Lokales

„Partnerschaft ist einzigartig“

Givatayims OB Ben-Shachar und Landrat Eininger würdigten im Kreistag 25-jährige Beziehung

Seit einem Vierteljahrhundert besteht die offizielle Partnerschaft zwischen dem Landkreis Esslingen und der israelischen Stadt Givatayim bei Tel Aviv nun bereits. In jüngster Kreistagssitzung bekräftigten Oberbürgermeister Ruven Ben-Shachar und Landrat Heinz Eininger diese „besondere Verbindung“.

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richard umstadt

Esslingen. Sie waren eigens zur Sitzung des Kreisparlaments in Esslingen aus Israel angereist, Givatayims Oberbürgermeister Ruven Ben-Shachar, vor vier Wochen mit überwältigender Mehrheit in der Partnerstadt wiedergewählt, und die treibende Kraft der Partnerschaft, Gila Shalev. „Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen“. Landrat Heinz Eininger stellte dieses Zitat Theodor Herzls, des Spiritus Rectors eines eigenen jüdischen Staates, an den Beginn seiner Rede. Dieses Märchen wurde 1948 nach einer schrecklichen Zeit der Verfolgung und Vernichtung jüdischen Lebens in Deutschland und Europa durch Israels Gründung wahr. Der Landrat erinnerte an die Überwindung der Sprachlosigkeit durch Ben Gurion und Konrad Adenauer nach dem Zweiten Weltkrieg und die Leistungen des Staates Israel. Aus einem Stück Wüste ist ein blühendes Land geworden, ein demokratisches Land mit westlicher Prägung. Der Terror gehöre zwar zur Normalität des Alltags, er werde aber niemals akzeptiert.

„Deutschland wird sich nicht von seiner Geschichte trennen können. Ein Vergessen wird es nicht geben“, sagte der Landrat. Der Landkreis Esslingen stelle sich der Verantwortung der Geschichte seit mehr als 40 Jahren. Offiziell wurde die Partnerschaft mit der Stadt Givatayim vor 25 Jahren durch Landrat Dr. Hans Peter Braun und Oberbürgermeister Izhak Yaron besiegelt.

Seit 1974 gibt es einen regelmäßigen und lebendigen Jugendaustausch zwischen dem Landkreis und Givatayim, der heute nach dem Motto „Über Bildung zur Verständigung“ hauptsächlich von Schülern und Lehrern getragen wird. Dabei steht die Projektarbeit im Vordergrund. Vor acht Jahren wurden auf diesem Weg des Austausches auch arabische Schüler aus Rama mitgenommen. „Uns bleibt dabei oftmals nur die Rolle eines Moderators oder stillen Begleiters“, hatte Landrat Eininger die Erfahrung gemacht. Und aus Gesprächen mit Jugendlichen wusste er: „Junge Menschen in Israel und Deutschland setzen Hoffnung in unsere Arbeit für eine gemeinsame Zukunft.“

Auch Givatayims Stadtoberhaupt Ruven Ben-Shachar erinnerte an die Erfüllung des jüdischen Traums vom eigenen Staat vor 60 Jahren. Ben-Shachar sah es als ein Zusammentreffen von symbolhafter Bedeutung an, dass sich etwa zur gleichen Zeit mit der Beratung einer neuen Verfassung in Deutschland die Geburtsstunde der Bundesrepublik ereignete und beide Staaten den Weg des Neuanfangs beschritten. Und ebenso wie der Landrat kam das Stadtoberhaupt auf die starken persönlichen Beziehungen zwischen Ben Gurion, der den Staat Israel drei Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs ausrief, und Konrad Adenauer, zu sprechen.

„Es ist eine große Ehre und bedeutet mir sehr viel, vor Ihnen heute in Hebräisch, in meiner Muttersprache, sprechen zu können“, sagte Ruven Ben-Shachar. Die besondere Beziehung zwischen den Partnern könne man auch darin erkennen, dass er als Sohn Überlebender der Shoa gemeinsam die 25-jährige Freundschaft zwischen Givatayim und dem Landkreis Esslingen feiere. „Unsere Partnerschaft ist einzigartig in Israel und Deutschland.“

Das gemeinsame Ziel müsse es sein, so der Oberbürgermeister, „die unsägliche Vergangenheit, die unsere Gegenwart leider auch heute noch überschattet, wie Rassismus, Antisemitismus und weitere Übel, aus der Welt zu schaffen und eine neue Basis für Toleranz, Freundschaft, Frieden und Menschenrechte zu finden.“

Ruven Ben-Shachar beschrieb ebenfalls in einem kurzen Rückblick die Geschichte der Partnerschaft und des Jugendaustausches und war sich sicher, „dass das in den vergangenen 25 Jahren Aufgebaute Beispiel sein kann für jeden, der für unsere Kinder eine bessere Zukunft gestalten will.

Abschließend lud er Vertreter des Kreistags nach Givatayim ein, um im kommenden Frühjahr die 25-jährige Partnerschaft in Israel zu feiern und in der Negev-Wüste gemeinsam Bäume für den „Baden-Württemberg-Wald“ im „Wald deutscher Länder“ zu pflanzen, die wachsen sollen wie die Beziehung zwischen Givatayim und dem Landkreis.