Lokales

Perry Trachtenmode macht Ende März 2007 dicht

Im Mai berichtete der Teckbote, dass die Wernauer Firma Henne Country Mode GmbH & Co ihre Versandabteilung schließt und die Verwaltung reduziert. Damals wurde 14 Mitarbeiterinnen gekündigt. Nun verlieren auch die restlichen 25 ihren Arbeitsplatz: Zum 31. März will die Firma, zu der die Marke Perry gehört, dicht machen, bestätigt Geschäftsführer Thomas Henne.

REGINA SCHULTZE

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WERNAU "Unser Bestreben ist, zu verkaufen, was noch zu verkaufen ist", sagt Thomas Henne, der mit seinem jüngeren Bruder Fritz die Geschäfte des 1964 gegründeten Unternehmens führt. Seit Monaten ist das 5800 Quadratmeter große Gebäude in der Antoniusstraße auf dem Markt. Seit zwei Wochen sei ein Makler eingeschaltet. Eine weitere Halle wurde schon vor Längerem an den direkten Nachbarn, den japanischen Werkzeugmaschinenhersteller Mori Seiki verkauft.

Die Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessenausgleich für die restlichen 22 Mitarbeiterinnen und 3 Mitarbeiter haben begonnen. Dazu werden dem Anwalt des Betriebsrats die Bilanzen vorgelegt. "Das wird eine normale, stille Abwicklung", sagt Thomas Henne. "Wir wollen ein vernünftiges Ende hinbekommen." Dass die Mitarbeiter zur Weiterqualifizierung in eine Beschäftigungsgesellschaft übernommen werden, schließt er aus. In den vergangenen Jahren hatte die Firma kräftige Verluste gemacht. Die Belegschaft schrumpfte seit 1998 stetig; damals waren noch 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt.

Gerade eben war die Nachfrage nochmals schlagartig hochgeschnellt: Zu Zeiten der Volksfestes ist Trachtenmode gefragt. Im Festzelt Göckelesmaier wurden alle Bedienungen mit Dirndln ausgestattet, die zwar in Polen und Mazedonien genäht, aber in Wernau entworfen wurden. Auch auf dem Münchner Oktoberfest statteten die Schwaben die Serviceteams von drei Festzelten aus. Insider meinten schon zu Henne, es sei der falsche Zeitpunkt aufzuhören, der Markt für Trachtenmode ziehe wieder an. Zu spät für die verbliebene Belegschaft.

Im März hatte die Henne Country Mode bereits 14 ihrer 35 Mitarbeiter entlassen. Damals wurde der Versand geschlossen und die Verwaltung verkleinert. Einige klagten gegen die Kündigung. Mit fünf Frauen einigte sich der Betrieb in Güteterminen, bei denen das Gericht die Abfindungen um 20 bis 25 Prozent aufstockte. In zwei Fällen wurde kein Vergleich gefunden, Anfang Dezember wird das Arbeitsgericht Stuttgart über die Kündigungsschutzklagen entscheiden.

"Ich sehe das als klare Strategie, erst einen Geschäftsteil zusammen mit dem Betriebsrat aufzulösen und dann ganz dicht zu machen", sagt der Nürtinger Rechtsanwalt Jochen Leibold. Er hatte die sieben Mitarbeiterinnen vertreten und stuft die Höhe der Abfindungen nach teils 28 und 37 Jahren als "sehr gering" ein. Seiner Ansicht nach will die Geschäftsführung eine Insolvenz vermeiden. Schließlich prüfe ein Insolvenzverwalter die Zahlen sehr genau. "Vielleicht ist die Fortführungsprognose gut und eine günstige Prognose gar nicht erwünscht?", mutmaßt der Anwalt. Er geht davon aus, dass es einen Markt für die Trachtenmode gibt. Und er vermutet, dass "in einem anderen rechtlichen Kleid weitergemacht wird". Das findet der Rechtsanwalt nicht einmal schlimm. "Schlimm ist aber, wenn man einen Betrieb ausbluten lässt."

Dass die Brüder Henne wieder eine Trachtenmodefirma eröffnen, dann mit einem anderen eingetragenen Inhaber, diese Konstruktion schloss Thomas Henne aus. "Wir wollen komplett aufhören." Und eine Insolvenz melde man nur an, "wenn man die Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllen kann".

"Die Arbeitsplätze sind nicht mehr zu retten, ich habe keine Hoffnung mehr für die Mitarbeiter", sagt Klaus-Dieter Holler von der zuständigen IG Metall in Esslingen. Er hatte dafür gesorgt, dass die Betriebsratswahlen wegen einiger Fehler wiederholt wurden. Holler warnt die Belegschaft davor, Aufhebungsverträge zu unterschreiben: Damit entfalle die Klagemöglichkeit. Der Gewerkschafter glaubt, dass der Betriebsrat von der Geschäftsleitung "verschaukelt" wurde: Um den Betrieb zu retten, seien die Versandmitarbeiter mit wenig Geld heimgeschickt worden, und nun mache der Betrieb dennoch dicht. Das sei offenbar geplant gewesen, sagt Holler: Es sei gar keine Herbstkollektion mehr entworfen worden. Diesem Vorwurf widerspricht Thomas Henne: Mit den Planungen der Herbstkollektion sei im September begonnen worden. Nachdem die Nachfrage aber zu gering gewesen sei, wurde die Arbeit eingestellt. "Wir sind ein zu großes Unternehmen für den kleinen Nischenmarkt", meint der 52-Jährige.