Lokales

Partnerschaft als Grundlage der Versöhnung

Bürgerbusfahrt nach Rambouillet dient der Festigung der Freundschaft – „Sing-Out-Chor“ tritt erstmals in der Partnerstadt auf

Die deutsch-französische Freundschaft zwischen Kirchheim und Rambouillet ist am Wochenende um ein weiteres wichtiges Kapitel fortgeschrieben worden: Der Kirchheimer Bürgerbus war zu einem „normalen“ Treffen nach Rambouillet gefahren, das allerdings auch ohne „Staatsakte“ wieder von der besonderen Herzlichkeit zwischen den Bürgern beider Städte zeugte. Außerdem hatte der Kirchheimer „Sing-Out-Chor“ seinen ersten Auftritt in der französischen Partnerstadt.

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Andreas Volz

Rambouillet. Bereits beim Touristenprogramm am Anreisetag gab es einen wichtigen Hinweis auf die Bedeutung der Städtepartnerschaften: Die Kathedrale von Reims, der größten Stadt der Champagne, ist in vielerlei Hinsicht berühmt – wegen ihrer drei Chagall-Fenster, als Krönungskirche von zahlreichen französischen Königen oder auch als Kirche, in deren Vorgängerbau um das Jahr 500 die historisch bedeutsame Taufe des Merowingerkönigs Chlodwig I. stattfand. Für die heutige Zeit kaum weniger bedeutsam war das Ereignis, das sich am 8. Juli 1962 in Reims abspielte: Nach einem mehrtägigen Staatsbesuch des deutschen Kanzlers nahmen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle an jenem Sonntag gemeinsam an einem Versöhnungsgottesdienst in der Kathedrale von Reims teil. Daran erinnert bis heute eine Steintafel vor dem Hauptportal. Besonders einprägsam war für die Bürgerbusfahrer allerdings folgender Satz der Stadtführerin: „Grundlage der Versöhnung ist die Partnerschaft“.

An dieser Grundlage arbeiteten alle Teilnehmer der viertägigen Reise in ihrer jeweiligen Gastfamilie kräftig weiter, wobei ein Tourismusprogramm auch am zweiten Tag noch viel an französischer Geschichte für die Gäste aus Kirchheim parat hatte: Zunächst ging es zum Renaissance-Schloss nach Anet, das der französische König Heinrich II. ab 1547 für seine attraktive und gebildete Geliebte, die 20 Jahre ältere Diane de Poitiers, neu erbauen ließ. 1965 waren dort übrigens Szenen für den James-Bond-Film „Feuerball“ mit Sean Connery gedreht worden.

Anschließend ging es zur „Chapelle Royale Saint-Louis“ nach Dreux, der Grabstätte der Familie d‘Orléans aus dem 19. Jahrhundert. Bekanntester Vertreter dieser Familie war der „Bürgerkönig“ Louis-Philippe. Dessen Grabmal gehört zu den prächtigsten in der Kapelle, von denen viele mit beeindruckenden Skulpturen aus Marmor versehen sind. Das Städtchen Dreux selbst besticht durch alte Fachwerkhäuser, eine „Babyklappe“ aus dem frühen 19. Jahrhundert sowie durch einen „Beffroi“, einen weltlich-städtischen Glockenturm.

Unvorhergesehene Verzögerungen führten dazu, dass viele Bürgerbusfahrer abends erst verspätet zum ersten Auftritt des Kirchheimer „Sing-Out-Chors“ in Rambouillet kamen. Der Chor hatte im vergangenen Jahr zur Feier des 40-jährigen Bestehens der Partnerschaft in Kirchheim gesungen und seither Verbindung zu einem gleichgesinnten Chor in Rambouillet aufgenommen, zum Ensemble „Diapason“. Beide Chöre sowie der Kirchenchor von Saint Lubin gestalteten nun gemeinsam ein Konzert, bei dem sich zunächst jeder Chor einzeln vorstellte. Unterstützt wurden die Chöre abwechselnd von Keyboard, Gitarre, Akkordeon sowie vom Saxofonquartett „Le Quatuor 4 x 4 de Rambouillet“.

Zum Ende des Konzerts vereinigten sich alle drei Chöre zu einem beeindruckenden Klangkörper, den die Bühne in der Bergerie Nationale kaum zu fassen vermochte. Bertram Schattel hatte indessen den großen deutsch-französischen Gemeinschaftschor jederzeit sicher im Griff, und auch sein wackeliges Dirigentenpodest wusste er zu beherrschen. Die Leistungen der Chöre wurden beim großen Festbankett am Samstagabend von allen Seiten gebührend gewürdigt. So hieß es beispielsweise im Privatgespräch: „Die Deutschen singen sehr gut.“ Bertram Schattel kündigte außerdem öffentlich an, dass es sich nicht um ein einmaliges Ereignis handeln dürfte: „Die Musik verbindet uns, und ich denke, wir haben noch eine Zukunft vor uns.“

Letzteres gilt natürlich auch für den Bürgerbus, der seit 40 Jahren abwechselnd zwischen Kirchheim und Rambouillet unterwegs ist. Die Zukunft des Bürgerbusses ist von Kirchheimer Seite aus für die nächsten Jahre gesichert: Klaus und Ramona Winkler hatten nämlich erstmals die Organisation der Fahrt übernommen und dabei bewiesen, dass sie bestens geeignet sind, in die Fußstapfen von Jörg und Cornelia Leiber zu treten, die nach vielen Jahren an vorderster Front nun verdientermaßen ins zweite Glied zurücktreten. An alle Organisatoren und die große Helfermannschaft auf beiden Seiten ging der entsprechende Dank, verbunden mit der Feststellung: „Unsere Partnerschaft ist nicht nur eine Mannschaft, sondern eine große Familie.“