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Plochinger Steige: BUND kritisiert Trassenführung

Umweltschützer freuen sich nicht über freigegebene Straße – Einladung für den Durchgangsverkehr

Nach fast genau neun Monaten Bauzeit ist die Verkehrsfreigabe der neu trassierten Plochinger Steige feierlich begangen werden. Nach Ansicht des BUND-Kreisverbands gibt es allerdings nicht nur Grund zum Feiern.

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Kirchheim. Die Plochinger Steige ist ein kompletter Neubau, bemängelt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in einer Pressemitteilung. Die Trasse wurde begradigt. Begründet wurde dies mit dem Argument der Verkehrssicherheit. Statt ursprünglich sechs Metern ist die Fahrbahn jetzt 6,50 Meter breit. Vor allem kritisiert der BUND die Begradigung der Kurve in der Mitte der Steige, genau an dem Ort, wo die feierliche Eröffnung stattfand. Der Haldenbach verlaufe jetzt tief unter dem Straßendamm, die komplette Talsenke sei verschwunden.

Obwohl dieser Bereich als Teil des Natura-2000-Gebiets der Ötlinger Halde an die EU gemeldet worden sei, habe das Regierungspräsidium Stuttgart dem Bebauungsplan den Vorrang gegeben. Damit habe sich die Behörde über EU-Recht hinweggesetzt, wo nur für bereits bestehende Anlagen ein Bestandsschutz vorgesehen sei.

An der Stelle der früheren Weinbergmauern aus Natursteinquadern befinden sich jetzt Stützwände aus Beton, die im oberen Streckenabschnitt über zwei Meter hoch sind. Leider werde auch durch das Einfärben des Betons die Barriere-Wirkung nicht geringer für die einheimische Fauna.

Als sehr attraktiv beurteilt der BUND die Strecke nach dem Ausbau für den Durchgangsverkehr. Nach Fertigstellung der Plochinger Steige entstehe eine gut ausgebaute mautfreie Verbindung von der Autobahn bei Kirchheim in den Mittleren Neckarraum. Diese Strecke sei erheblich kürzer als die Verbindung über die B 313 zum Plochinger Dreieck. In der Folge rechnet der BUND mit einer starken Zunahme des Schwerverkehrs und der Lärmbelastung für die angrenzenden Wohngebiete.

Zulässig sei zukünftig eine Geschwindigkeit von 70 Kilometern pro Stunde gegenüber Tempo 50 vor dem Ausbau. Damit würde sich die Fahrzeit für den gesamten Streckenabschnitt mit circa 900 Metern Länge um nur neunzehn Sekunden verringern. Die Erfahrungen aus dem 2005 fertiggestellten Ausbau der L 1205 zwischen dem Weiler Freitagshof und dem Hohenreisach sowie von der K 1205 Richtung Ötlingen hätten gezeigt, dass ein Sicherheitsgewinn durch bessere Übersicht durch höhere Geschwindigkeiten mehr als ausgeglichen wird. So falle die Unfallbilanz dort seit dem Ausbau eher ernüchternd aus.

Gefährliche Situationen können künftig am Übergang für Radfahrer und Fußgänger beim Hohenreisach auftreten, wo ein Wanderweg die Straße kreuzt. Wenn das zulässige ­Limit nicht eingehalten werde, würden herannahende Kraftfahrzeuge erst sehr spät wahrgenommen. Ähnliches gelte für die Ausfahrt aus dem Wohngebiet Münzen beim Hohenreisach in Kirchheim, wo sich auch bisher immer wieder Unfälle ereigneten.