Lokales

Privathaushalte sparen, Firmen legen drauf

Neidlingens Gemeinderat beschließt einstimmig die gesplittete Abwassergebühr

„Die haben gut gearbeitet“, lobte der Kämmerer die Vorlage, in der die Allevo Kommunalberatung die Kalkulation der gesplitteten Neidlinger Abwassergebühr erläuterte. Die wichtigste Nachricht: Für die meisten Haushalte wird es billiger.

Neidlingen. Die noch bessere Nachricht folgt sogleich: Weil die Neuregelung rückwirkend ab Januar 2010 gilt, dürfen sich viele Haushalte über eine kleine Erstattung freuen. Statt 2,80 Euro pro Kubikmeter bezogenem Frischwasser werden für 2010 für das Abwasser nur noch 2,16 Euro fällig, hinzu kommen 0,23 Euro pro versiegeltem Quadratmeter Boden. Was das bedeutet, erläuterte Kämmerer Sascha Schneider mit vier Beispielen, die auf echten Neidlinger Zahlen beruhen: Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus sinken die jährlichen Abwassergebühren für das Jahr 2010 von 344 auf 289 Euro. In einem Mehrfamilienhaus mit zwölf Wohnungen spart jeder Haushalt im Jahr 2010 rund 23 Euro. Bei einem Gewerbebetrieb sieht es hingegen anders aus: Statt 409 bezahlt er nun 572 ­Euro. Eine Spedition, die nur wenig Wasser verbraucht, trifft es noch härter: Sie zahlt statt 115 nun 541 Euro. „Wer viele versiegelte Flächen hat, wird mehr bezahlen“, sagte Sascha Schneider. Als typische Kandidaten nannte er ein Einkaufszentrum oder eine Kirche.

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Für das Jahr 2011 gelten leicht höhere Preise von 2,19 Euro pro Kubikmeter und 0,39 Euro pro Quadratmeter. Die meisten Privathaushalte kommen trotzdem günstiger weg als mit der früheren Regelung. Im Jahr 2012 sinken die Sätze wieder auf 2,09 pro Kubikmeter und 0,26 Euro pro Quadratmeter. Der Ausgleich von Vorjahresverlusten, die die Neidlinger Wasserversorgung noch vor sich her schob, ist jeweils einkalkuliert, die Kosten für die Umstellung ebenfalls.

Eine Kalkulation für 2013 oder 2014 wäre nach Schneiders Auffassung noch nicht sinnvoll, denn die Flächen könnten sich noch verändern. Das haben Gebäudebesitzer zum Teil selbst in der Hand. Denn den vollen Preis pro Quadratmeter bezahlen sie nur für vollständig versiegelte Flächen, etwa aus Beton oder Bitumen. Für Rasengittersteine, Porenpflaster oder ein begrüntes Dach gibt es 60 Prozent Rabatt.

Um die Flächen zu ermitteln, hatten die Gemeinden im Verwaltungsraum Weilheim im Frühjahr 2011 gemeinsam ihre Orte befliegen und fotografieren lassen. Anschließend wurden im Verwaltungsraum knapp 7 000 Selbstauskunftsbögen versandt. 88 Prozent kamen zurück, für Bürgermeister Rolf Kammerlander eine „mehr als zufriedenstellende“ Quote.