Lokales

Post zieht Konsequenzen aus Kritik

Unternehmen richtet spezielle Kundenhotline für die Teckstadt ein

Seitdem die Briefzustellung in Kirchheim vergangenen Sommer neu organisiert wurde, hat es jede Menge Ärger gegeben. Viele Kunden in der Teckstadt sind unzufrieden – die Deutsche Post selbst aber auch.

Anzeige

BIANCA LÜTZ

Kirchheim. In den vergangenen Wochen hat es regelrecht Beschwerden gehagelt: Zahlreiche Bürger aus Kirchheim, aber auch aus anderen Orten wie etwa Dettingen und Neidlingen, machten ihrem Ärger über die schlecht funktionierende Briefzustellung rund um die Teck Luft. Sie klagten über verspätete, falsch zugestellte oder sogar verlorene Post – und über einen allzu häufigen Wechsel bei den Zustellern. Während die einen an die Öffentlichkeit gingen oder sich an die Kundenberatung des Unternehmens wandten, versuchten andere sogar, rechtliche Schritte wegen verlorener Briefe einzuleiten oder das Fernsehen auf die Zustände in der Teckstadt aufmerksam zu machen.

Vergangene Woche schaltete sich zudem der Kirchheimer CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich ein, der Mitglied im Beirat der Bundesnetzagentur ist. In einem Brief an Dr. Frank Appel – dem neuen Postchef – teilt er mit, dass es Klagen von Bürgern und Unternehmen gegeben habe und er auch aus eigener Erfahrung bestätigen könne, dass die Post späteren oder zu unüblichen Zeiten zugestellt werde. Hennrich bittet den Postchef in dem Brief um die rasche Beseitigung der Probleme in Kirchheim.

Jetzt reagiert die Post mit einer speziellen Serviceleistung auf den öffentlichen Druck: Für Kirchheimer Postkunden, die aktuell mit ihrer Briefzustellung nicht zufrieden sind, hat das Unternehmen ein Kundentelefon beim Zustellstützpunkt in Esslingen eingerichtet. Dort stehen all denen, die Klagen haben, „ortskundige Fachleute aus der Briefzustellung zur Verfügung“, wie Postsprecher Gerold Beck mitteilt. „Sie werden sich noch am selben Tag um die Angelegenheit beziehungsweise den Kundenwunsch kümmern.“

Dass in Kirchheim längst noch nicht alles rund läuft, weiß die Post: „Mit dem derzeitigen Qualitätsstand ist das Unternehmen nach wie vor nicht zufrieden“, sagt Gerold Beck. Aus diesem Grund seien in Kirchheim und im Briefzentrum Salach ständig Aufsichtskräfte und Qualitätsspezialisten vor Ort. Diese würden auch die Kräfte begleiten, die in Salach die Sendungen für Kirchheim vorbereiten. Gerade bei der Sortierung hatten Postmitarbeiter und Verbraucherschützer einen „Knackpunkt“ vermutet.

Postsprecher Beck weist auf andere mögliche Gründe dafür hin, dass es bei der Briefzustellung in Kirchheim auch nach mehr als einem halben Jahr nach der Umstellung hapert. „Die von den Kunden reklamierte Zustellung liegt zum einen an den immer noch nicht ganz reibungslos laufenden Arbeitsschritten, aber auch an den teilweise neu eingestellten Kräften“, so Beck. „Es ist für die Deutsche Post nicht ganz einfach, qualifizierte und engagierte Zusteller zu finden und zusammen mit ihnen einen festen Personalbestand in Kirchheim neu aufzubauen.“ Vielleicht sei die gute Beschäftigungssituation Grund für die schwierige Personalsuche. Weil einige neue Mitarbeiter den Ansprüchen in Sachen Service und Qualität nicht gerecht geworden seien, habe sich das Unternehmen in den vergangenen Wochen von mehreren Kräften wieder trennen müssen. Die Nachfolger musste das Unternehmen dann erst wieder neu einarbeiten. Ein häufigerer Wechsel blieb da nicht aus.

Für Verwunderung bei einem Kirchheimer hat indes die Auskunft der Post gesorgt, dass die Zustellung zwischen 8 und 17 Uhr erfolge und eine bestimmte Tageszeit nicht zugesagt werden könne. Der Bürger hatte sich an das Unternehmen gewandet und bemängelt, dass die Briefe zum Teil so spät kämen. Dabei hatte das Unternehmen die Umstrukturierungen vor gut einem halben Jahr wiederholt damit begründet, dass die Briefe im Hinblick auf die Wettbewerbssituation künftig bis spätestens 13 Uhr in den Briefkästen landen müssten. Mit diesem Argument hatte die Post im Zuge der Neuorganisation dann zahlreiche, teilweise langjährige Ganztagskräfte in andere Gebiete versetzt und neue Halbtagskräfte in Kirchheim eingestellt.

Postsprecher Gerold Beck dagegen bestreitet, dass viele Briefe nach dieser Uhrzeit ankommen. „Nur ein geringer Teil der Sendungen wird nach 13 Uhr zugestellt.“ Ärgerlich reagierte Jörn Ziegler aus Kirchheim auf die Reaktion der Deutschen Post, als er zehn Briefe als verloren meldete – darunter etwa Buchsendungen und Eintrittskarten. Die Briefe seien nicht mehr auffindbar, aber als normale Sendungen auch nicht versichert, bekam er als Auskunft. „Die Post hat mir dann zehn 55-Cent-Briefmarken als Entschädigung zukommen lassen“, erzählt Ziegler.

Wer Probleme mit der Briefzustellung in Kirchheim hat, kann sich bei dem eigens für die Teckstadt eingerichteten Kundentelefon unter der Nummer 07 11/39 63 48 12 melden. Besetzt ist das Telefon montags bis freitags zwischen 9 und 13 Uhr.