Lokales

Polizei kontrolliert in Badehose und Uniform

Das Fildorado setzt auf Abschreckung: "Polizisten in Badehose und Uniform" kontrollieren regelmäßig, sagt Michael Bantle, Leiter des Polizeireviers Filderstadt. Und nicht nur vor Ort: Kollegen fahnden im Internet. Man wolle der "Grapscher- und Schwulenszene" keine Insel bieten.

REGINA SCHULTZE

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FILDERSTADT Inseln werden dagegen für Kinder eingerichtet: Gleich zwei Kelly-Inseln bietet das Bad, eine im Eingangsbereich, die andere im Raum der Schwimmmeister. Nicht, dass es im Fildorado besonders kriminell zuginge. "Das alte Haus hatte einen schlechteren Ruf, als es verdient hatte", sagt Geschäftsführer Wolfgang Hermle. Im Gegensatz zu anderen Bädern werde in Bonlanden nichts unter den Teppich gekehrt. "Wo sich eine große Anzahl von Menschen trifft, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es zu Verhaltensweisen kommt, die nicht im Sinne des Veranstalters sind." In den zwei Monaten seit der Eröffnung kamen immerhin schon 120 000 Besucher.

Die Polizei versucht, den Badegästen größtmögliche Sicherheit vor Dieben, Dealern, Spannern und Gewalttätern zu bieten. Schon im alten Fildorado habe man Leute ausrufen lassen, die Laptop oder Handy im Auto liegen gelassen hatten, sagt Bantle. Und Beamte sprachen Freibadbesucher an, wenn sie ihre Wertsachen unbeobachtet ließen, um baden zu gehen. Um Sexualstraftaten, Rauschgifthandel oder Diebstähle zu verhindern oder zu verringern, kooperierten die Ordnungshüter bereits während der Bauphase mit den Architekten. "Viel Licht ist planerisch toll, aber man muss nicht alles einsehen können", meint Bantle. Er freut sich: "Unsere Ratschläge sind fast zu 100 Prozent umgesetzt worden."

So wurde manches Glasfenster zur massiven Wand. Der Kleinkinderbereich ist von außen nicht einsehbar. Mancherorts wurden Sträucher gesetzt. In den Umkleidegängen wurden Kameras installiert. Entdeckt die Polizei neue Maschen, sinnt sie auf Abhilfe. So ist das Fotografieren, auch mit Handys, im Saunabereich strengstens verboten. Wer mit Taschentüchern hantiert, wird wohl genau beobachtet: "Einer hatte eine kleine Kamera im Tempopäckle versteckt." Auch die Gäste reagieren sensibel: Zwei Frauen zeigten einen Mann an, der im Freibereich urinierte. Das Badepersonal wurde geschult und übte in Rollenspielen, wie man jemanden zurechtweist oder wann man Verdächtige festhalten darf. "Wir schalten in begründeten Fällen konsequent die Polizei ein", sagt Hermle. Für den "kurzen Draht" zum Bernhausener Revier sorgt Polizeihauptmeister Gerd Kannemann. "Alle Vorfälle laufen über seinen Schreibtisch."

"Wir gehen von einem hohen Abschreckungseffekt aus", sagte Paul Mejzlik, der Leiter der Kriminalprävention Esslingen, auf einer Pressekonferenz im Bad. Das Konzept zur guten Vorbeugung bestehe seit einigen Jahren. Für Filderstadt sei es aber "ein bissel Pionierbereich", meinte OB Peter Bümlein. "So eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Polizei finden Sie nicht jeden Tag".

Ein 54-Jähriger bekam die harte Linie bereits zu spüren: Im Strömungskanal hatte er sich Kindern genähert und war sichtlich erregt aus dem Wasser gestiegen. Beweis genug für das erste Hausverbot. Gegen den bislang Unbescholtenen läuft nun ein Strafverfahren.