Lokales

Planung aus einer Hand

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Im Technischen Ausschuss (TA) war das Ansinnen der Stadtverwaltung zunächst abschlägig beschieden worden. Vor allem wegen der Befürchtung, zu viele Arbeiten an norddeutsche Büros zu verlieren, hatten die Räte dagegen votiert, dem Hannoveraner Architekturbüro BKSP auch gleichzeitig die Generalplanung für das Zehn-Millionen-Projekt zu übertragen. Hauptargumente waren, dass die langen Anreisewege für eine Verteuerung sorgen könnten und das Know-how auch vor Ort verfügbar sei.

Doch binnen Wochenfrist lagen nun neue Argumente auf dem Tisch. Bürgermeister Günter Riemer betonte, dass die Stadt für die zügige Abwicklung der Baumaßnahme in der Verantwortung stehe. Eigenes Personal sei auf dem Markt zu den hiesigen Konditionen auf die Schnelle nicht zu bekommen, schloss er eine im TA gefallene Anregung aus.

Günter Riemer berichtete weiter von Gesprächen mit BKSP, in denen diese die Kooperation mit einer Reihe von örtlichen Büros bereits befürwortet hatten. Für die unbedingt notwendigen eng verzahnten Planungsleistungen im statischen und technischen Bereich haben die Architekten Büros vorgeschlagen, mit denen sie bereits in der Vergangenheit große Projekte realisiert haben: Ein Heizungs- und Sanitärbüro sowie ein Statik-Büro aus Hannover.

Riemer sah in der Beauftragung von BKSP als Generalplaner klare Vorteile: Diese Lösung komme kostengünstiger als ein externer Steuerer, zudem gehe keine Zeit verloren und last not least sei die Wahrscheinlichkeit hoher Qualität groß.

"Wir brauchen keinen Generalplaner", erteilte CDU-Mann Mathias Waggershauser der Idee allerdings eine klare Absage. Er plädierte dafür, die Projektsteuerung und damit die Fäden selbst in der Hand zu behalten. Die Stadt Kirchheim verfüge schließlich über die fachliche Qualität, und niemand sonst habe ein vergleichbar großes Interesse daran, die Kosten so gering wie möglich zu halten.

Dass falsche Koordination bei einem solchen Großprojekt katastrophale Folgen haben und die Sparsamkeit somit ins Gegenteil umschlagen könne, gab SPD-Vertreter Bodo Schöllkopf zu bedenken. Er plädierte daher "für einen Kopf, nämlich den Wettbewerbsgewinner". "Warum kann man so einem Büro nicht vertrauen?" frage er in die Runde.

Hagen Zweifel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, bekannte, nach reiflicher Überlegung zu der Überzeugung gekommen zu sein, dass es "vermutlich richtig ist, alles in eine Hand zu geben". Dass es immerhin um eine Schule mit Passivhausstandard gehe, also um ein Projekt, für das Erfahrung vonnöten sei, räumte CDU-Fraktionsvorsitzender Helmut Kapp ein.

An zahlreichen "Ungereimtheiten" stieß sich dagegen Bernhard Most (FDP/Kibü). Er riet vehement davon ab, alles aus der Hand zu geben. Es bestehe sogar geradezu die Pflicht, in der Stadt selbst jemanden zu haben, der alles überprüfen könne. Wenn schon, solle lieber hier ein externer Projektplaner eingesetzt werden.

Ulrich Kübler von den Freien Wählern verwies auf die Kostenseite. Laut Verwaltungsvorlage dürfte sich die Beauftragung von BKSP auf maximal 100 000 Euro belaufen. Dagegen wird die externe Projektsteuerung mit deutlich über 200 000 Euro veranschlagt. Kübler bezeichnete es als normal, dass ein Büro bei entscheidenden Dingen auf erprobte Kooperationspartner setzen wolle: "Schließlich hat BKSP die schwierige Aufgabe, eine Schule mit Passivhausstandard hinzukriegen."

Bürgermeister Riemer betonte, dass sich die Verwaltung durchaus auch ihrer Verantwortung stelle: "Wir haben zwölf Schulen, und an sieben bauen wir", gab er zu bedenken. Ein Bauausschuss sei für die Maßnahme Freihof-Realschule bereits eingerichtet. Bei elf Gegenstimmen und drei Enthaltungen brachte die Abstimmung ein deutliches Ergebnis für die Beauftragung des Büros BKSP: 20 Räte votierten für diesen Weg.