Lokales

Plädoyer für eine "vertrauenschaffende Bildungskultur"

Einen Schlüssel bekam der neue Schulleiter der Bissinger Grund- und Hauptschule, Rektor Wolfgang Rose, 49, bei seiner feierlichen Amtseinsetzung überreicht. Eine symbolische Geste, denn dass es dem Pädagogen bereits gelungen ist, den richtigen Zugang zu den Herzen der Schüler, Eltern und Lehrer zu finden, bewiesen die Worte der Redner sowie die Darbietungen der Schüler und seines Lehrerkollegiums.

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN "Tempus fugit", oder auf gut schwäbisch "Wie'd Zeit vrgoht": Damit erinnerte Lehrerkollege Gerold Fay die Gäste an das "Vorleben" von Wolfgang Rose, der für die älteren im Bissinger Pädagogenteam kein Unbekannter ist. 1979 nämlich trat der damalige Junglehrer an der Grund- und Hauptschule der Seegemeinde seinen Dienst an. "Und er wich nicht vom Fuße der Schwäbischen Alb", kommentierte die Leitende Schulamtsdirektorin des Staatlichen Schulamtes in Nürtingen, Helga Willers, die Tatsache, dass der engagierte Pädagoge 1991 als Schulleiter die Grundschule Neidlingen übernahm. Nach 13 Jahren und in einer Zeit großer bildungspolitischer Änderungen kehrte er wieder an die Schule zurück, in der er sich die ersten Sporen verdiente. Willers verwies auf eine größere Selbstständigkeit der Bildungseinrichtungen, die sie als ein lernendes System verstand, das sich weiterentwickle. Darin sah die Schulamtsdirektorin auch eine Chance für den neuen Rektor und sein Kollegium. "Wir können keine Zeit mehr verschwätzen," meinte sie im Hinblick auf die aktuelle PISA-Studie. Es gehe darum, über die Definition eines neuen Leistungsbegriffes nachzudenken, ohne den ganzen Menschen aus dem Blickfeld zu verlieren. Das brauche die Kooperation aller. Willers bot dem "loyalen und offenen Schulleiter", der bereits seit 1. August im Amt ist, ihre Unterstützung an. "Ein guter Ruf eilte Ihnen voraus", freute sich Bissingens Bürgermeister Wolfgang Kümmerle, der stolz die Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule beschrieb. Die Gemeinde sei dabei, Haushaltsmittel fließen zu lassen, um die Substanz der Gebäude zu erhalten und zu verbessern. "Aktuell stehen der Pausenhof und Brandschutzmaßnahmen an." Doch hänge der Erfolg nicht nur von einem gut ausgestatteten Schulhaus ab, sondern vor allem von den Menschen, die darin wirken. Sorgen bereiteten dem Bürgermeister die rückläufigen Schülerzahlen der Hauptschule.

Dem neuen Schulleiter übergab Kümmerle in einer symbolischen Geste den Generalschlüssel der Schule und wünschte Rose den Zugang zu den Herzen aller Schüler, Eltern und Lehrer. Namens der katholischen und evangelischen Kirche gab Schuldekan Christof Buchholz dem neuen Rektor gute Wünsche und ein Buchpräsent mit auf den Weg. "Möge Ihr persönlicher Weg und der der Schule behütet sein." Elternbeiratsvorsitzender Albert Wendling hieß Wolfgang Rose im Namen der Eltern willkommen und bot die partnerschaftliche Arbeit des Beirats an, wobei er eine "faire und konstruktive Zusammenarbeit" zusagte. "Möge es Dir gelingen, viele neue Türen zu öffen", wünschte Roses Vorgänger, Rektor a. D. Ekkehart Goebel, seinem Nachfolger und überreichte ihm den Schlüssel, den er bereits von seinem Vorgänger, Rektor a. D. Walter Bizer, bei der Amtsübergabe erhalten und der seither seinen festen Platz im Rektorat hatte.

Sichtlich bewegt dankte Rektor Wolfgang Rose für die vielen, guten Wünsche und blickte kurz zurück auf seinen beruflichen Start an der Bissinger Grund- und Hauptschule unter dem damaligen Schulleiter Walter Bizer. 1980 legte er seine zweite Dienstprüfung ab und unterrichtete anschließend bis 1991 die Klassen eins, zwei, fünf, sechs, acht und neun. Dann wechselte er nach Neidlingen als Grundschulleiter, um nach 13 Jahren in Bissingen wieder etwas Neues zu beginnen. "Hier fühle ich mich zu Hause angekommen", gestand der neue Rektor und dankte dem Lehrerkollegium und den Elternvertreter für die offene und faire Aufnahme. Sein Ziel als Schulleiter sei eine "vertrauenschaffende Bildungskultur", in der die Eltern miteingebunden sind. Dies sei besonders wichtig, weil die Schule zurzeit über eine Ganztagesbetreuung nachdenke.

Dass die Amtseinsetzung ganz dem jugendlichen Schwung ihres neuen Rektors entsprechend zu keiner "steifen Angelegenheit" wurde, dafür sorgten Schüler und Lehrer durch ihre gekonnten Darbietungen.