Lokales

Praktikum in der Partnerstadt

Benoît Delepine hat bei Schempp-Hirth die Welt des Segelflugzeugbaus kennengelernt

Den Austausch zwischen Ram-bouillet und Kirchheim gibt es seit mehr als 40 Jahren. Benoît Delepine ist zwar erst 14 Jahre alt, aber dennoch hat er in der zurückliegenden Woche Neuland betreten und ist sozusagen ein „Pionier der Partnerschaft“: Anstatt sein Schülerpraktikum in einem Betrieb in Rambouillet zu absolvieren, hat er es vorgezogen, sich in Kirchheim bei Schempp-Hirth eine Woche lang in die Kunst des Segelflugzeugbaus einweisen zu lassen.

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Andreas Volz

Kirchheim. Zum ersten Mal war Benoît Delepine vor zwei Jahren in Kirchheim – als Austauschschüler am Schlossgymnasium. Seine damalige Gastfamilie hatte nun bei Schempp-Hirth angefragt, ob es grundsätzlich möglich sei, dass sich ein junger Rambolitain als Praktikant bewerben kann. Ausbildungsleiter Thomas Kraja zufolge gab es das zwar noch nie, aber einen Versuch war es wohl wert. Jedes Jahr gebe es bei Schempp-Hirth 20 bis 25 Schülerpraktikanten, warum sollte es nicht auch einmal einer aus Kirchheims Partnerstadt sein? „Voraussetzung war natürlich, dass er Deutsch spricht und sich mit den Leuten hier unterhalten kann.“

Diese Voraussetzung erfüllt Be­noît Delepine trotz seiner relativ jungen Jahre: Inzwischen geht er nämlich nicht mehr in Rambouillet zur Schule, sondern auf das Deutsch-Französische Gymnasium in Buc bei Versailles. Dort hat er beispielsweise in Fächern wie Erdkunde, Musik oder Sport Unterricht auf Deutsch. Der Schulabschluss, den er anstrebt, ist das „Abi-Bac“ – ein doppelter Schulabschluss, der zum einen das deutsche Abitur mit einschließt und zum anderen dessen französisches Pendant, das Baccalauréat.

Was aber bringt Benoît Delepine nun ausgerechnet zu Schempp-Hirth? Die Antwort auf diese Frage lässt nicht lange auf sich warten: „Ich fliege ein bisschen.“ Etwa 30 Kilometer von Rambouillet entfernt gibt es einen Segelflugplatz, und die Verbindung zwischen Flugsport und Flugzeugbau ist bei den Segelfliegern seit jeher eine besonders enge. Nun gibt es aber in ganz Frankreich keinen Segelflugzeughersteller, sagt Thomas Kraja, sondern allenfalls Reparaturbetriebe. Insofern möchte es der Ausbildungsleiter auch nicht ausschließen, dass sein derzeitiger Praktikant nach dem „Abi-Bac“ einmal Luft- und Raumfahrttechnik studiert und danach als Ingenieur in den Betrieb in der Kirchheimer Kreben­straße zurückkehrt.

Aber das ist natürlich noch alles Zukunftsmusik. Zunächst einmal hatte sich Benoît Delepine eine Woche lang mit handwerklichen Arbeiten zu beschäftigen. „Ein bisschen habe ich alles gemacht“, erzählt er rückblickend über sein Praktikum, „ich habe Flugzeuge poliert und sogar einen Sitz gebaut. Das ist toll und macht Spaß.“ Der Sitz wird tatsächlich in ein Segelflugzeug eingebaut, berichtet Thomas Kraja und schildert anschließend die Firmen-Philosophie im Umgang mit Praktikanten: „Wir versuchen, die jungen Leute richtig in den Betrieb zu integrieren. Sie sollen aktiv mitarbeiten und dabei den Umgang mit verschiedenen Materialien kennenlernen, anstatt nur eine Woche lang anderen über die Schulter zu schauen.“

Was die Praktikanten außerdem herstellen dürfen, das ist ein kleines Flugzeugmodell. Auch Benoît Delepine hat sein Modell angefertigt und kann es nach der Rückkehr stolz in Rambouillet präsentieren. Aber auch mit der Rückkehr hat er es gar nicht so furchtbar eilig: Auf die Praktikumswoche folgt jetzt erst noch eine Woche Urlaub in Kirchheim. Bei sportlichen Aktivitäten stehen die witterungsbedingten Vorzeichen aber eher auf Wintersport als auf Segelfliegen.