Lokales

Pasta-Fest zur "Geisterstunde"

Das erste Kirchheimer Mitternachts-Shopping, beispiellos im Ländle, schrieb aus dem Stand Erfolgsgeschichte: Dichtes Gedränge herrschte am Freitagabend in der Innenstadt, in den Geschäften ging es rund, und die ausgelassene Party dauerte bei sommerlichen Temperaturen bis in den frühen Morgen.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Über 100 Geschäfte lockten mit Sonderaktionen, Bars, Events, Musikdarbietungen oder sonstigen Überraschungen. Die Kunden schlenderten durch die stimmungsvoll in verschiedenen Farben illuminierte Stadt, ließen sich hier vom Cappuccino-Duft anziehen, nippten dort am Weinglas und gaben sich dem Genuss von schmackhaftem Zwiebelfleisch im Brötchen oder durftenden Crepes mit Schokoladensoße hin. Beim Bummeln in ausgesprochen heiterer Atmosphäre konnte man sich durchaus in einem südlichen Urlaubsort wähnen.

Auf das Schauen folgte das Kaufen, ganz dem eigentlichen Ziel der Veranstaltung entsprechend. Keimzelle der Idee zum Mitternachts-Shopping war ja bekanntlich das Ausbleiben von (Stamm-)Kunden in Kirchheims Geschäften, verursacht durch die Baustellenproblematik am Schweinemarkt. Doch davon war am Freitag nichts zu spüren. Spätestens ab 20.30 Uhr bildeten sich lange Schlangen vor Umkleidekabinen und Kassen. Passanten mit prall gefüllten Einkaufstaschen wurden zum typischen Anblick. Was allerdings ebenfalls überquoll, waren die Mülleimer. Ihr Inhalt legte beredtes Zeugnis ab vom Hunger und Durst der Kauflustigen.

Je später der Abend, desto bedeutsamer wurde die Beleuchtung. Die Läden griffen mit pfiffigen Ideen die Farben ihrer jeweiligen Quartiere auf. So konnte man beispielsweise "sein lila Wunder" erleben oder aber andernorts "in blau feiern". Teelichter, Fackeln und Kerzen sorgten zudem für angenehme Atmosphäre.

Frappierend war vor allem die mediterrane Gelassenheit, mit der sich Passanten allerorten gut gelaunt in lange Schlangen einreihten. Bis zu 15 000 Menschen sollen zeitgleich in der Stadt gewesen sein, wobei auch die Polizei keine nennenswerten Probleme ausmachte. An manchen Punkten, etwa vor dem Rathaus oder auch in der Max-Eyth-Straße sowohl Richtung Schweinemarkt wie auch Richtung Teckcenter, war mitunter kaum mehr ein Durchkommen. Wartezeiten wurden mit Live-Musik verkürzt, mit Gesprächen gefüllt oder auch der durch die Gassen tingelnden Gauklertruppe gewidmet, die mit atemberaubender Feuerakrobatik ihre Zuschauer beeindruckten.

Kein Zweifel: Nicht einmal die Optimisten unter den Geschäftsleuten und Gastronomen hatten mit derartigem Andrang gerechnet. Das bewiesen akute Versorgungsengpässe, die durch Improvisationskunst ausgeglichen wurden. Da gab es beispielsweise Gyrosstände, bei denen der Kunde das Fleisch nur noch ins selbst mitgebrachte Weckle gepackt bekam. Die Lokale der Innenstadt waren ohnehin schon früh belegt. "Hauptsache was zu essen" lautete ein viel gehörter Spruch, den hungrige Shopping-Gäste beim Gang durch die City auf den Lippen trugen.

Nach 23 Uhr mischten sich auch noch die Cineasten unter die Stadtbummelnden, die bis dato den preisgekrönten Streifen "Die fetten Jahre sind vorbei" im Rahmen des Sommernachtskinos auf dem Martinskirchplatz verfolgt hatten. Auch ihnen kam die Idee vom mitternächtlichen Spaghetti-Essen in der Fußgängerzone überaus gelegen. Während das üppige Feuerwerk vom Teckcenter aus den Himmel erleuchtete und würdevoll das Ende des nächtlichen Konsumrauschs einläutete, schufen fleißige Hände aus Bierbänken und-tischen eine völker-, geschäfte- und geschlechterverbindende Tafel in der Marktstraße vom Rathaus bis zum Wachthaus. Hungrige Zeitgenossen fanden hier Platz zuhauf.

Ab Mitternacht gab's aus den Küchen dreier Gastronomen Spaghetti mit Tomatensoße, selbstredend "al dente" und mit dem obligatorischen Parmesan. Wer eine Portion erhalten wollte, musste sich allerdings auch gewaltig in Geduld üben, obwohl Köche und Wirte mit Schweißperlen auf der Stirn eifrig am Werke waren. Verantwortlich dafür waren natürlich auch die sommerlichen Temperaturen am Freitag. Bei immer noch 20 Grad im Innenstadtbereich nach Mitternacht zog es die Kundschaft nicht nach Hause. Zweifellos gebührt dem Wetter ein entscheidender Anteil am Erfolg des ersten Kirchheimer Mitternachts-Shoppings.