Lokales

Pflegeeinsatz im Schilfgürtel der Wernauer Baggerseen

Rund 30 Frauen und Männer waren am Samstag im Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen im Einsatz, um das ständig nachwachsende Buschwerk zurückzuschneiden und so den für viele seltene Tiere lebensnotwendigen Schilfgürtel zu sichern.

CHRISTA ANSEL

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WERNAU Wird das Buschwerk nicht zurückgeschnitten, hat der Schilfgürtel um die Wasserflächen der Baggerseen keine Chance zum Überleben, erläuterte Johann Waskala den Sinn des Pflegeeinsatzes. Dort, wo dem Schilf das notwendige Licht zuteil wird, werden die Pflanzen so stabil, dass sie den seltenen Vögeln im Naturschutzgebiet den Rückzugsraum bieten, den sie suchen. Johann Waskala, seit Jahrzehnten um das besondere Naturschutzgebiet in der dicht besiedelten Region engagiert, nennt nur ein Beispiel. Seit zwei Jahren brütet hier die Zwergrohrdommel erfolgreich, ist die seltene Rohrdommel Wintergast an den Wernauer Baggerseen.

Das Wernauer Naturschutzgebiet ist für die Menschen nur auf vorgegebenen Wegen passierbar. Am Samstag allerdings bot sich ein für dieses Gebiet ungewohntes Bild: Im Schilf wimmelte es von Helfern, dröhnten Motorsägen, schleppten Männer und Frauen Äste aus dem Schilf. Der jährliche Pflegeeinsatz des Naturschutzbundes war angesetzt. Und gekommen waren aus dem Kreisverband des Naturschutzbundes und den angrenzenden Bereichen rund 30 Helfer. Unter ihnen in jedem Jahr eine Gruppe Männer vom Arbeitskreis Umwelt der Daimler-Chrysler AG, die mit ihrem Einsatz im Naturschutzgebiet den eigenen Arbeitgeber immer wieder daran erinnern möchten, wie sinnvoll es wäre, die unter Naturschützern äußerst umstrittene Teststrecke in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet zu verlagern.

Sven Giesler und Harald Walter engagieren sich für die Umwelt und fahren Auto und sind beide der Meinung, dass eines das andere nicht ausschließen muss, es vielmehr darum gehe, vernünftige Lösungen zu finden. Und so möchten sie mit ihrer Mithilfe beim Pflegeeinsatz den eigenen Konzern ermahnen: "Kümmert euch darum, es gibt verträglichere Standorte für eine Teststrecke als im Naturschutzgebiet."

Die Aussichten, die Daimler-Teststrecke aus dem Neckartal zu verlagern, schätzt Johann Waskala bislang nicht sehr gut ein. Viele Jahre kämpft der Naturschutzbund um dieses Ziel. Die Daimler-Teststrecke in direkter Nachbarschaft zum Naturschutzgebiet scheint bislang unverrückbar.

Mit wie viel Herzblut sich Johann Waskala für die Wernauer Baggerseen einsetzt, ahnt der, der sich mit dem Wernauer unterhält. Das Einmalige am Naturschutzgebiet Wernauer Baggerseen ist nicht nur die Wasserfläche mit den Schilfgürteln. Einmalig sei die Einbindung dieses Refugiums in eine Landschaft, die vom noch immer intakten Waldgebiet Plochinger Kopf hinüberreicht bis zu den Steinriegeln mit den Streuobstwiesen auf Wendlinger und Wernauer Markung.

Kein Zweifel, Johann Waskala und mit ihm der Naturschutzbund freut sich, dass man jetzt endlich zumindest dem zweiten ganz wichtigen Ziel des Naturschutzes in diesem Bereich näher rückt: dem Rückbau der alten Bundesstraße, die noch immer der Zufahrt zum Trainingsgelände des Motorsportclubs Köngen-Wendlingen dient und zudem von vielen Spaziergängern und Radfahrern genutzt wird. Jetzt ist der Rückbau im Zuge der Renaturierung des Brauneisen-Geländes auf Wendlinger Markung, die auch das Aus für das MSC-Trainingsgelände bedeutet, geplant. Johann Waskala spricht von rund 30 Hektar Fläche, die durch den Rückbau der rund einen Kilometer langen Straße neu dem Naturschutz zugeschlagen werden kann. Vor allem für die Tierwelt sei diese Fläche wichtig. Jeder Mensch, der den Weg entlang der alten Bundesstraße nutze, störe die Tierwelt beidseits des Weges auf einer Breite von bis zu 150 Metern. Vervielfacht werde diese Zone, wenn Hunde mitgeführt werden. "Wenn jetzt diese Straße herausgenommen wird, geht es aufwärts", freut sich Johann Waskala.

Dabei sollen die Spaziergänger keineswegs gänzlich aus dem Naturschutzgebiet verscheucht werden. Im Gegenteil, der Naturschutzbund denkt an eine Erschließung des Naturschutzgebietes zwischen Baggerseen und Neckar. Dort verläuft heute schon ein Fußweg, der möglicherweise ausgebaut und über das Wernauer Stadion erreicht werden kann. Geplant ist auch ein besserer Zugang der Seen von der Wendlinger Seite.