Lokales

Plötzlich waren die Kemptener evangelisch

Bei schönstem Sonnenschein verbrachten einige Mitglieder des Zither- und Akkordeonvereins Kirchheim auf ihrem Jahresausflug zwei erholsame Tage im Allgäu.

KIRCHHEIM Erster Besichtigungspunkt auf der Fahrt war die Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau Pfarrkirche Sankt Peter und Paul in Steinhausen bei Bad Schussenried, ein weltbekanntes Rokokojuwel und schönste Dorfkirche der Welt. Der Bauherr dieser prächtig mit Stuck und Fresken verzierten Kirche, Didacus Ströbele, wurde kurz vor Abschluss der aufwändigen Bauarbeiten 1732 nach wochenlangen Verhören nach einer außerordentlichen Klostervisitation durch den Generalvikar der schwäbischen Zirkarie wegen angeblicher Charakterschwäche strafversetzt und konnte somit die Einweihung "seiner" Kirche nicht miterleben.

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Dass Käse nicht rein vegetarisch ist, lernten die Ausflügler in der Hofkäserei Haggenmüller in Wiggensbach im Oberallgäu, denn erst das Lab aus dem Kälbermagen macht aus Milch Käse. Es wurde vorgeführt, wie aus 700 Litern Rohmilch 70 Kilo Käse entstehen, und nach der anschließenden Verkostung verschiedener hausgemachter Käsesorten deckte sich noch jeder reichlich mit Käsevorräten ein.

Nach einer sehr gehaltvollen Mittagsrast in Wiggensbach erwartete die Gruppe eine Stadtführung in Kempten. Im Mittelalter hatten die Kemptener immer wieder Streit mit ihrem Abt und seinem Vogt, den sie wiederholt überfielen und dafür vom Kaiser gemaßregelt wurden. Schließlich kauften sich die Kemptener frei, und um sich endgültig von ihrem katholischen Fürstabt zu lösen, wurde der ganze Ort kurzerhand evangelisch. Dies wiederum hatte einen Kleinkrieg zwischen Protestanten und einer katholischen Minderheit zur Folge, der erst durch Napoleon beigelegt wurde. Den geselligen Abend und die Nacht verbrachten die Reisenden im Hotel Hohe Linde in Isny.Am nächsten Morgen startete die Gruppe zur Stadtführung in Isny, wo es die evangelische Nikolaikirche und die katholische Sankt-Georgs-Kirche, das alte Rathaus und mittelalterliche Straßenbilder zu besichtigen gab, und schließlich ging es noch in das in der Stadtmauer liegende Gefängnis hinein, aber auch wieder heraus.

Im wahrsten Sinne der Sonne entgegen fuhr der Ausflugsbus gen Süden zum 1832 Meter hohen Hochgrat bei Steibis, auf den eine Gondelbahn führt. Auf diesem höchsten Berg des westlichen Allgäus mit seinem einmaligen Rundblick verbrachte die Gruppe den Nachmittag, bevor die Heimreise angetreten wurde. Im Gasthof Lamm in Holzmaden fand der Ausflug einen geselligen Abschluss.

sr