Lokales

Powerflute übernimmt Scheufelen

Investor wird die Papierproduktion weiterführen – 120 Mitarbeiter verlieren ihren Job

Der finnische Papierhersteller „Powerflute“ wird neuer Eigentümer der angeschlagenen Papierfabrik Scheufelen: Bis Ende November will der Investor den Geschäftsbetrieb übernehmen und künftig mit deutlich weniger Personal Papier produzieren. Voraussichtlich 120 der derzeit 620 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

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Lenningen. Das Amtsgericht Esslingen hat am gestrigen Mittwoch das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Papierfabrik Scheufelen eröffnet und den bisher vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Jobst Wellensiek zum Insolvenzverwalter bestellt. Das traditionsreiche Unternehmen aus dem Lenninger Tal hatte am 17. Juli Insolvenzantrag gestellt. Der Geschäftsbetrieb konnte jedoch in vollem Umfang aufrecht erhalten werden.

Nunmehr ist es gelungen, mit Eröffnung des Insolvenzverfahrens eine Vereinbarung mit Powerflute über die Übertragung des Geschäftsbetriebes zu schließen, wie die Papierfabrik Scheufelen in einer Presseerklärung mitteilt. Vorgesehen ist, dass das Unternehmen am Standort in Oberlenningen in Zukunft mit rund 500 Mitarbeitern – in unbefristeten Arbeitsverhältnissen – fortgeführt wird. Bis zum Abschluss der Transaktion wird das Unternehmen unter der Regie des Insolvenzverwalters fortgeführt. Es ist beabsichtigt, dass der Geschäftsbetrieb Ende November übertragen wird.

Der Investor Powerflute ist ein an den Börsen in London und Stockholm notiertes Unternehmen aus der Papierindustrie. „Powerflute Oyj“ stellt hauptsächlich hochwertiges Verpackungsmaterial her. Zum Unternehmen gehört auch die Papiermühle „Savon Sellu“, die im finnischen Kuopio derzeit knapp 200 Mitarbeiter beschäftigt.

Dr. Jobst Wellensiek zeigte sich nach den Verhandlungen mit Powerflute zuversichtlich, dass der Standort in Lenningen für die Zukunft gesichert ist. In den heute abgehaltenen Betriebsversammlungen stellte der Insolvenzverwalter fest, dass mit den bisher erreichten Vereinbarungen das ehrgeizige Ziel, Scheufelen so schnell wie möglich wieder aus der Insolvenz herauszuführen, erreicht werden konnte. Die Kontakte zu dem Investor hatten Dr. Ulrich Scheufelen und Geschäftsführer Kim Jokipii bereits vor einiger Zeit geknüpft. „Der finnische Konzern und vor allem auch sein Hauptanteilseigner‚ Dermot Francis Smurfit, so Axel Scheufelen, stellvertretender Geschäftsführer der Oberlenninger Papierfabrik, „haben in der Branche einen sehr guten Ruf.“ Die Familie Scheufelen sei deshalb – bei aller Trauer über das Ende des Familienunternehmens Scheufelen – sehr erleichtert, dass mit der Übernahme die Zukunft des renommierten Betriebs aller Voraussicht nach langfristig gesichert ist.

Der neue Eigentümer will nach Angaben von Axel Scheufelen die luk­rative Sparte der Premiumpapiere kontinuierlich ausbauen und sich bei den Bilderdruckpapieren auf Deutschland und die Nachbarländer beschränken. Die Gesamtproduktionsmenge soll so erhalten bleiben, der Anteil der Bilderdruckpapiere im Laufe der Zeit aber reduziert werden.

Getrübt wird die positive Nachricht natürlich durch den geplanten Personalabbau: Von den derzeit 620 Mitarbeitern will Powerflute nur 500 übernehmen. Auch wenn der Abbau von 100 bis 120 Arbeitsplätzen schon seit einiger Zeit im Gespräch ist, sorgte diese Nachricht natürlich bei den gestrigen Betriebsversammlungen für heftigen Gesprächsstoff. Ein Zeitplan für die Stellenreduzierung liegt nach Auskunft von Axel Scheufelen bislang noch nicht vor. tb