Lokales

Populäre Pilgerstätte dank digitaler Datenkompetenz



WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Mit dem Begriff einer "strategisch vorausschauenden Koordination", umreißt Planungsamtsleiter Dr. Hermann-Lambert Oediger eine der vielseitigen Facetten der Tätigkeit des Planungsamtes, das sich der Zukunft genauso verpflichtet fühlen muss wie der Tagesaktualität und in enger Zusammenarbeit mit dem Landesdenkmalamt auch dem Bewahren von längst Vergangenem gebührende Aufmerksamkeit schenken muss.



Eine wichtige Rolle spielt das Planungsamt in seiner Querschnittsfunktion als Koordinierungsstelle, ist Dr. Oediger überzeugt, der als Leiter des Geschäftskreises "Planung" nicht nur für das Planungsamt selbst, sondern auch für das Liegenschafts- und das Bauordnungsamt verantwortlich zeichnet. Alle wesentlichen Belange einer Stadt sind bei der umfassenden Tätigkeit des Planungsamtes zu betrachten, bei der es gilt, auf dem kenntnisreich bewerteten Hintergrund bereits abgeschlossener Entwicklungen die aktuelle Lage zu betrachten, künftige Entwicklungen vorauszusehen und daraus die jeweils richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen.



Dass dabei der Städtebau nur ein wenn auch wichtiger Teilbereich sein kann, zeigt sich darin, dass die Themen Verkehr und Soziales oder auch Natur und Landschaft genauso im Blickpunkt des Planungsamtes liegen müssen, wie gewerbliche Wirtschaft, Einzelhandel oder beispielsweise auch das allumfassende Thema Soziologie. Dass eine so imposante Aufgabenvielfalt zur Prioritätensetzung zwingt, versteht sich von selbst und so müssen nicht zuletzt auch schon aus ökonomischen Gesichtspunkten heraus klare Schwerpunkte gebildet werden.



Das Festlegen von Sanierungsgebieten bedeutet dabei ein Konzentrieren auf klar eingegrenzte Gebiete, in denen ganz bestimmte Konflikte oder Problemstellungen besonders intensiv auftreten. Dass dabei der Blick nicht nur auf die Innenstadt gerichtet werden darf, sondern auch die Teilorte und markante, das städtische Siedlungsgebiet umgebende Landschaftsräume zu berücksichtigen sind, ist Dr. Oediger wichtig zu betonen.



Wichtiges Korrektiv und zugleich bedeutender Impulsgeber für die Arbeit des Planungsamtes ist die demografische Entwicklung, vor deren Hintergrund weitreichende Entscheidungen für die Zukunft immer zu sehen sind. Vitales Interesse muss nach Aussage von Dr. Oediger vor allem auch daran bestehen, die Flächeninanspruchnahme nicht aus dem Blickfeld zu verlieren, sondern stets bemüht zu sein, den immer weiter ansteigenden Flächenbedarf zu restriktieren und so gut wie möglich auf das erforderliche Minimum zu reduzieren.



Immer wieder Antworten für die Zukunft parat zu haben, ist eine schwierige und verantwortungsvolle Aufgabe, die fundierte Kenntnisse und entsprechende Kooperation und Kommunikation unumgänglich macht, wenn es darum geht, Leitlinien für die Entwicklung etwa im Bereich der gewerblichen Wirtschaft, beim Wohnen oder auch im Blick auf den ruhenden Verkehr oder die Entwicklungen im Radverkehr zu entwickeln. Wichtig ist dabei immer, vorhandene Interessen aufzufinden und in der Rolle eines gestaltenden und vor allen Dingen auch um Konsens bemühten Moderators Ziele und Leitbilder zu formulieren, ohne dabei das Thema Interessenausgleich auszublenden.



Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit spielen hier eine sehr wichtige Rolle, denn bei allen Themen muss schließlich eine Stadtöffentlichkeit für die jeweiligen Projekte gewonnen und natürlich auch um die Unterstützung des Ratsgremiums geworben werden. Ganz wichtig für die Akzeptanz geplanter Maßnahmen ist schließlich die Beteiligungen der Öffentlichkeit. Je stärker ein selbstbewusstes Stadtbürgertum mit in die Planungs- und Gestaltungsprozesse eingebunden werden kann, desto größer ist schließlich auch das Interesse an der Stadt, die Bereitschaft, sich für die Kommune ehrenamtlich zu engagieren und vor allem auch die für solches Engagement immer notwendige Identifikation mit der Stadt. Erst wenn sich die in Kirchheim wohnenden Menschen tatsächlich zu einem gewissen Grad auch verantwortlich fühlen für ihr direktes und weiteres Wohnumfeld, haben stadtplanerische Impulse Chancen, nicht als "Event" zu verpuffen, sondern nachhaltig zu wirken und möglicherweise auch weitere Initiativen zu initiieren.



Während sich die Tätigkeiten auf dem Sektor Städtebau und Bauleitplanung am stärksten nach außen vermittelt und sich in städtebaulichen Entwürfen, Bebauungsplänen und beispielsweise auch im Flächennutzungsplan niederschlagen, sind die Dienstleistungsangebote des städtischen Planungsamtes der Öffentlichkeit wohl weit weniger bekannt, vermutet der in Leverkusen geborene Ex-Berliner Dr. Oediger.



Zwei Aufgaben stehen für ihn hier im Vordergrund. Neben Vermessungstätigkeiten für städtische Zwecke ist das Planungsamt auch verantwortlich für den Aufbau und die Pflege eines geografischen Informationssystems, dessen digital vorgehaltene raumbezogenen Daten quer durch die Verwaltung genutzt werden. Diese von der lokalen Öffentlichkeit wohl kaum wahrgenommene digitale Datenkompetenz hat Kirchheim offensichtlich über die Jahre zu einer wichtigen Pilgerstätte für all diejenigen werden lassen, die planen, ebenfalls ein solches geografisches Infosystem aufzubauen, kompetente Hilfestellung bei konkreten Problemstellungen erhoffen oder auch nur stark interessiert daran sind, wie beispielsweise in Kirchheim die eine oder andere Konfliktsituation angepackt und zu einer individuellen Lösung geführt wurde.



Neben der Öffnung nach außen und gut funktionierendem Quer-Austausch mit praktisch allen anderen Behörden der Stadtverwaltung ist Dr. Oediger die planungsamtsinterne Kommunikation ganz besonders wichtig. Überhaupt keine Probleme erwachsen daraus, dass sich in seinem Amt 14 Personen die rund zehn Stellen teilen. Die Teilzeitkräfte verstehen es offensichtlich allerbestens, völlig autonom untereinander ihr reibungsloses Zusammenspiel zu organisieren. Wöchentliche Team-Sitzungen sorgen im Planungsamt dafür, dass der Optimierung der Arbeit zuliebe trotz aller guten Kollegialität der konstruktive Disput und der kompetente Diskurs nicht zu kurz kommen.

Stadtplanerische Impulse nachhaltig wirken zu lassen, ist das Anliegen von Dr. Hermann-Lambert Oediger.

Foto: Jean-Luc Jacques