Lokales

Plochinger müssen weiter zittern

Der Kreistag hat die Entscheidung über die Schließung des Krankenhauses vertagt

Der Kreistag hat grünes Licht für Verhandlungen über eine Klinikgesellschaft gegeben, in der die Kliniken des Landkreises und das Städtische Klinikum in Esslingen zusammenarbeiten sollen. Die Entscheidung über die Schließung des Plochinger Krankenhauses ist jedoch noch nicht vom Tisch.

Krankenhaus Klinik Plochingen Chirurgie Dr. Kraft und Prof. HellmichAm Aussichtsturm 5 - 73207 PlochingenOperation, OP, Arzt, Pa
Krankenhaus Klinik Plochingen Chirurgie Dr. Kraft und Prof. HellmichAm Aussichtsturm 5 - 73207 PlochingenOperation, OP, Arzt, Patient, Behandlung

Kreis Esslingen. Obwohl die Sitzungen des Esslinger Kreistags öffentlich sind, bleibt das Gremium – mit Ausnahme der Presse – in der Regel unter sich. In der gestrigen Sitzung war das anders. Rund 100 Mitarbeiter des Plochinger Krankenhauses drängten sich mit Kind und Kegel auf den hinteren Rängen. Worum es ihnen ging, konnte man von ihren gelben T-Shirts ablesen. „Plochingen erhalten“, stand darauf geschrieben.

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Dieser Wunsch, für den sich Mitarbeiter des Krankenhauses und Plochinger Bürger seit Monaten einsetzen, ist gestern nicht erfüllt worden. Zwar hat sich der Esslinger Kreistag mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen, zunächst nicht über die Schließung des Krankenhauses zu befinden und stattdessen Gespräche mit dem Klinikum Esslingen aufzunehmen. Ziel, ist es, Kreiskliniken und Klinikum in einer gemeinsamen Gesellschaft zusammenzuführen. Aber, und daran ließen Landrat Heinz Eininger und die Mehrheit der Fraktionsvorsitzenden keinen Zweifel: Die Schließung des Plochinger Krankenhauses ist deshalb nicht vom Tisch. „Das Szenario 4plus schließt einen Klinikverbund keineswegs aus. Sie kann den Weg dorthin sogar erleichtern“, so Heinz Eininger.

Für den Landrat muss die Zusammenarbeit der vier Kreiskliniken mit dem Städtischen Klinikum mehr als eine partielle Kooperation sein. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass nur ein gemeinsamer Klinikverbund uns zukunftsfest macht. Dies gelingt, wenn wir an einem gemeinsamen unternehmerischen Erfolg in gemeinsamer Verantwortung arbeiten“, sagte er. Um solch einen grundsätzlichen Beschluss zu fassen, brauche es kein Gutachten. „Alles, was wir brauchen, ist eine Willensbekundung von Gemeinderat und Kreistag“, sagte er. Auf dieser Zielvorgabe aufsetzend, lasse sich dann auch ein Gutachten erstellen.

Mit Ausnahme der Republikaner, die eine gemeinsame Klinikgesellschaft aus Furcht vor Standort- und Abteilungsschließungen ablehnen, begrüßten alle Redner den von Verwaltung und Aufsichtsrat vorgeschlagenen Weg. Alfred Bachofer (Freie Wähler) betonte die Gemeinsamkeiten zwischen Städtischem Klinikum und Kreiskliniken. Doppelstrukturen kosteten unnötig Geld. Wenn nicht zügig ein neuer Weg gefunden werde, seien noch höhere Defizite unvermeidbar. Die Kreiskliniken haben 2010 5,9 Millionen Euro Verlust gemacht. Trotz eines Konsolidierungspakets wird auch 2011 ein Verlust von bis zu sechs Millionen Euro erwartet.

Auch Martin Fritz (CDU) sprach sich für eine gemeinsame Klinikgesellschaft aus. Jedoch betonte er: „Sollte sich wider Erwarten herausstellen, dass dieser Weg nicht weiterführt, werden wir uns mit den Beschlüssen des Aufsichtsrats, der nach wie vor medizinische und wirtschaftliche Notwendigkeit zu Veränderungen im Sinne von Szenario 4plus sieht, auseinander setzen müssen.“

Andreas Schwarz (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte die Entscheidung des Kreistags, an diesem Tag nicht für oder gegen Plochingen zu votieren. Defizite in Millionenhöhe seien jedoch langfristig nicht tragbar. Die Kreiskrankenhäuser und das städtische Klinikum bildeten aus Gründen der räumlichen Nähe und medizinischen Erwägungen zwangsläufig eine ideale Partnerschaft. „Es wird also keine Liebesheirat, sondern eine Vernunftehe. Die halten im Übrigen meistens länger“, sagte Andreas Schwarz. Auch Ulrich Fehrlen (FDP) lobte den Sinneswandel, der dazu geführt habe, in der Kreistagssitzung nicht über einzelne Standorte, sondern über die Aufnahme von Gesprächen für eine Klinikgesellschaft zu entscheiden. An der wirtschaftlichen Tragfährigkeit des Szenarios 4plus bestünden in seiner Fraktion mittlerweile erhebliche Zweifel. „Eine Klinikgesellschaft kann ein Weg sein, auch wenn es nachher eine Holding ist“, sagte er. Peter Rauscher (Linke) lobte in seiner Rede das Engagement der Plochinger Krankenhausmitarbeiter und Bürger. „Widerstand kann einen positiven Prozess des Umdenkens einleiten“, sagte er.

Aus der SPD-Fraktion, die sich gegen eine Schließung des Plochinger Krankenhauses ausgesprochen hatte, kamen kritische Töne. Gerhard Remppis (SPD) begrüßte zwar die Vertagung der Strukturentscheidung, kritisierte den Landrat jedoch scharf. „Sie haben gesagt, mit 4plus wäre bewiesen, dass das Ganze im Kreis im Blick gehalten wird. Das ist nicht geschehen“, sagte er. Zudem warf er der Klinikverwaltung vor, Zahlen über Weggänge von Mitarbeitern manipuliert zu haben, um den Eindruck zu erwecken, als sei das Plochinger Krankenhaus bei Arbeitnehmern nicht beliebt. Trotz aller Kritik trägt die SPD-Fraktion Gespräche über eine Klinikgesellschaft mit. „Bleibt es bei der Konkurrenzsituation, wird es am Ende nur Verlierer geben“, so Remppis.