Lokales

Pfarrstellenabbau auch in Kirchheim

Als "Wunschdenken der Lebendigen Gemeinde, das mit der Wirklichkeit der Gesellschaft nichts gemein hat", bezeichnete die Synodale Cornelia Brox das Thesenpapier zur Familie, das von der konservativen Synodenmehrheit gegen die Stimmen der Offenen Kirche letzte Woche verabschiedet wurde.

KIRCHHEIM "Es ist ein Papier der Lebendigen Gemeinde", stellte Cornelia Brox bei ihrem Synodenbericht am Mittwochabend in Reudern fest. Allein schon der einleitende Satz disqualifiziere das Papier: "Familie ist die grundlegende Form des menschlichen Zusammenlebens, in dem Menschen von Beginn bis zum Ende ihres Lebens Heimat und Raum zum Leben finden." Dies sei eine direkte Diskriminierung allein Lebender.

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Nicht nur in Städten lebt die Hälfte der Menschen als Singles. Wie die Kirche diese Menschen mit solchen Aussagen erreichen wolle, bleibe das Geheimnis der Lebendigen Gemeinde. Wenn in diesen Thesen vom biblisch-reformatorischen Bild von Ehe und Familie die Rede sei, bleibe dunkel, was man sich darunter vorzustellen habe. Etwa Abraham oder David, die mehrere Frauen hatten?

Brox erinnerte daran, dass der erste Mord in der Bibel ein Brudermord gewesen sei, und "wenn wir uns am Leben Jesu orientieren, dann haben wir zur Kenntnis zu nehmen, dass er nicht verheiratet war und keine Kinder hatte". Auch er sei dann mit dem einleitenden Satz wohl gemeint. Nicht von ungefähr sei für Protestanten die Ehe kein Sakrament. Luther habe sie lediglich als "ein nützlich Ding" bezeichnet.

Im Übrigen gebe es in dem Papier kein Wort zu Ganztagesbetreuung in Schulen und Kindergärten, kein Wort zu einem gleichberechtigten Rollenverständnis von Mann und Frau, also auch keine Forderung an die Politik oder an die kirchlichen Träger.

Ihre Ausführungen zur Finanzlage der Kirche waren von den ständig einbrechenden Kirchensteuereinnahmen geprägt. "Was heute als richtig erkannt und beschlossen wird, ist morgen schon wieder überholt", stellte sie fest. Lösungen suche die Synode auf dem Weg der Absenkung von Personalkosten, der Reduktion von Immobilien und organisatorisch-strukturellen Veränderungen, auch einer Verwaltungsreform im Oberkirchenrat und in den Bezirken. Auch bleibe es beim Pfarrplan 2011 dabei, dass auf jeden Fall 109 Pfarrstellen abgebaut würden, das bedeute für den Bezirk Nürtingen vermutlich 1,75 Stellen, für den Bezirk Kirchheim 1,5. Verstärkt werde es in Zukunft für Pfarrer darauf ankommen, sich auf das "Kerngeschäft" Verkündigung, Seelsorge, Kasualien und Unterricht zu konzentrieren, Arbeit auf andere Haupt- und Ehrenamtliche zu delegieren und mit Kolleginnen und Kollegen zu kooperieren. "Nicht alle müssen alles machen", betonte Cornelia Brox.

pm