Lokales

Politisches Sommerfrühstück

Zu einem sommerlichen Frühstück hatte die Freie Waldorfschule Kirchheim die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer am Ende der Ferien eingeladen, um sich in entspannter Runde über bildungspolitische Themen auszutauschen.

KIRCHHEIM Mit der Frage nach dem "Bruttokostenmodell" stieg man gleich in eines der zentralen aktuellen politischen Anliegen der baden-württembergischen Waldorfschulen ein. Diese setzen sich in der "Aktion Bildungsvielfalt", einem Aktionsbündnis, derzeit engagiert für die Verankerung des Bruttokostenmodells im Privatschulgesetz als Berechnungsgrundlage der Bezuschussung ein. "Damit würden sich die Zuschüsse endlich an den tatsächlichen Kosten eines Staatsschülers orientieren", erläuterte Knut Dikomey, Geschäftsführer der Kirchheimer Waldorfschule.

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Dazu konnte Carla Bregenzer nur mitteilen, dass von Regierungsseite bisher nichts Schriftliches vorliege und sie ihre Zweifel habe, dass Ministerpräsident Oettinger sein Versprechen, das Bruttokostenmodell noch in dieser Legislaturperiode einzuführen, einhalten werde. "Das wird vermutlich am Finanzminister scheitern", so ihre Befürchtung. Außerdem sehe es derzeit eher nach weiteren Kürzungen der Zuschüsse aus, auch wenn es zur Einführung des Bruttokostenmodells käme.

Dies empörte die Runde erheblich und warf die Frage nach dem generellen Stellenwert des freien Schulwesens auf. "Sind freie Schulen überhaupt politisch gewollt, oder will man sie finanziell aushungern?"

Die SPD-Abgeordnete betonte dazu, dass die baden-württembergische SPD sich aus ihrer Tradition heraus klar zum freien Schulwesen bekenne. Sie erinnerte an das Staatsgerichtsurteil, das die SPD in den 80-er Jahren erzwungen habe und mit dem die Freien Schulen den Staatsschulen gleichgestellt wurden. Auf die entsprechende existenzsichernde Bezuschussung warten die Waldorfschulen aber bis heute.

"Wir können unseren Pädagogen leider noch immer nicht annähernd das Gehalt bezahlen, das ihre Kollegen an den Staatsschulen bekommen", so Dikomey.

Auch eine Erhöhung der Elternbeiträge, um die fehlenden Zuschüsse auszugleichen, sieht er kritisch, da die Grenze des Zumutbaren bereits erreicht sei. Eine Mutter berichtete von einigen bekannten Familien, die ihre Kinder gerne in der Waldorfschule anmelden würden, dies aber aus finanziellen Gründen nicht könnten. "Die Waldorfschule darf keine Eliteschule für Reiche werden!" Carla Bregenzer hob hervor, dass freie Schulen, wie die Waldorfschulen, immer wieder Impulsgeber auch für die staatlichen Schulen waren und sind, sowohl in pädagogischer Hinsicht, als auch im Miteinander von Schule und Eltern. In dieser Zusammenarbeit mit den Eltern stecke viel innovatives Potenzial. "Eine solche Bildungspartnerschaft wünsche ich mir auch verstärkt für die staatlichen Schulen." Umso mehr würde es die engagierte Elternschaft der Waldorfschule Kirchheim als Schlag ins Gesicht empfinden, wenn die Einführung des Bruttokostenmodells zum wiederholten Male verschoben würde. "Einerseits werden von der Landesregierung Ehrenamtspreise ausgelobt, und auf der andern Seite würde die konkrete Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements von Eltern für ihre Schule von derselben Landesregierung verweigert", so Bregenzer. srh