Lokales

Pro und contra "G 8"

Seit das "G 8", das achtjährige Gymnasium, verbindlich ist, diskutieren Eltern von Fünft- und Sechstklässlern hitzig über Nachmittagsunterricht und Stoffverdichtung. Was dran ist an diesen Klagen, und wie Abhilfe geschaffen werden kann, will Carla Bregenzer, wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, herausfinden.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Allerdings kann die Bildungspolitikerin bei ihrem Vorhaben heute in Kirchheim nur begrenzt auf die Mithilfe betroffener Eltern und Lehrer setzen. Elternbeiratsvorsitz und Schulleitungen der beiden Kirchheimer Gymnasien haben die Teilnahme abgesagt. Sie vertreten in ihrem Absagebrief an die SPD-Landtagsabgeordnete die Auffassung, dass sich Schulen gegenüber Veranstaltungen, die von nur einer politischen Partei ausgerichtet werden, "neutral und zurückhaltend" verhalten müssen: "Aufgrund dieser Verpflichtung haben die Kirchheimer Gymnasien übereinstimmend beschlossen, an der genannten Veranstaltung nicht teilzunehmen." An einem der Gymnasien findet zudem zeitgleich eine Schulkonferenz statt

"Ich war wie vor den Kopf gestoßen", sagt Carla Bregenzer über den Erhalt des Schreibens. Dazu trägt besonders die Tatsache bei, dass die Einladungen in den Schulen erst gar nicht an die Eltern der Fünft- und Sechstklässler verteilt wurden, wie dies jedoch einer "Vereinbarung zwischen dem Kultusminister und dem Landtag" entsprechen würde. "Es gibt keine Verpflichtung", betonen dagegen die Schulleiter. Das Argument der parteipolitischen Neutralität wiege angesichts des Landtagswahlkampfes schwer, wird auch seitens der Elternbeiratsvorsitzenden betont.

An der Brisanz des Themas zweifelt unterdessen niemand. Auch die Elternbeiratsvorsitzenden begrüßen grundsätzlich die Auseinandersetzung mit dem "G 8". Sie wollen eine Umfrage in betroffenen Haushalten machen und planen eine Podiumsdiskussion mit dem Gesamtelternbeirat und Politikern aller Fraktionen. Ein Termin steht dafür allerdings noch nicht fest.

Doch die Politik hat ihren eigenen Terminkalender. Öffentliche Diskussionen gibt es längst an vielen Orten. Schulexpertin Bregenzer, die auch mit den Kirchheimer Schulen seit vielen Jahren ein gutes Miteinander pflegt, hat gestern zu einer vergleichbaren Veranstaltung in Wendlingen geladen, demnächst ist eine solche für Plochingen geplant. "Nirgends gab es Reaktionen wie in Kirchheim", sagt die Sozialdemokratin verständnislos und verweist unter anderem auf CDU-Kollegen, die die Einladung an ihren Schulen weitergeleitet hatten. Für sie als Bildungspolitikerin sei ein breiter Erfahrungsaustausch mit Eltern, Lehrerinnen und Lehrern enorm wichtig, um nicht nur einige wenige vielleicht überzogene Eindrücke präsentiert zu bekommen.

Was der Landtagsabgeordneten zu Ohren kommt, wird morgen in die Landtagsdebatte einfließen, die ab 10 Uhr um die Einführung des achtjährigen Gymnasiums kreist. Bregenzers Ziel ist, den Landeselternbeirat parlamentarisch zu begleiten bei dem Vorhaben, die Proteste vieler Eltern durch Datensammlungen zu versachlichen. "Nur wenn wir auf konkrete Erfahrungen zurückgreifen können, können wir etwas bewirken", heißt es im Begleitschreiben zur Einladung für den heutigen Dienstagabend ab 19.30 Uhr im TG-Heim in der Jesinger Straße 99.