Lokales

Partnerschaften zwischen den Familien

Der Integrationsausschuss des Kirchheimer Gemeinderates und die Stadtverwaltung hatte Menschen deutscher und ausländischer Herkunft zu einem Treffen im Rahmen des Projektes "Integration durch Familienpartnerschaften" in die Cafeteria der Alleenschule eingeladen. Ein Projekt, das insbesondere deutsche und ausländische Familien in der Teckstadt zusammenführen soll.

KIRCHHEIM "Ein guter Anfang ist gemacht", freute sich eine alleinerziehende türkische Mutter. Sie meinte damit die erfreulich hohe Zahl von Frauen, Männern und Kindern türkischer, tamilischer, italienischer und deutscher Herkunft, die Interesse an gegenseitigen Besuchen, Aktivitäten und Kontakten durch ihr Erscheinen zeigten. Sozialamtsleiter Roland Böhringer von der Stadtverwaltung machte in seiner Begrüßung die Grundgedanken des Projektes deutlich, das Kontakte zwischen deutschen und ausländischen Familien fördern und damit die Integration in die deutsche Gesellschaft leichter machen solle. Nicht Assimilation sei das Ziel, sondern eine Partnerschaft zwischen Menschen unterschiedlicher kultureller und sozialer Herkunft.

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Erdogan Budak, der Vertreter des Integrationsausschusses des Gemeinderates, hob hervor, dass man bewusst den Begriff "Partnerschaften" und nicht "Patenschaften" gewählt habe, um zu demonstrieren, dass man sich auf "gleicher Augenhöhe" begegnen wolle. Die deutsche Familie solle Partner, nicht Pate der ausländischen Familie sein. Bei "Integration durch Familienpartnerschaften" sollen sich ausländische und deutsche Familien und Alleinerziehende gegenseitig kennen lernen, etwas miteinander unternehmen, den anderen erfahren und sich gegenseitig annehmen, so Budak.

Integration setze das Interesse aneinander voraus und dieses Interesse demonstrierten die zahlreichen Menschen, die zum ersten Treffen gekommen waren. Integration sei für ihn nicht eine Sache der Sprache allein, es sei auch miteinander handeln. Auch sei es nicht nur eine Sache des Staates, merkte der Vertreter des Integrationsausschusses an, da Integration eben mehr als staatlich verordneter "Integrationskurse" bedürfe. Erforderlich sei die Initiative des Einzelnen, ob deutscher oder fremder Herkunft. Hier richtete er auch einen Appell an die Vertreter der ausländischen Vereine, das Projekt der Familienpartnerschaften engagiert zu fördern.

Es sei nichts Spektakuläres, was man erwarte, meinte Erdogan Budak. Die deutschen und die ausländischen Familien kämen über ganz selbstverständliche Dinge ins Gespräch: über den Arbeitsplatz, die Wohnung, die Kinder und vielleicht irgendwann auch einmal über "Beziehungsprobleme". Der Sprecher des Integrationsausschusses verwies darauf, dass sich auch in Kirchheim an manchen Beispielen aufzeigen ließe, wie wichtig solche familiären Kontakte, insbesondere für den schulischen und beruflichen Erfolg ausländischer Kinder und Jugendlicher seien. Hier warf ein Mann türkischer Herkunft ein, dass dies sehr wohl stimme. Er wäre heute bestimmt nicht beruflich so etabliert, wenn er nicht als Junge ganz selbstverständlich bei einer deutschen Familie ein- und ausgegangen wäre. Dies habe ihm geholfen, Barrieren und Sprachlosigkeit zu überwinden.

Erdogan Budak merkte hier aus eigener Erfahrung an, dass familiäre Kontakte auch ihm die Integration in die deutsche Gesellschaft, das Vertrautwerden mit dieser Gesellschaft, ihren ausgesprochenen und unausgesprochenen Normen und Regeln sehr erleichtert hätten. Die Motivation, die deutsche Sprache zu lernen und anzuwenden, sei ein wichtiger Gedanke bei dem Projekt "Integration durch Familienpartnerschaften". Insbesondere die Kinder profitierten davon, da sie auch in ihrer Freizeit die Möglichkeit hätten, deutsch zu sprechen und die Alltagskultur hautnah in einer deutschen Partnerfamilie zu erfahren. Die ausländischen Familien erführen, wie die Deutschen dächten und bekämen ganz nebenbei eine Menge von Informationen über das Land, das sie zum Lebensmittelpunkt für sich und ihre Kinder gemacht hätten, fuhr der Vertreter des Integrationsausschusses fort. Ausländische Familien würden nicht nur ihre Probleme besser lösen können, sondern sie würden auch gefordert.

Eine deutsche Frau merkte in einem der Gespräche an, die sich an den Tischen entwickelten, es habe ihr bei ihrer Reise in die Türkei sehr geholfen, dass sie durch ihre türkischen Freunde schon so viel über das Land, seine Tradition und auch die ganz andere Art zu denken, erfahren hatte.

Verabredungen für Besuche wurden schon bei dieser ersten Zusammenkunft getroffen und der Integrationsausschuss beabsichtigt, weitere Treffen zu organisieren. Nebenbei erfuhr man, dass sich eine größere württembergische Stadt für das Kirchheimer Modell interessiert. "Also ist es wohl eine gute Idee", bemerkte Sozialamtsleiter Roland Böhringer von der Stadtverwaltung.

gr