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Praktikanten im Rettungsdienst Vom Schüler zum Helfer

"Praktikum bei den Maltesern. Ein Abenteuer der besonderen Art." So lautet das Motto des Ausbildungprogramms bei den Maltesern. Junge Menschen können hier in kürzester Zeit vom Schüler zum Helfer werden. Nicht einmal ein Jahr braucht man, um eine staatliche Prüfung zum Rettungssanitäter zu absolvieren.

CHRIS HEINRICH

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NÜRTINGEN / KIRCHHEIM Acht Monate dauert das Praktikum, das von den Maltesern seit zwei Jahren angeboten und jetzt publik gemacht wird. Dabei durchlaufen die Praktikanten eine Ausbildung, die sowohl die Notfallrettung, womit die Erstversorgung und der Transport von Notfallpatienten gemeint ist, den Krankentransport, also die Beförderung von nicht Notfallpatienten ins Krankenhaus, als auch den europaweiten Rückholdienst beinhaltet. Auch der Sanitätsdienst bei Großveranstaltungen wird den Jungen und Mädchen nahe gebracht. Ziel des Praktikums ist die Dienstbezeichnung "Rettungssanitäter".

Insgesamt fünf Praktikanten haben diese Ausbildung schon absolviert. Parallel können in Nürtingen jedoch nur zwei bis drei ausgebildet werden. "Bei großer Nachfrage ist es jedoch durchaus möglich, noch mehr Praktikumsplätze zu schaffen", meint Rettungsdienstleiter Mark Lippe. Das Ausbilden übernimmt hauptsächlich der Lehrrettungsassistent Steffen Schütze in Kooperation mit dem ärztlichen Leiter Dr. Uwe Ochs.

Insbesondere für diejenigen, die ein Medizinstudium absolvieren möchten, soll das Angebot ein besonderer Reiz sein. Die Praktikanten bekommen einen umfangreichen Einblick in das Metier. Die acht Monate können als Wartesemester angerechnet werden und als Überbrückung dienen. "Wir haben bewusst eine solche Zeitspanne gewählt. So passt das Praktikum in die Lücke", sagt Mark Lippe. Die Frage war nätürlich erstmal, wie man an solche Leute kommt. Somit stellten die Malteser ihr Programm bei den Arbeitsämtern vor, in der Hoffnung, dass durch sie Schulabgänger mit der Möglichkeit vertraut gemacht werden können. In Zukunft wollen die bereits Dienstleistenden jedoch direkt in die Abitur-Klassen gehen und das Konzept vorstellen.

Der Wegfall von Zivildienstleistenden und dann auch noch die Verkürzung der Zivildienstzeit stellte ein Problem für die Malteser dar, das mit dem neuen Praktikumsmodell entschärft werden konnte.

Neben dem Einsatz auf der Rettungswache beinhaltet die Ausbildung 160 Stunden Grundlehrgang im Rettungsdienst an der Malteser-Rettungsdienst Schule in Aachen oder Bonn, wonach man sich selbst als "Rettungshelfer" bezeichnen kann. Des Weiteren stehen noch 80 Stunden Mitarbeit auf einer internistischen Intensivstation am Klinikum Kirchheim-Nürtingen, 80 Stunden Mitarbeit in der Anästhesie an der Unfallklinik in Tübingen, 100 Stunden internes Training und Prüfungsvorbereitung auf der Rettungswache der Malteser in Nürtingen sowie 80 Stunden Abschlusslehrgang an der Malteser-Rettungsdienst-Schule in Aachen oder Bonn an. Das Ende der Ausbildung wird dann eine staatliche Prüfung zum Rettungssanitäter sein.

Das Motto begründet Mark Lippe damit, dass die Ausbildung wirklich vielseitig sei. Man könne nie genau wissen, wen man antrifft und schon gar nicht, wie man ihn antrifft. Langweilig ist die Ausbildung wohl wirklich nicht. Mark Lippe: "Die Praktikanten werden bei uns voll und ganz eingebunden". Dazu kommt das große Einsatzgebiet, in dem die Malteser tätig sind. Grundsätzlich erstreckt sich dieses über einen Radius von zehn bis 20 Kilometer, Einsätze im Rückholdienst finden dann jedoch schon auch einmal in Rumänien statt. Der Dienstleiter sagt dazu: "Ein Praktikant, der bei uns tätig ist, kennt nach dem Winter alle Skigebiete und nach dem Sommer alle Urlaubsorte".

Neben den elf Hauptamtlichen der Wache zeigen sich auch die Praktikanten selbst begeistert von dem Angebot. Thomas Linhart, der das Praktikum in sein Freiwilliges Soziales Jahr einbindet, berichtet: "Jeder Tag bringt etwas Neues, jeder Tag etwas Anderes".

Voraussetzung für die Teilnahme an dem Programm ist ein Mindestalter von 18 Jahren und ein Führerschein der Klasse B. Ausgewählt wird hauptsächlich nach dem Motivationskriterium. Hinzu kommt dann noch die objektive Eignung, also ob jemand körperlich und seelisch belastbar genug für derartige Einsätze ist. Für diejenigen, die den Ansprüchen nicht genügen können, besteht die Möglichkeit, sich auf ehrenamtlichem Wege einen Platz bei den Maltesern zu sichern. Dies würde dann eine zweijährige Ausbildung durch Wochenendkurse beinhalten. Obwohl die bisherigen Praktikanten meist aus dem ehrenamtlichen Dienst in die Ausbildung übergegangen sind, soll der Schwerpunkt bei der Auswahl in Zukunft bei Studieninteressenten liegen.

Derzeit stehen noch zwei Plätze zur Verfügung. Ein Einstieg ist prinzipiell immer am Monatsanfang möglich. Spätestens im August kann man mit Sicherheit die nächsten Praktikanten empfangen. Interessierte können sich bei der Dienststelle der Malteser in Nürtingen unter der Telefonnummer 0 70 22/24 33 90 oder per E-Mail: praktikum@malteser-nuertingen.de melden. Informationen gibt es auch im Internet unter www.malteser-nuertingen.de.