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Preis als Anerkennung für Teamgeist und Kreativität

Einmal selbst vor oder hinter der Kamera stehen, und dann auch noch das Ergebnis im Kino sehen: Dieser Traum geht nun bereits zum dritten Mal für viele Mädchen aus dem gesamten Landkreis Esslingen in Erfüllung. Am Freitag, 17. November, ab 17.30 Uhr, laufen gleich acht Filme im Esslinger "Traumpalast" im Rahmen des dritten Mädchenkurzfilmfestivals an.

RALPH GRAVENSTEIN

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WENDLINGEN Es wird ein Abend sein, den die jungen Filmemacherinnen nie vergessen werden: Die 59 Mädchen aus der Region, die sich in den vergangenen Monaten an die für sie ungewohnte Filmarbeit gemacht hatten, sollen sich ein wenig wie die Stars auf dem roten Teppich fühlen dürfen. Statt eines Oscars gibt es im Esslinger "Traumpalast" eine "Elektra", eine Anerkennung in großem öffentlichen Rahmen, für Teamgeist und Kreativität der Mädchen. In ihrer Bedeutung für die Gewinnerinnen steht diese Trophäe dem großen Vorbild aus Hollywood jedoch kaum in etwas nach. Bis zur Preisverleihung war viel zu tun und zu lernen für die jungen Schauspielerinnen, Regisseurinnen und Kamerafrauen.

Das Mädchenkurzfilmfestival wird zum dritten Mal vom Kreisjugendring (KJR) Esslingen ausgerichtet. Bis zum festlichen Premierenabend auf der großen Leinwand war es erneut ein weiter Weg: "Rund ein Jahr Vorlauf kann man schon veranschlagen", meint Sabine Dieterle, Bildungsreferentin des KJR im Rückblick.

"Im Anschluss an die Nachbereitung des letzten Festivals hat sich das Frauenforum des KJR gleich an die Neuauflage gemacht, und die Filmteams gingen an die Arbeit." Diese Filmteams sind Mädchen aus unterschiedlichsten Altersstufen und Gruppen: Viele kommen regelmäßig in die Jugendhäuser, andere fanden durch Projektgruppen von Schulen zusammen. Allen gemeinsam ist jedoch die Neugierde auf das Medium Film in seinen unterschiedlichsten Variationen. "Unsere jüngste Gruppe sind Grundschülerinnen aus der Herderschule in Esslingen", erzählt Sabine Dieterle: "Gemeinsam mit Studentinnen der Fachhochschule für Sozialwesen haben sie einen Trickfilm produziert, das war für die Kinder ein tolles Erlebnis."

Themen wie Musik, Freundschaft, Drogen oder Kriminalität standen hoch im Kurs: War eine Story erst einmal definiert, wurde mit der Unterstützung von Pädagoginnen aus dem KJR sowohl das Drehbuch verfasst, als auch die komplette technische und künstlerische Umsetzung übernommen.

Dabei zeigten sich auch erwünschte Lern-Effekte: "Die Verteilung der Aufgaben innerhalb der Gruppen brachte zum Teil interessante Konstellationen: So entpuppten sich zum Beispiel bislang in der Gruppe eher zurückhaltende Mädchen als talentierte Regisseurinnen", erzählt Angelika Kugler, die als Betreuerin neben einer Crew aus dem "Jugendhaus am Bahnhof" in Nürtingen auch ein Filmprojekt der Bodelschwingh-Schule für geistig Behinderte begleitet.

"Dadurch, dass die Mädchen meist alles selbst gemacht haben, konnten sie viele soziale Kompetenzen erwerben oder ausbauen wie funktioniert eine Gruppe am besten, wie kommt man gemeinsam zum Ziel? das waren wichtige Erfahrungen. Unsere Projektziele sind in erster Linie, den Mädchen zu zeigen, dass sie mit eigenen Ideen, Kreativität und viel Engagement sehr viel schaffen können", verdeutlichen die Organisatorinnen.

Für die Teilnehmerinnen selbst sind natürlich die sichtbaren Resultate ihrer Arbeit von größter Bedeutung, und stolz können sie durchaus auf ihre Filme sein, wie erste Eindrücke in einer kleinen Pressevorführung belegten: Teilweise höchst professionelle Kniffe wurden eingesetzt, um effektvolle und unterhaltsame Kurzfilme von bis zu sieben Minuten Länge zu schaffen. Die technische Ausrüstung, wie Kameras und Schnittcomputer, ist beim Kreisjugendring vorhanden. Auch die 14 Betreuerinnen aus dem Frauenforum des Kreisjugendrings konnten den Mädchen dank technischer Schulungen Tipps für die Umsetzung geben. Für Jungen gibt es noch nichts Vergleichbares im Landkreis: "Wir haben bewusst nur auf Mädchen gesetzt, um ihnen die Möglichkeit zur Entfaltung auch bei technischen Dingen zu geben", sagt Dieterle.

Dank der finanziellen Unterstützung des Lions Club Esslingen/ Neckar, konnte das Mädchenkurzfilmfestival erneut stattfinden: 900 Euro überreichte Professor Erich-Dieter Schwilden als Vertreter des karitativen Vereins an die Organisatorinnen. "Normalerweise engagieren wir uns jährlich wechselnd für andere Zwecke", so Schwilden, "doch bei diesem Festival sehen wir ganz konkret, was mit unserem Geld geschieht."

Ganz ohne Glamour soll auch dieser Kinoabend nicht auskommen müssen. "Wie sich das für eine solche Veranstaltung gehört, wird es ein Buffet geben und dazu Fruchtcocktails", meint Sabine Dieterle. Hinzu kommt eine Ausstellung mit Plakaten zu den Filmen, Autogrammkarten der jungen Leinwandstars sowie eine Kostümecke für interessierte Kinder zum Mitmachen. Auch zwei Schauspielerinnen der Württembergischen Landesbühne, Kristin Göpfert und Ute Seraina Schramm, konnten als Moderatorinnen für das Festival gewonnen werden.

Ab Ende November sind die Kurzfilme auf dem Regionalportal des KJR unter www.romeoundjulia.info zu sehen.