Lokales

Perfektes Zusammenspiel von Hund und Mensch

WEILHEIM "Bei Obedience kann jeder mitmachen, der Lust an Gehorsamsübungen hat", sagt Ursula Reiff über ihren Sport, den sie seit anderthalb Jahren gemeinsam mit Schäferhündin Gipsy von der Mohnwiese

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ANKE KIRSAMMER

betreibt. Zur Begeisterung hat sich inzwischen auch der Erfolg gesellt: ein zweiter Platz bei den deutschen Meisterschaften in Aalen. Ob Schäferhund, Dobermann, Rottweiler, Boarder Collie, Schnauzer, Mischling oder Yorkshireterrier "man sieht alle Hunderassen; das ist für mich an Obedience das schöne", betont Ursula Reiff. Bei ingesamt zehn Aufgaben, deren Reihenfolge nicht festgelegt ist, geht es darum, "Bei-Fuß-Gehen", Apportieren, Vorausschicken, Abrufen, Bleib-Übungen sowie Sitz, Platz und Steh aus der Bewegung möglichst exakt auszuführen. "Gipsy fällt es besonders schwer, ihren Lauf beim Herkommen zu unterbrechen", erklärt die Hundenärrin. Unter verschiedenen Stöckchen ein Holz zu "erschnuppern", das die Besitzerin zuvor unter die Jacke gesteckt hatte, ist eine andere Aufgabe, die nicht nur der Schäferhündin von Ursula Reiff schwer fällt.

Hat der Vierbeiner die Übungen erfolgreich ausgeführt, wird er mit Futter oder Beutespiel belohnt "positive Bestärkung", heißt das im Hundesport-Jargon. Überhaupt, sagt Ursula Reiff, habe sich in den Vereinen in den vergangenen Jahren eine Menge getan. Das Abrichten von Hunden sei dort inzwischen verpönt; vielmehr arbeiteten allen voran die Welpenschulen nach dem neuesten Stand der Wissenschaft.

Um das Zusammenspiel mit Gipsy zu perfektionieren, trainiert Ursula Reiff zwei bis drei Mal in der Woche auf dem Weilheimer Hundesportplatz. Den Grundstock legte sie bereits im Welpenalter der heute vierjährigen Hündin. Ursprünglich kommt das Team aus dem VPG-Sport. Die Gehorsamsübungen der Vielseitigkeitsprüfung für Gebrauchshunde bereiteten der Schäferhündin großen Spaß mit ihr auf Obedience umzusatteln, reizte die Ohmdenerin. Die Deutsche Vizemeisterin wird nicht müde zu betonen: "Der Sport ist faszinierend, wenn Hund und Mensch Spaß an den Übungen haben. Den Hund über den Platz zu ziehen, macht keinen Sinn."

Auch aus dem Agility-Bereich finden immer mehr Quereinsteiger zu der in Deutschland noch sehr jungen Sportart Obedience. Inzwischen gibt es sechs deutsche Richter. Zur ersten deutschen Meisterschaft im vergangenen Jahr musste die Jury noch aus dem Ausland anreisen.

Nach dem Erfolg in Stufe zwei strebt Ursula Reiff im kommenden Jahr in Seeheim eine Teilnahme auf Bundesebene auf Stufe drei, der höchsten Klasse, an. Hier müssen die Vierbeiner die Übungen teilweise komplett ohne Sichtkontakt zu ihrem Hundeführer meistern. Wie genau die Richtlinien für eine Qualifikation aussehen, steht derzeit noch in den Sternen. In diesem Jahr reichte es aus, bei den Meisterschaften des Südwestdeutschen Hundesportverbands unter den ersten sechs zu landen und zwei Mal mit einem "Vorzüglich" dekoriert zu werden.

Jeden Freitag von 16.30 Uhr an haben Mitglieder des Weilheimer Hundesportvereins Gelegenheit, sich in einem offenen Training von Ursula Reiff ein paar Kniffe für den Umgang mit ihrem Vierbeiner zeigen zu lassen. Im kommenden Frühjahr möchte die Ohmdenerin einen speziellen Obedience-Kurs anbieten.

INFO In England wird Obedience bereits seit 20 Jahren praktiziert. Wesentliches Merkmal ist, dass nicht selbstständig gearbeitet werden darf. Der Wettkampfleiter/Steward gibt die Anweisungen, stellt den Parcours auf und kann vor der jeweiligen Übung befragt werden. Von den Hunden wird volle Konzentration abverlangt, und es kommen keine Hilfsmittel zum Einsatz.