Lokales

Partystimmung in der ganzen Stadt

76 Bands sorgten bei der 16. Kirchheimer Musiknacht für einen neuen Besucherrekord

Die äußeren Voraussetzungen hätten besser nicht sein können, und so verwundert es nicht, dass die 16. Kirchheimer Musiknacht bis weit in die sonntäglichen Morgenstunden Menschen in Scharen in die Innenstadt lockte und dort auch festhielt. Rund 12 500 zahlende Besucher waren in der Stadt.

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Ganz besonders spektakulär setzten sich die gleich im Dutzend auf dem Kirchheimer Marktplatz auftretenden „Leningrader Klauboys“ in Szene. Unterstützt wurden die Tollenträger in spitzem Schuhwerk von drei grünhaarigen Grazien.  Foto: Markus Brändli

Kirchheim. Der offizielle Auftakt vor dem Kirchheimer Rathaus hatte sich terminbedingt etwas verzögert. Als nach Michael Holz und Andreas Kenner auch Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Besucher der Stadt willkommen heißen wollte, spielte die Technik kurz nicht mehr optimal mit.

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Dennoch war zu spüren, wie sehr sie sich darüber freute, dass aus der einst von Werner Dannemann mit seiner „Fête de la Musique“ aus der Taufe gehobenen und von Michael Holz und Andreas Kenner zu einer aus dem Veranstaltungskalender der Stadt nicht mehr wegzudenkenden Musiknacht eine Tradition entwickelt wurde, die sich längst zur größten Musiknacht in Süddeutschland weiterentwickelt hat.

Ganz besonders erfreut war das Stadtoberhaupt darüber, dass mit der Gruppe „Cross the Line“ auch eine Band aus Kirchheims ungarischer Partnerstadt Kalocsa an der Musiknacht teilnahm. Die Band hatte es bei einem Wettbewerb in Ungarn auf den ersten Platz geschafft und durfte zur Belohnung in die Teckstadt reisen, um sich im Mehrgenerationenhaus Linde dem Kirchheimer Musiknacht-Publikum zu präsentieren.

Die Konkurrenz war dabei ungewöhnlich hart, denn zu diesem Zeitpunkt wurden schon lange fast alle öffentlich zugänglichen Gärten und Gassen, Plätze und Promeniermeilen sowie berüchtigte oder neu wiedererweckte Kellergewölbe der Stadt musikalisch von Polka bis Punk flächendeckend bespielt. Gleich fünf weitere Bands begannen gegen 21 Uhr zeitgleich ihre Konzerte und sorgten unter regenfreiem Himmel für überbordenden Zulauf.

Vor dem Kirchheimer Rathaus begeisterte nach dem fulminanten Start von „Danny and the Wonderbras“ und der nicht minder mitreißenden Performance der „Vivid Curls“ einmal mehr die Frauenband „Miss Foxy“ mit der stimmgewaltigen Ausnahmesängerin Steffi Spingies.

Auf dem Martinskirchplatz wurde die besinnliche Stille von lautstarker Rockmusik der keinesfalls allzu pastoral daherkommenden Formation „Preachers ‚n‘ Poets“ vertrieben, und im musikalischen Bermudadreieck zwischen Stiftsscheuer, Wunderbar und Freudenhaus sorgte die Gruppe „Bewegung tut not“ für die passende Stimmung.

Dass die 16. Musik- auch als unvergessene Tanznacht in die Geschichte eingehen wird, hatte sich schon zur Mittagszeit beim Eröffnungskonzert vor dem Rathaus abgezeichnet. Schon mit den sehnlichst erwarteten ersten Takten der Band wirbelte ein begnadetes Rock‘n‘Roll-Tanzpaar über das Rathausvorplatz-Parkett, erntete mit eindrucksvollem Rhythmusgefühl und spektakulären Tanzchoreografien verdienten Szenenapplaus und degradierte die später auch im Wilden Mann gefeierte Band zunächst zu Hintergrundmusik-Lieferanten.

Dass eines Tages ausgerechnet die mehr als umstrittene Bepflasterung des Schlossplatzes sich als Hotspot begeistert tanzender Paare herauskristallisieren wird, hätte sich vor Beginn der aktuellen Ausnahme-Musiknacht sicher niemand vorstellen können, wurde von der Gruppe „Rumba Serena“ aber eindrucksvoll eines besseren belehrt.

Überbordenden Klamauk versprachen die bis zuletzt von drei Friseurinnen in Form gefönten „Leningrader Klauboys“, die schon von einer riesigen Menschenmenge auf dem Marktplatz erwartet und auch von Anfang an begeistert gefeiert wurden. Neben zwei Fackelträgern hatten sie für ihren spektakulären Auftritt gleich auch noch drei grünhaarige Grazien mitgebracht. Die zur „Miss Moskva“, „Miss Taiga“ und „Miss Ural“ gekrönten Schönen streckten ihre grüne Haarpracht genauso spektakulär in den Himmel über dem sonnenüberfluteten Marktplatz wie die wilden Musiker mit ihren witterungsresistenten „Echthaar-Vordächern“.

Die Musiknacht 2013 zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass das Gedränge so früh wie nie begann und es im Vergleich zu den Vorjahren deutlich schwieriger war, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.

Publikumsmagnet Calo Rapallo machte schon bald im Bereich Hopfenstube/Heidis ein Weiterkommen fast unmöglich, die Gerd Rube Band blockierte bei Stephano den Durchgangsverkehr, „Kobler & Friends“ hatten ihr angestammtes Terrain wieder fest im Griff und auch auf der Promenier-Meile am Schweinemarkt war durch „Heinz und die Bembel“, „Danny and the Wonderbras“ und vor allem auch durch „The Love Jones“ das Vorwärtskommen eher schwierig.

Trotz Großansturm auf die Stadt gab es aber immer auch Orte, an denen man sich in kleinerem Rahmen auf interessante Angebote einlassen konnte, wie etwa die von „Bliss“-Sängerin Jenny im Kaffee Konzept gebotene gefällige Mischung aus Soul-Musik, House-Melodien und afrokubanischen Rhythmen oder die im Kulinair von der Brasilianerin Christiane Ruvenal zelebrierten Bossa Novas, Sambas und Pop-Songs im Bossa-Stil.

Eine eindrucksvolle Begegnung mit der in Berlin lebenden Texanerin „Twana Rhodes“ ermöglichte ein vom Trubel in den Straßen völlig abgeschottetes Konzert im Bastionskeller, wo sich eine verschworene Gemeinschaft bei hochklassigem Jazz, Soul und Blues versammelt hatte.

Gelegenheit, lange brachliegende Kellerräume wiederzuentdecken boten neben „Mareeya“ in der „Minibar“ in der Max-Eyth-Straße auch Günter Wölfle und Harry Häussel, die den Keller im Alten Haus mit einem gefeierten Comeback zur unverzichtbaren Anlaufadresse machten. Schon zur Mittagszeit hatte der bekannte Liedermacher aus den 70er Jahren gemeinsam mit den „Rumblers“ und dem Blues-Harp spielenden Andreas Kenner Appetit gemacht auf ein Wiederhören mit dem „Spätzler-Blues“ und anderen gefeierten Liedermacher-Produkten der 70er-Jahre.

„Local Hero“ Werner Dannemann wurde beim Konzertauftakt um 18.30 Uhr im Wachthausgarten ebenfalls kurz von Andreas Kenner musikalisch begleitet und sorgte dann ab 23 Uhr dafür, dass der Zustrom zum neu entdeckten Keller des Alten Hauses nicht abriss, das kurze Zeit als Jazzkeller-Dependance des Landgasthofs in Ohmden gedient hatte. Neben dem Stadtkino, das mit „Folxton“, „Moria“ und „Hier kommt Alex“ Menschenmassen anlockte, war die Stadthalle mit „Aqua Loca“ dann ein weiterer Publikumsmagnet für alle, die noch immer nicht nach Hause wollten.

Weitere Fotos von der Musiknacht sind auf der Bilderseite auf Seite 21 der vorliegenden Ausgabe zu sehen sowie im Internet unter www.teckbote.de.