Lokales

Positive Signale

Was London locker leistet, wenn es darum geht, Menschen förmlich magnetisch anzuziehen, müsste auch Kirchheim können, lautete die Lektion, die Stadtrat Andreas Kenner mit der Geduld des gelernten Altenpflegers seinen Kollegen im Ratsrund zu vermitteln suchte.

WOLF-DIETER TRUPPAT Statt zu jammern und zu lamentieren über Dinge, die sich auch durch viele weitere, zermürbende Diskussionen nicht mehr ändern werden, gilt es eigentlich schon längst, keine oder aber positive Signale auszusenden.

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Allen potenziellen Besuchern muss verschärft klar gemacht werden, dass es sich immer wieder lohnt, Kirchheim zu besuchen und Neues zu entdecken trotz eines viel zu sorglos gehandelten Begriffs, der zum Synonym für die emsige Einkaufsstadt zu werden droht: "baustellenbedingte Parkplatzsuche". Täglich aufs Neue muss dem Umland überzeugend vermittelt werden, wie attraktiv es ist, hier zu leben, zu arbeiten, Veranstaltungen zu besuchen oder sich hemmungslosem konjunkturankurbelndem Kaufrausch hinzugeben. Neidische Blicke begeisterter Besucher sollte Kirchheim gerade jetzt auf sich lenken und Menschen willkommen heißen in einer Stadt, die sich auch von einem großen, tiefen Loch im Herzen nicht die Lebenslust nehmen lässt und nicht immer nur alte Wunden leckt, sondern selbstbewusst und voll ansteckender Zuversicht positiv in die Zukunft blickt.

Begeistert war SPD-Stadtrat Kenner darüber, wie viele Leute durch das Massen mobilisierende "Midnight-Shopping" angelockt werden konnten und gut gelaunt weite Anfahrten und lange Wege durch die sich ihnen öffnende Stadt genossen. CDU-Stadtrat Waggershauser ging in Zeiten blank liegender Nerven sogar so weit, einen persönlichen "Geheimtipp" öffentlich preiszugeben. Statt das Hohelied der Parkplatzsuche zu skandieren, gestand er ein, ausgerechnet an diesem Tag sehr spät mit dem Auto in die völlig überfüllte Innenstadt gefahren zu sein wo er dann in der Tiefgarage am Freihof ohne Probleme einen Parkplatz fand. Solche "unglaublichen" Dinge sollten tatsächlich lauter und häufiger weitergesagt werden.

Im Gemeinderat scheinen Teile der SPD und CDU zusammenzurücken, um gemeinsam den richtigen Weg aus dem vielstimmig beklagten Jammertal einzuschlagen. Statt die Stadt schlecht zu reden und irreversible Entscheidungen zu bedauern muss sie auf einem immer mehr konkurrierenden Feld positiv positioniert werden. Die Kampfansage an die vermeintliche "Servicewüste Deutschland" war dabei schon ein erster wichtiger Schritt.