Lokales

Polka und stehende Ovationen für scheidenden Dirigenten

Stimmungsvoll und emotional war die Atmosphäre bei der Winterunterhaltung des Musikvereins Dettingen: Das Konzert der Stammkapelle stand ganz im Zeichen des Abschieds des Dirigenten Willi Eberle. Mit der Veranstaltung gelang es dem Musikverein, seinem Dirigenten eine bleibende und schöne Erinnerung zu schaffen.

DETTINGEN Eröffnet wurde das Konzert von der Jugendkapelle unter Leitung von Horst Kiedaisch. Mit Stücken, die beim Wertungsspiel beim Bundesmusikfest zu einem sehr guten Erfolg geführt hatten, und mit anspruchsvollen Filmmusiken konnten die Nachwuchsmusiker überzeugen. Moderatorin Annika Brodbeck führte charmant durch die Stückfolge.

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Mit seinem Lieblingsstück "Tirol 1809" von Sepp Tanzer wollte Willi Eberle sich und seiner Kapelle ein bleibendes Andenken schaffen. Dies gelang eindrucksvoll, und das Publikum hielt förmlich den Atem an, als dieses große Stück Musik vom Freiheitskampf der Tiroler unter Andreas Hofer erklang. Lang anhaltenden Beifall erhielten auch die beiden Solistinnen Annika Brodbeck und Uta Nowak für ihr Querflötensolo. Hans-Dieter Ziegler überreichte im Namen der Kapelle ein Abschiedsgeschenk. Er würdigte die Zusammenarbeit und erläuterte humorvoll die schwäbische Lob-Skala von Willi Eberle, die von ordentlich über echt ordentlich bis zu ganz ordentlich reichte.

Mit der Willy-Polka verabschiedete sich der Dirigent von seinem Publikum, das ihn natürlich nicht ohne Zugabe gehen ließ. Als Willi Eberle während "My way" das Dirigentenpult verließ und sich persönlich bei seinen Musikanten verabschiedete, brandete spontan Beifall auf, und mit stehenden Ovationen wurde er nochmals gefeiert. Danach übergab er symbolisch den Dirigierstab an seinen Nachfolger Slawa Chumachenka, der sich mit dem Marsch "Semper Fidelis" vorstellte.

Mit dem Theaterstück "Der Frühbeet-Casanova" begeisterte die Theatergruppe in Anschluss das Dettinger Publikum. Theaterleiter Willi Epple hatte mit seiner Gruppe ein neues Stück erarbeitet. Der "Frühbeet-Casanova" ist eine muntere und abwechslungsreiche Komödie, in der ein verbundener Daumen und die kurzzeitige Gedächtnislücke des Vorsitzenden des örtlichen Kaninchenzuchtvereins zu interessanten Verwicklungen führen. In der Titelrolle musste Willi Epple vieles durchmachen, bis feststand, dass er eigentlich gar nichts zu verlieren hat außer dem bissle Geld für die vielfältigen Wünsche seiner Mitmenschen. Seine Frau Paula, die verkörpert von Vroni Brodbeck ihren Mann in allem unterstützte, so lange sie nur auf ein neues Kleid hoffen durfte, und Tochter Anne, die sich in Gestalt von Silvana Brodbeck lieb, heiratsfähig und durchtrieben präsentierte, lieferten eine gekonnte Vorstellung ab.

Annes Schatz Abile, den Timo Hertl gekonnt in Szene setzte, kam ebenso unter Verdacht, der Aushilfe der Löwen-Wirtin etwas zu nahe gekommen zu sein, wie der gewissenhafte, aber leider etwas naive Buchhalter Riebele, den Bernd Mussler treffsicher darstellte. Einzig Eugens bestem Vereinskamerad Karle, den Richard Lamparter aufs Beste Leben einhauchte, wusste es besser, doch der Genießer schwieg zum rechten Zeitpunkt, wollte er doch aus der Situation ein paar Erleichterungen für seine Vereinstätigkeit herausschlagen.

Dem allem setzte die Schwiegermutter, die natürlich "älles woiß ond älles ka", ihren temperamentvollen Auftritt entgegen, und Birgit Hayler waren in dieser maßgeschneiderten Rolle mal wieder alle Lacher sicher. Das Publikum dankte es der Theatergruppe des Musikvereins mit lang anhaltendem Beifall und der ganzen Gruppe war der Applaus der verdiente Lohn für eine intensive und gute Probenarbeit.

Zuvor wurden im Rahmen der Winterunterhaltung verdiente Mitglieder des Vereins geehrt. Für 30-jährige aktive Mitgliedschaft im Verein wurden Roland Kapp und Hans-Dieter Ziegler zu Ehrenmitgliedern ernannt. Jürgen Kiedaisch wurde für 30 Jahre und Ferdinand Pfeiffer, Peter Pfeiffer und Hugo Schönhard für 50 Jahre als fördernde Mitglieder geehrt. Vorsitzender Wolfgang Müller gratulierte im Namen des Vereins mit einer Ehrenurkunde. Das älteste Mitglied im Musikverein, Fritz König, wurde in diesem Jahr für über 70-jährige Mitgliedschaft mit einem Sonderpreis geehrt.

Der Vizepräsident des Blasmusikverbandes Esslingen Hans Schroeder ehrte im Namen des Verbandes Jürgen Holder für 30 Jahre aktives Musizieren mit der Ehrennadel in Gold. Dem scheidenden Dirigenten Willi Eberle überreichte er für 50 Jahre aktives Musizieren die Ehrennadel in Gold mit Diamant, sowie für 30 Jahre Dirigent die Dirigentennadel mitDiamant.

Zum Abschluss wurde auf Antrag der Vorstandschaft Willi Epple mit der Erich-Gansenmüller-Medaille in Gold für seine vielfältigen Verdienste um den Musikverein Dettingen unter dem Applaus der Anwesenden geehrt. Dies war für ihn eine Überraschung, doch der Musikverein drückte damit seinen Dank für das großartige Engagement aus, das Willi Epple auf allen Ebenen ob musikalisch oder bei der Theatergruppe oder im gesamten Verein seit vielen Jahren gezeigt hat.

wm