Lokales

Perfekte Weihnachten?

Kommt Ihnen das bekannt vor? Jedes Jahr denke ich wieder: Diesmal wird an Heiligabend und an Weihnachten alles besser. Diesmal habe ich die Geschenke früher. Diesmal sind die Weihnachtsplätzchen früher gebacken. Diesmal ist die Weihnachtspost früher geschrieben. Diesmal kaufen wir den Baum früher. Diesmal sind wir an Heiligabend früher mit den Vorbereitungen fertig. Diesmal wird es ein ruhiger und harmonischer Heiligabend: nach dem Gottesdienst ein gemütliches Abendessen, eine fröhliche Bescherung, ein Abend mit guten Gesprächen und Spielen und ohne Streit . . . und dann kommt doch alles wieder ganz anders.

Bei meinem Sehnen und Hoffen auf ein schönes, harmonisches Weihnachtsfest vergesse ich allzu oft, dass das schönste und harmonischste Weihnachtsfest am Eigentlichen vorbeigehen kann. Durch zahlreiche Medien wird mir suggeriert: Du musst nur alles gut genug vorbereiten, dann wird es das perfekte Weihnachten. Aber auch die perfekteste Vorbereitung macht noch lange kein gutes Weihnachten. Vermutlich lenkt eine perfekte Vorbereitung sogar eher vom Wesentlichen ab als ein Weihnachten mit Pleiten und Pannen.

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Schauen wir 2000 Jahre zurück: Wenn es nach der Qualität der Vorbereitungen ginge, wäre das erste Weihnachten mit Sicherheit das schlechteste gewesen. Das war, objektiv betrachtet, eine einzige Katastrophe. Eine Reise zu Fuß mit einer hochschwangeren Frau, keine vorherige Zimmerreservierung in einem Gasthaus und schließlich die Geburt in einer Notunterkunft: Wie haben sich wohl die Dialoge zwischen Maria und Josef gestaltet? Sicher keine traute Familienidylle, wie wir sie von zahlreichen Krippenbildern kennen, ich könnte mir vielmehr vorstellen, dass Maria ihrem Josef heftig die Meinung sagte.

Und doch war dieses Weihnachten das allerbeste und allerwichtigste! Es hätte nie von Menschen vorbereitet werden können. Mit dem neugeborenen Kind kam ein Licht in die Welt ein Licht aus einer anderen Wirklichkeit. Die Engel in der Erzählung, sie stehen dafür, sie kommen von oben her, vom Himmel, nicht von der Erde. Nicht die irdischen Menschen damals konnten etwas dazu tun, dass Weihnachten wurde. Und genauso ist es heute noch bei uns: Wir können zwar viel planen, organisieren und tun, aber dieses Licht, das da aus einer anderen Welt kommt, das können wir nicht "machen".

Weihnachten kam nicht durch perfekte Vorbereitungen von Menschen, sondern weil Gott wollte, dass es Weihnachten wird. Gott schickte das Licht nicht zu perfekten Menschen. Wäre bei uns Menschen alles perfekt und lichterfüllt, hätte es Weihnachten nicht gebraucht. In unser Scheitern, in unsere Dunkelheiten, in unsere "Unperfektheit" hinein schickt Gott uns sein Licht. Er schenkt uns seinen Sohn. Durch dieses Geschenk bekommt Gottes Liebe für uns Gesicht, Hand und Fuß. Es ist an uns, dieses Geschenk anzunehmen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen perfekte Weihnachten! Susanne Appl Gemeindereferentin Katholische Kirche Sankt Ulrich, Kirchheim