

Parteibasis und Bürger im Blick

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Die drei Schreibtische des 39-Jährigen stehen in Nürtingen, Kirchheim und Berlin. Diese Reihenfolge ist symptomatisch, denn Michael Hennrich ist trotz Bundestagsmandat Bürger geblieben, dessen Lebensmittelpunkt Kirchheim ist. Am 22. September 2002 holte er für die Christdemokraten als Nachfolger von Elmar Müller im Wahlkreis Nürtingen-Kirchheim mit 45,6 Prozent das Direktmandat und damit die Fahrkarte in die Bundesmetropole. Von Berlin kennt er allerdings auch nach zwei Jahren nur seine spartanisch eingerichtete Ein-Zimmer-Wohnung, sein Büro und das Parlamentsviertel. "Ich mache Arbeit für den Wahlkreis," lautet seine Devise.

Zu seinem täglichen Abgeordnetenbrot gehören viele Einzelgespräche, Besuche bei Schulklassen, Vereinen, Verbänden, Unternehmen und die Beantwortung der zahlreichen Wahlkreispost, etwa zu Fragen der Hubschrauberstationierung auf den Fildern, Fragen zum Gesundheitswesen, zu Kriegsgräbern in Weißrussland, zu Bildungseinrichtungen und vielen anderen. Der CDU-Politiker legt Wert darauf, den Boden unter den Füßen nicht zu verlieren und lässt sich deshalb im Arbeitskreis Gesundheit von Praktikern aller Sparten in seinem Wahlkreis beraten. Der enge Kontakt zur Kommunalpolitik bietet eine weitere Gewähr dafür, die Basis nicht aus den Augen zu verlieren. Er übernahm deshalb auch den Vorsitz des CDU-Stadtverbandes Kirchheim.

Michael Hennrich ist Mitglied des Bundestagsausschusses für Gesundheit und Soziale Sicherung. "Das ist für mich ein spannendes Feld," sagt er. "Die Gesundheitsreform ist wichtig für alle." Hier betont er ebenso den Konsens mit Rot/Grün wie beim Thema Hartz IV. Und ohne auf Wählerstimmen zu schielen fügt er hinzu: "Ohne Einschnitte wird der Umbau des Sozialsystems nicht funktionieren." Trotz dieser inhaltlichen Übereinstimmungen gibt es genügend Bereiche, in denen sich der CDU-Bundestagsabgeordnete nicht scheut, sich hart mit dem politischen Gegner auseinanderzusetzen, wie etwa in der Arbeitsmarktpolitik, der Steuerpolitik oder der Frage Gesundheitsprämie oder Bürgerversicherung? Das sind Themen, "wo ich gern streite und wo sich's lohnt."

Mit Sorge beobachtet er die Entwicklung in den neuen Bundesländern und den Zulauf der Rechtsradikalen. "Insgesamt ist die Politik unter Druck, nicht nur die Bundesregierung," meint Michael Hennrich, der in diesen Zeiten verstärkt das Gespräch mit unzufriedenen, politik- verdrossenen Bürgern sucht. "Man muss die Zusammenhänge erklären und sich dabei Zeit lassen." Sehr positive Erfahrungen machte er damit beim Thema "Betriebsrente."

Unzufrieden ist er mit der Art und Weise der parlamentarischen Arbeit: "Da werden Gesetze durchgepeitscht," kritisiert er Rot/Grün. Es bleibt selten genügend Zeit, Vorschläge ausführlicher zu beraten.

Ein Highlight in seiner kurzen Abgeordnetenkarriere im Bundestag war die Wahl des Bundespräsidenten. "Die ist ab der Nominierung mit sehr viel Würde und Anstand gelaufen," freut sich Michael Hennrich über die "gute, politische Kultur".

Der Umgang unter den Parteikollegen sei sehr gut und konstruktiv, lobt der christdemokratische Bundestagsabgeordnete, der aber auch gegenüber den Abgeordneten aus dem Wahlkreis von SPD und Grünen, Rainer Arnold und Dr. Uschi Eid, keine Berührungsängste besitzt: "Wir bringen viele Themen gemeinsam voran." Den "Luxus einer anderen Meinung" innerhalb der CDU-Fraktion leistete sich der Parlamentarier beim Thema Irakkrieg. "Ich finde ihn falsch." Damit steht er in einer Reihe mit Kofi Anan und Franz Alt. Zu letzterem hatte er in jungen Jahren eine ideelle Beziehung: "Ich war in der Friedensbewegung Christdemokraten für Abrüstung engagiert."

Auch das Thema Nahost beschäftigt den CDU-Abgeordneten schon lange. Er pflegt die Beziehung zu Politiker aus dieser schwierigen Region. Am 11. Januar 2005 kommt Abdallah Frangi, der Generalsekretär der Palästinenser, nach Kirchheim und im Februar 2005 Shimon Stein.