Lokales

Pro und Kontra

Wa

s – Weihnachten ohne Gutsle? Ja, geht denn das überhaupt? Ist es nicht das Schönste, auf der Couch zu sitzen und zu einer Tasse heißem Tee die süßen Verführungen zu genießen, während draußen Schneeflocken auf die Landschaft niederrieseln? Nein, das bestätigen nicht nur hoffnungslose Romantiker. In einer Zeit, in der Hektik auf der Tagesordnung steht und in der man vom Geschenkekaufen zum Adventstreffen hetzt, ist Entspannung wichtiger denn je. Und diese entsteht übrigens auch beim Backen selbst.

Denn wer sich nicht unter Druck setzt, um bei der weihnachtlichen Ver

wandtschaftszusammenkunft die schönsten Gutsleskreationen zu präsentieren, für den kann sich die heimische Küche ganz schnell in eine wahre Erholungsoase verwandeln. Bei besinnlicher Musik im Hintergrund strömt dem Hobbybäcker der herrliche Duft der Plätzchen in die Nase. Seiner Kreativität sind beim Bestreichen und Verzieren der kleinen Leckereien keine Grenzen gesetzt.

Abgesehen davon verbindet das Gutslebacken ganze Familien miteinander, wenn Mama und Papa mit ihren Kleinen Sterne und Monde ausstechen oder den Zuckerguss auf die Zimtsterne streichen. Dabei leben auch alte Traditionen wieder auf: Rezepte der Ururoma werden hervorgekramt, Tipps an die nächste Generation weitergegeben.

Die Weihnachtsbäckerei ist also keineswegs nur was für altbackene Hausmütter

chen. Sie bringt Freude in jedes Haus und gehört zur Adventszeit wie Himbeermarmelade zu Spitzbuben.

Im Übrigen ist die Kalorienzählerei so mancher Zeitgenossen, die aufs Gutslebacken und Naschen verzichten, nur was für Spielverderber. Fürs Fasten bleibt schließlich noch genügend Zeit zwischen Neujahr und Weihnachten . . . HEIKE ALLMENDINGER

Aufwand und Nutzen müssen in einem einigermaßen vernünftigen Verhältnis zueinander stehen. Dieses Gesetz ist überlebenswichtig. Es gilt auch in der heimischen Küche, selbst an Weihnachten. Allein das besiegelt bei vernunftbegabten Menschen das Aus für die eigene Weihnachtsbäckerei: Die Produktion von Spitzbuben, Zimtsternen, Springerle und Co. ist zeitaufwendig ohnegleichen – kein Vergleich zu Apfelwähe oder Marmorgugelhupf. Hinzu kommen stattliche Kosten. Zutaten wie Anissamen oder Hirschhornsalz gibt die moderne Küche nicht einfach

her, zuvor steht der Gang ins Feinkostgeschäft an.

Wer schließlich alles beieinander hat und ganze Nachmittage in der Küche zu verbringen bereit war, dem ist dickes Lob samt vieler „Ahs“ und „Ohs“ gewiss. Schmeckt ja auch teuflisch gut, das Zeug. So sind die liebevoll arrangierten Teller im Nullkommanix leergefegt, die gut gefüllten Blechbüchsen im Vorratskeller noch vor Weihnachten heimlich geplündert.

Ist die Herstellung schon mühsam, so bleibt nicht einmal der Genuss

ohne Reue. Schon beim Kauen stellt sich das schlechte Gewissen ein. Zwar weiß man, dass Weihnachtsgutsle saumäßig viele Kalorien haben – auch die weniger leckeren, die es ebenfalls in jeder Sammlung gibt. Dass es aber um die 80 pro Zimtstern sein sollen, schlägt dem Fass doch wahrlich den Boden aus. Kein Wunder wächst das Hüftgold der Deutschen zur Jahreswende stets bedrohlich.

Weihnachtsbäckerei unter all diesen Vorzeichen? – Nein Danke. Der weitaus bessere Tipp: Gelüsten gezielt begegnen. Hier und da mal ein Tütchen Lieblingsgutsle beim Bäcker oder auf dem Weihnachtsmarkt erstehen – oder eben einfach dankbar in Schwiegermamas vielfältig bestückte Wunderdose greifen.IRENE STRIFLER

Anzeige