Lokales

Politische Arbeit als Flickschusterei bewertet

Zur Jahresmitte hin ist die Stimmung in der Wirtschaft im Landkreis Esslingen ausgezeichnet. Nach dem zweiten Quartal 2006 schätzen immerhin knapp 40 Prozent der befragten Unternehmen aus Industrie, Handel, Bau und Dienstleistung ihre derzeitige Geschäftslage als gut ein. Neben einem nach wie vor starken Export, übt mittlerweile auch die Binnennachfrage wieder einen merkbaren Ein-fluss auf die Auftragslage aus. Im Vergleich aller Branchen können vor allem die Industrieunternehmen gut gefüllte Auftragsbücher vorzeigen.

KREIS ESSLINGEN Das sich seit Jahresbeginn abzeichnende Konjunkturhoch bleibt damit stabil, auch wenn die Dynamik etwas nachlässt. So werfen die Bewertungen über die künftigen Geschäftserwartungen innerhalb des nächsten Jahres Fragen bezüglich der Konstanz des Aufschwungs auf. Immerhin sank die Anzahl derer, die eine bessere Wirtschaftslage erwarten, um zehn Prozentpunkte. Ob eine merkliche Abkühlung bald folgt, kann derzeit noch nicht eindeutig ausgemacht werden. Welche Risiken welt- oder binnenwirtschaftlichen Ursprungs stärker bremsen, bleibt abzuwarten. Während erstere mit Rohölpreisen auf Rekordhoch und einem weltweit ansteigenden Zinsniveau als gegeben hinzunehmen sind, sollten die Risiken im eigenen Land beeinflussbar sein. Aber gerade hier muss sich die lokale Wirtschaft von der Politik einen Stimmungsdämpfer verpassen lassen. Ein vorläufiges Resumée über die politische Arbeit kann nur negativ gezogen werden: Auf breiter Front keine wirtschafts-relevanten Reformen, sondern nur Flickschusterei und kurzfristige Kompromisse bei Gesundheits-, Finanz- oder Wirtschaftspolitik, so die Kommentare der Unternehmen. Da hatte man sich mehr erwartet.

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Ein kurzer Blick in die einzelnen Branchen: Der Sommer beschert der Industrie Traumwerte bei der aktuellen Umfrage. Fast 95 Prozent be-zeichnen ihre derzeitige wirtschaftliche Lage als gut oder zufriedenstellend. Über die Hälfte aller befragten Unternehmen dieser Branche verzeichnet steigende Auftragseingänge. Impulsgeber ist nach wie vor der Export. Die Investitionsneigung bleibt hoch. Vor allem Rationalisierungs- und Innovationsinvestitionen werden im kommenden Jahr getätigt werden. 46 Prozent blicken hinsichtlich ihrer künftigen Geschäftsentwicklung optimistisch in die Zukunft. Erstaunlich ist, dass, trotz hoher Exportquote, die weltwirtschaftliche Entwicklung nur von einem Viertel aller Industriebetriebe als riskant eingestuft wird, wohingegen die politischen Rahmenbedingungen und die Steuer- und Abgabenbelastungen von 41 beziehungsweise sogar 53 Prozent als riskant bezeichnet werden.

Die wirtschaftliche Entwicklung im Handel bleibt heterogen. Dabei findet sich der Großhandel ganz eindeutig auf der Sonnenseite: Fast die Hälfte der Großhändler und dabei vor allem der industrienahe Großhandel, konnten steigende Umsätze verzeichnen. Fast 40 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage als gut. Bei einer solch guten Ausgangssituation ist es nachvollziehbar, dass die Aus-sichten für die kommenden Quartale etwas moderater ausfallen und nur ein Drittel der Großhändler von einer noch besseren Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten ausgeht.

Von solchen wirtschaftlichen Eckdaten können die Einzelhändler nur träumen. Sie befinden sich weiterhin auf der konjunkturellen Schattenseite. Lediglich fünf Prozent schätzen ihre aktuelle Geschäftslage als gut ein. Fast 50 Prozent klagen über gesunkene Umsätze und schlechte Erträge. Die Kaufzurückhaltung der Kunden ist nach wie vor ein Thema. So konnten von der Weltmeisterschaft wohl nur Einzelne profitieren und die heißen Sommertemperaturen im Juni und Juli hielten viele Konsumenten von einem Stadtbummel ab.

Die durch ihre Vielfalt gekennzeichnete Branche der Dienstleister ist weiterhin auf Erfolgskurs. Knapp 40 Prozent der Unternehmen im Servicebereich bewerten ihre derzeitige Geschäftslage als gut, über 50 Prozent immerhin als zufriedenstellend. Umsätze und Erträge sind im Vergleich zum Vorquartal allerdings nicht mehr so stark gewachsen. So rechnen auch fast 70 Prozent mit einer Stagnation der Geschäftsentwicklung auf zugegebenermaßen hohem Niveau für das kommende Jahr. Die Serviceangebote der lokalen Dienstleister werden zwar dann nach wie vor stark nachgefragt werden, aber Zuwachsraten werden nur noch von einem knappen Drittel der Befragten erwartet.

Endlich zeigt die allgemein gute wirtschaftliche Entwicklung der letzten Monate Wirkung auf dem Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosenquote, berechnet auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen für den Landkreis Esslingen, sinkt im sechsten Monat in Folge und liegt Ende Juli 2006 bei 5,2 Prozent.

pm