Lokales

Polizei nimmt Temposünder ins Visier

Erster bundesweiter Blitzmarathon: 24 Stunden Dauerkontrolle auf Straßen im Landkreis Esslingen

In einer bislang beispiellosen Aktion gab es gestern an mehr als 8 700 Stellen im gesamten Bun- desgebiet intensive Geschwindigkeitskontrollen. Allein im Landkreis Esslingen wurden im Vorfeld über 100 „Aufregerstellen“ bekannt, denen sich die Polizeidirektion Esslingen von gestern morgen bis heute früh 24 Stunden lang in enger Abstimmung mit den Kommunen gewidmet hat. Auch im Großraum Kirchheim wurden in dieser Zeit vermehrt Blitzer aufgestellt, zusätzlich setzte die Polizei mobile Laser-Geschwindigkeitsmeßgeräte ein.

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Eine von Bürgern benannte „Aufregerstelle“ ist die Aichelberger Straße (K 1201), die in Holzmaden am Urweltsteinbruch vorbeiführt. „Die Aktion soll die Leute aufmerksam machen. Es geht um Aufklärung und Prävention, und nicht um Bestrafung – wir sehen uns nicht als Wegelagerer“, erklärt die Polizeibeamtin, die sich hier mit einem Kollegen gemeinsam auf die Lauer gelegt hat und vorbeifahrende Fahrzeuge ins Visier nimmt. Ehe die Beamten mit dem Messen loslegen können, gibt es aber einiges zu beachten. Zum einen dürfe nicht überall gemessen werden, der Ort dafür müsse sorgfältig ausgewählt werden. „Es muss nicht nur genügend Raum für eine ordentliche Messung da sein, sondern auch berücksichtigt werden, dass ein Kollege ein Fahrzeug herauswinken und anhalten können muß, um den Fahrer zu belehren“, erläutern die Polizeibeamten. Zudem dürfe nur ein dafür geschulter Beamter das Lasergerät überhaupt einsetzen – sofern es vorher korrekt von ihm kalibriert wurde. Die Handgeräte werden monatlich von einem „Laser-Beauftragten“ der Polizeidienststelle gereinigt, auseinandergenommen und kontrolliert, um sicherzustellen, dass sie einwandfrei funktionieren. Vom Gerät abgelesen werden können sowohl die gemessene Geschwindigkeit – abzüglich der Toleranz – als auch der Abstand zwischen Gerät und Fahrzeug.

Dass die Polizeibeamten bei ihrem Einsatz immer zu zweit sind, hat mehrere Gründe. „Es ist sicherer, einerseits für uns und andererseits auch für die Autofahrer, denn so gilt das Vier-Augen-Prinzip: Es wird alles doppelt und unabhängig voneinander aufgenommen und kontrolliert.“ Bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von bis zu 21 Kilometern pro Stunde befindet man sich noch im Bereich einer Verwarnung, alles darüber ist bereits eine Anzeige wert. „Normalerweise stehen wir an Gefahrenstellen, an denen schon häufig Unfälle mit vielen Verletzten passiert sind“, sagt die Beamtin. Allein im vergangenen Jahr kamen im Landkreis 13 Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben, während 368 Menschen schwer verletzt wurden. Auf der Liste der häufigsten Unfallursachen steht überhöhte Geschwindigkeit noch immer ganz oben. Heute sind deshalb landesweit die „Aufregerstellen“ der Bürger an der Reihe.

Die bundesweite Aktion scheint zumindest unter den Autofahrern im Kirchheimer Raum Wirkung gezeigt zu haben. „Allein heute haben mein Kollege und ich über 300 gültige Messergebnisse an fünf verschiedenen ,Aufregerstellen‘ aufgenommen,“ erklärt die Polizeibeamtin. „Davon war aber kein einziger Treffer dabei, den wir zur Anzeige bringen müssten. Seit heute morgen um 6 Uhr haben wir niemanden herauswinken und belehren müssen, es war bisher alles in Ordnung.“

Dass das regnerische Wetter dabei eine Rolle gespielt habe, bezweifeln die beiden Beamten – gerast werde bei jedem Wetter. Wichtiger seien da schon die Ankündigungen in Rundfunk und Presse gewesen. Überhaupt habe man aber die Beobachtung gemacht, dass die Zahl der zur Anzeige gebrachten Temposünder leicht rückläufig sei. „Wir kontrollieren nicht weniger, im Gegenteil,“ betont die Polizeibeamtin. „Die Leute haben gemerkt, dass wir mehr Messungen durchführen, und anscheinend daraus gelernt. Aber genau darum geht es uns ja hauptsächlich.“

Text: Robert Berndt

Foto: Jean-Luc Jacques