Lokales

Plötzlich „filigranste Gespinste“

Authentisch und repräsentativ: „Boba Cvorkov – Bilder und Objekte“

Kirchheim. Reger Andrang herrschte in den „Kunst-Katakomben“ des Jesinger Gemeindezentrums Sankt

Florian Stegmaier

Lukas anlässlich der Ausstellungseröffnung mit Bildern und Objekten von Boba Cvorkov. Die tragischerweise posthum geratene Werkschau des im Februar verstorbenen Künstlers wurde, wie sowohl Fritz Nonnenmacher in seinem Grußwort, als auch Barbara Honecker in ihrer Laudatio erwähnten, noch mit Boba Cvorkov gemeinsam konzipiert, trägt somit einen höchst authentischen und repräsentativen Charakter.

Nicht nur für diejenigen Besucher, die das Glück hatten, Boba persönlich zu kennen, wird die Präsenz des Künstlers durch seine Werke spürbar. Auch wenn einige der Malereien mit intensiver Buntfarbigkeit daherkommen – in den letzten Jahren dominierte sattes Orange und helles Gelb – leben die Arbeiten nicht vom grellen Effekt, bedienen sich keiner Vordergründigkeit. Bei aller Intensität sind es stille Welten. Still, aber nicht stumm. In geschmackvoller Dezenz und malerischer Vitalität lotet der Künstler ganze Welten aus.

Barbara Honecker wies die Vernissagegäste darauf hin, dass Boba in den letzten Jahren in seiner Ausdrucksweise „lyrischer“ geworden sei, seine Farben zarter und sanfter zum Einsatz gebracht habe. Die ältesten Arbeiten der Ausstellung stammen aus dem Jahr 1994 und zeichnen sich durch eine kräftige, dunkle Farbigkeit und klare Konturierungen aus. Eine „Geradlinigkeit“, die sich Honecker zufolge auch in Cvorkovs Drahtplastiken dieser Zeit wiederfinden lasse, da sie ganz auf geometrischem Formenaufbau beruhen. In den jüngsten und zugleich letzten Werken aus dem Jahr 2007 ist die zuvor fast zum Markenzeichen gewordene warme Buntfarbigkeit vollkommen verschwunden und feinsten Grauabstufungen gewichen, die sich zudem, darauf wies Honecker explizit hin, durch einen „sehr malerischen Pinselstrich“ auszeichneten.

Interessanterweise wurden während der Ausstellungsvorbereitung einige ebenfalls in Grau gehaltene Arbeiten aus dem Jahr 2000 entdeckt, die nun in der Jesinger Präsentation reizvolle Vergleiche ermöglichen. Parallel zur malerischen Tendenz, immer zarter zu werden, immer ­nuancierter mit Zwischentönen umzugehen, lasse sich, so Honecker, auch eine Veränderung des plastischen Schaffens erkennen. „Filigranste Gespinste“ tauchen auf, vollkommen abweichend von der bisherigen Weise, Drahtplastiken zu gestalten.

„Alle übrigen dreidimensionalen Werke sind als Weg zu dieser lyrischen Bildhauerkunst zu verstehen“, so die Laudatorin. Dazu passe auch die vor allem ins Jahr 2006 fallende Beschäftigung mit der menschlichen Figur, den eigenen Gesetzmäßigkeiten und Proportionen des menschlichen Körpers. Der Künstler lebt in seinen Werken fort. „Nicht jeder kann so viel zurücklassen, wenn er gehen muss“. In dieser abschließenden Feststellung konnte Kunsthistorikerin Barbara Honecker zurecht einen tröstlichen Gedanken erkennen.

Die Ausstellung „Boba Cvorkov – Bilder und Objekte“ ist bis einschließlich 27. April im Jesinger Gemeindezentrum Sankt Lukas zu sehen. Sie ist geöffnet am Samstag und Sonntag jeweils von 14 bis 18 Uhr, kann aber auch nach telefonischer Vereinbarung (0 70 21/5 55 88) besucht werden.

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