Lokales

Prêt-à-porter für vier Pfoten

Drei Frauen haben in Kirchheim ein Hundemode-Label gegründet

Silvesterparty, Festessen oder S

tadtbummel – es gibt viele Gründe, sich so richtig in Schale zu werfen. Drei Frauen aus Kirchheim fanden, dass nicht nur Zwei- sondern auch Vierbeiner zu jedem Anlass etwas Schickes im Schrank haben sollten und gründeten ein Hundemode-Label.

Prêt-à-porter für vier Pfoten

Kirchheim. Hoch motiviert tippelt Timi den roten Teppich entlang. Sein Glitzeroberteil funkelt im Scheinwerferlicht, aus dem Lautsprecher ertönt „Diamonds Are A Girl‘s Best Friend“. Für Timi ist es das letzte Outfit an diesem Abend. Einen hellblauen Walklodenmantel im floralen Design und einen gestreiften Frottee-Bademantel mit Kapuze hat er bereits vorgeführt, ebenso wie ein Dress im „Wildlife“-Stil. Was nach einer typischen Modenschau klingt, ist in der Teckstadt ein Novum. Denn Timi und die anderen Models haben vier Pfoten und Fell. Der Laufsteg ist ein Zelt vor einem Kirchheimer Hundesalon und die Kleidung, die sie präsentieren, entstammt dem neu gegründeten Kirchheimer Hundemode-Label „Dog-A-Dress“ von Sybille Sommer, Anja Kastl und Dr. Tanja Schlegel.

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Die Idee, Hundekleidung zu entwerfen, kam Sybille Sommer – die eigentlich einen Brautmodenladen in Kirchheim führt – bei einem winterlichen Spaziergang auf der Alb mit ihrer grauen Bolonka-Zwetna-Hündin. „Candy hat sehr langes Fell. Nach einer Viertelstunde im Schnee waren die Haare so verklumpt, dass sie nicht mehr laufen konnte“, erinnert sich die Schneidermeisterin an den frus

­trierenden Ausflug. Kurzerhand beschloss Sybille Sommer, dem Hündchen einen Overall zu nähen, der bis zu den Pfoten hinabreichte – und siehe­ da: Hündin und Frauchen konnten nun auch wieder Spaziergänge im Schnee genießen. Aber damit nicht genug. Das originelle Kleidungsstück zog jede Menge Aufmerksamkeit auf sich: „Immer wieder haben mich Leute darauf angesprochen, wo ich Candys Overall gekauft habe.“

So reifte in Sybille Sommer der Gedanke, nicht nur für den eigenen Vierbeiner modische Hundekleidung zu entwerfen und zu schneidern, sondern die extravaganten Stücke auch zu verkaufen. Als Partner holte sie sich die Kirchheimer Tierärztin und Hundesalon-Besitzerin Dr. Tanja Schlegel sowie Salonleiterin Anja ­Kastel ins Boot. Mittlerweile hängen im Hundesalon „Dogstyle“ in der Kirchheimer Limburgstraße einige der ausgefallenen und auffälligen Kleidungsstücke für kleine und große Hunde fertig zum Kaufen und Tragen auf der Stange – Prêt-à-porter für Kunden auf vier Pfoten sozusagen. Außerdem können modebewusste Hundebesitzer dort auch Mäntel, Overalls, Accessoires und Halsbänder bestellen, die Sybille Sommer dann maßschneidert. Salonleiterin Anja Kastel, die übrigens Besitzerin des weißen Havaneser-Rüden und „Models“­ Timi ist, berät die Besitzer und misst die Vierbeiner aus, falls sich auf der Stange nichts Passendes findet. Wer ganz spezielle Wünsche hat, wird direkt zu Sybille Sommer weitergeschickt.

„Die Kunden dürfen bei mir auch eigene Stoffe mitbringen. Zum Beispiel habe ich schon aus einem alten Pulli oder Anorak der Besitzer einen Pulli oder Anzug für deren Hund hergestellt“, erzählt Sommer. Auch wenn sie bestimmte Modelle in verschiedenen Größen näht, so legt sie Wert darauf, dass alle Kleidungsstücke Unikate sind: „Keines sieht so aus wie das andere.“ Das alles gibt es zu „moderaten Preisen“, wie die Hunde­mode-Designerin sagt: Zwischen 20 und 100 Euro kosten die Kleidungsstücke im Schnitt, je nach Stoffart, Schnitt und Applikationen.

Dass so mancher Beobachter angesichts der perfekt durchgestylten Vierbeiner den Kopf schüttelt, dessen sind sich die drei Frauen bewusst. Beeindrucken lassen sie sich davon jedoch nicht. Gepflegte Hunde, die gebadet und frisiert werden, Glitzerhalsbänder und exquisite Kleidungsstücke – „mir persönlich gefällt das“, stellt Dr. Tanja Schlegel klar. „Man achtet ja schließlich auch auf sich selbst.“ So richte sich das Hunde­mode-Label „Dog-A-Dress“ natürlich auch vor allem an modebewusste Hundebesitzer, die bei ihren Vierbeinern auf eine gepflegte Erscheinung Wert legen.

Ganz klar stellt die Tierärztin aber, dass es keineswegs nur Spielerei sei, Vierbeinern etwas anzuziehen. „Aus tierärztlicher Sicht ist es durchaus sinnvoll, dass manche Hunde Mäntel oder Jacken tragen“, betont Dr. Tanja Schlegel. Insbesondere sehr kurzhaarige oder kurzbeinige Rassen sowie Hunde, die geschoren werden, sollten bei Kälte und Nässe unbedingt etwas anhaben, um gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Argumente, wie „früher gab es so etwas auch nicht“, lässt die zertifizierte Groomerin – also Hundefriseurin – Anja Kastel nicht gelten: „Die Hunde leben heute ganz anders mit den Menschen zusammen.“ So werde in den Wohnungen Tag und Nacht geheizt, die Tiere seien die meiste Zeit in den Räumen. Im Winter sei der Temperaturunterschied zwischen drinnen und draußen dann auch für Tiere gewaltig. „Es gibt natürlich auch Hunde und Rassen, denen man nichts anziehen muss“, schränkt Anja Kastel ein. Besitzer sollten einfach darauf achten, ob es ihrem Vierbeiner zu kalt ist. Feststellen lässt sich das ganz einfach: „Wenn der Hund zittert, schlottert oder die Pfoten hochzieht, dann friert er“, so Dr. Tanja Schlegel.

Bei allem Modebewusstsein – „ein Hund ist immer noch ein Hund“, betont Sybille Sommer. „Die Kleidung muss in erster Linie funktionell und praktisch sein.“ Röcke und Kleidchen, Kostüme und Kitsch gibt es in ihrer Kollektion nicht. Stattdessen legt die Schneidermeisterin auf hochwertige Materialen wert. Einer ihrer Lieblingsstoffe ist Walkloden. „Er besteht aus reiner Wolle, ist wasserabweisend, atmungsaktiv und waschbar“, so die Hundemode-Designerin. Walkloden wird beispielsweise auch im Landhaus-Look verwendet, der laut Sybille Sommer zurzeit „der absolute Renner“ ist.

Ob nun Landhaus-Look oder ­Glitzertop, Safari-Dress oder Camouflage-­Mantel – Sybille Sommer näht alles, was das Herz der Hundebesitzer begehrt. Allerdings: „Es muss schon zum Hund passen, und natürlich zum Besitzer“, findet die Schneidermeisterin: „Ein Rowdy-Hund bekommt bei mir dann eben kein Schleifchen, sondern eher einen Totenkopf auf seinen Mantel.“ Und wer gerne im Partnerlook mit seinem Vierbeiner auftritt, kann sich dann noch passend zum Outfit des Hundes Schals oder Handschuhe für sich selbst dazubestellen.