Lokales

Pflanzprojekt mit Generationeneffekt

Auf 50 Hektar legte der Orkan "Lothar" vor gut fünf Jahren in Kirchheims Wäldern die Bäume flach. Gestern nun griff Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker höchstpersönlich gemeinsam mit Jesinger Hauptschülern zum Spaten und gab damit einen neuen Impuls für eine Pflanzaktion im "Bettenhart". Gefördert wird das Projekt von der Stiftung "Wald in Not", Optik Fielmann spendete dazu 3 500 Bäume.

RICHARD UMSTADT

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KIRCHHEIM Nicht Mathe und Rechtschreiben stand gestern Vormittag für 45 Acht-, Neunt- und Zehntklässler der Jesinger Werkrealschule auf der Stundentafel, sondern "nachhaltige Waldpädagogik". Was dies in der Praxis bedeutet, konnten die Jungen und Mädchen am eigenen Leib erfahren. Schwielen an den Händen waren bei dieser Art von Unterricht keine Seltenheit. Auf Anweisung von Revierleiter Daniel Rittler pflanzten die Jungen und Mädchen zusammen mit ihren Lehrern und städtischen Waldarbeitern im Jesinger Forst auf 1,1 Hektar Fläche junge Eschen, Roterlen, Hainbuchen, Rotbuchen, Spitzahorn und Winterlinden. Auch der Leiter der Kirchheimer Fielmann-Filiale, Markus Wirth, bohrte einen Morgen lang den Spaten in den feuchten Waldboden, hatte doch sein Boss die insgesamt 3 500 Bäumchen im Wert von rund 3 000 Euro gespendet.

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, die fürs Foto ebenfalls zur Schippe griff, würdigte die Bedeutung des Waldes und unterstrich seine Funktion als Naherholungsgebiet, als Kohlenstoff-Speicher und Nutzwald. Sie erinnerte an die Aufregung in deutschen Landen über das Waldsterben vor über 20 Jahren und bedauerte das Desinteresse der Politik an dem immer noch aktuellen Thema. Matt-Heidecker erinnerte an die Waldzustandserhebung 2004, aus der hervorgeht, dass die Schäden wieder zunahmen.

Dem Geschäftsführer der Stiftung "Wald in Not", Dr. Christoph Abs, dankte sie ebenso wie Markus Wirth von Optik Fielmann sowie den Schülerinnen und Schüler für ihren Einsatz: "Was Ihr heute gepflanzt habt, können Eure Enkel und Urenkel noch erleben", denn die gepflanzten Bäume benötigen Generationen, bevor sie schlagreif sind.

Auf die Anfänge der Stiftung "Wald in Not" vor über 20 Jahren ging Dr. Christoph Abs ein. Im Oktober 1983 trafen sich in Bonn Männer und Frauen aus Politik, den Verbänden, Medien, der Wirtschaft und der Wissenschaft, denen der Wald besonders am Herzen lag. Damals machte das "Waldsterben" Schlagzeilen. Die Stiftung wurde gegründet mit dem Ziel, die Wälder zu retten.

Die Devise "Wir müssen in die Zukunft investieren" habe sich als richtig erwiesen, meinte Dr. Abs. Die Stiftung "Wald in Not" fördere in ganz Deutschland Neuanpflanzungen, Wiederaufforstungen und den ökologischen Umbau von Waldflächen sowie die Verwendung von Holz als nachwachsenden Energierohstoff. Nach wie vor habe die Aufgabenstellung der Stiftung große Aktualität, auch wenn der Begriff Waldsterben aus den Schlagzeilen verschwunden sei. "Die Waldböden sind versauert und der Forst leidet", so Dr. Abs. Zwei von drei Bäumen seien bundesweit vor allem durch den extrem trockenen Sommer 2003 und die Borkenkäferplage geschädigt. Deshalb sei es wichtig, Bäume zu pflanzen und die durch das Waldsterben und "Lothar" geschlagenen Lücken zu schließen. Grund genug für die Stiftung, das Kirchheimer Aufforstungsprojekt zu fördern. Besonders gut gefallen habe der Stiftung, dass sich Schulklassen an der Aktion beteiligten. "Wir unterstützen gerne diese wichtige Art der Waldpädagogik."

Ihre Arbeit finanziert "Wald in Not" vor allem aus Spenden.

Wie Markus Wirth, der Leiter der Fielmann-Niederlassung Kirchheim, sagte, engagiert sich der Augenoptiker seit über 20 Jahren im Naturschutz. Jedes Jahr pflanze das Unternehmen für jeden Mitarbeiter einen Baum, bis heute seien dies weit mehr als 600 000 Gehölze. Im Zuge der Wiederaufforstung nach "Lothar" setzte der Brillen-Filialist inzwischen rund 30 000 Bäume, darunter in Backnang, Heidenheim, Konstanz, Ludwigsburg, Offenburg und Rastatt. Besonders freute sich Markus Wirth über das Engagement der Schüler und Schülerinnen. "Wir pflanzen die Bäume für die nachwachsenden Generationen."