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Per Muskelkraft zum erhofften Wirtschaftsmotor

KREIS ESSLINGEN Es war die Tour der Kontraste: Rann den Radlern um Landrat Heinz Eininger in den vergangenen Jahren bei hochsommerlichen Temperaturen der

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ANKE KIRSAMMER

Schweiß von der Stirn, goss es auf der diesjährigen Schleife mitunter wie aus Kübeln. Traditionell hatten sich wieder Kreisräte, Vertreter von Verwaltung und Presse sowie Bürgermeister an die Fersen des Kreisverwaltungschefs geheftet. Statt mit Muselkraft Natur pur zu genießen, gehörte zur traditionellen Infofahrt durch den Landkreis heuer auf der 55 Kilometer langen Runde auch ein Abstecher zum erhofften Wirtschaftsmotor Neue Messe. Strecken über lauschige Waldwege durchs Aichtal und im Sauhag wechselten sich ab mit Abschnitten unter gigantischen Brückenbauten wie dem Sulzbachviadukt und entlang stark befahrener Bundesstraßen.

Auch wenn die Aufschrift "Tour Guide" auf dem Trikot des Esslinger ADFC-Vorstandsmitglieds Thomas Rumpf in die Irre führte: Erstmals strampelte der Tross unter der Ägide von Landratsamts-Pressesprecher Peter Keck, der damit in die Fußstapfen seines Vorgängers Hans-Joachim Bosse tritt und ein gewohnt buntes und informatives Begleitprogramm organisiert hatte.

Die Radlerkluft unter Regenjacken verhüllt, ließ die sportelnde Truppe am Vormittag die dichte Bebauung des Scharnhauser Parks hinter sich, durchquerte die Filder und machte im Atelier des ehemaligen Landkreis-Stipendiaten Uli Gsell in Kemnat sowie vor der Uni Hohenheim Halt.

Es lag nicht nur am zunehmenden Regen und dem unter Reifen und Schuhen schmatzenden Fildermatsch: Sich per Drahtesel zur Messebaustelle vorzuarbeiten glich angesichts unzähliger Ampeln und Bordsteine einem Slalom- und Hindernislauf. Mit Radlern scheint am Verkehrsknoten Flughafen offenbar niemand zu rechnen. Nicht verwunderlich war deshalb die Begrüßung durch den Geschäftsführer der Projektgesellschaft Neue Messe, Ulrich Bauer: "Radfahrer sind unsere seltensten Gäste." Die verkehrspolitische Diskussion spann sich jedoch erwartungsgemäß um die weitere Zunahme motorisierter Fortbewegungsmittel durch die Messe, sind doch bereits jetzt die Hauptverkehrsachsen A8 und B27 insbesondere zu Stoßzeiten überlastet. Angesichts der Zahl von zehn Millionen Fluggästen im Jahr fielen laut Bauer die zusätzlichen 1,5 Millionen Messebesucher kaum ins Gewicht. Eine ampelfreie Zufahrt sowie jeweils sechs Schranken an Parkhaus und Tiefgarage würden einen reibungslosen Abfluss des Verkehrs garantieren. Leinfelden-Echterdingens Bürgermeister Dr. Gerhard Haag und sein Filderstädter Amtskollege Dieter Lentz warfen Bauer indes "Schönrechnerei" vor. Durch den auf Messen üblichen Besucherandrang am Vormittag würden sich die Spitzenzeiten auf den Straßen wohl vielmehr um eine Stunde verlängern.

Weniger den Wirtschaftsraum als mehr das Spannungsfeld von Naherholung und Landschaftsschutz brachte Dr. Roland Bauer, ökologischer Berater im Landratsamt, den Radlern nahe, als er den Blick beim späteren Kontrastprogramm im idyllischen Siebenmühlental auf die seltene Flora und Fauna richtete. Artenreich blühende Blumenwiesen sind dort ebenso zu finden wie Schwarzspechte, Fledermäuse und das Bachneunauge.

Der Informationshunger wurde bei inzwischen strahlendem Sonnenschein auch in Grötzingen gestillt: Dort wird für 1,3 Millionen Euro eine Mensa samt Nebenräumen für die Ganztagesbetreuung für Grund- und Hauptschüler gebaut. Den letzten Stopp vor dem Landratsamt legte das 16-köpfige Fahrerfeld an der Körschmündung ein. Noch einmal wurde dem Peloton die enge Verzahnung von Wirtschaft und Natur deutlich: Die Renaturierung des Flusslaufs dient als Ausgleich für die Fildermesse.