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Probe 2511 ist ein klarer Durchfaller

Zeit für die Mittagspause: 42 verschiedene Destillatproben haben Ursula Kerner, Hans-Otto Frey und Hans-Peter Möll an diesem Vormittag schon bewertet. Die drei bilden eine von acht Kommissionen, die in der Schurwaldhalle in Aichwald-Schanbach mehr als 1800 Proben beurteilen zur Qualitätskontrolle und Qualitätssteigerung der Klein- und Obstbrenner in Württemberg.

PETER DIETRICH

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AICHWALD Sofort sind sich die drei einig: Probe 2511 ist ein Durchfaller. Sie hat einen Uhu-Ton, riecht deutlich nach Alleskleber und ist nicht verkehrsfähig. Doch auch bei guten oder sehr guten Proben weichen die Bewertungen nur wenig voneinander ab 16, 16 und 17 von 20 Punkten haben die drei Prüfer gerade unabhängig voneinander vergeben. Dass sich die Kommission nicht einigt und die Prüfungsleiter Thomas Senn und Heinz Kölle hinzuziehen oder eine Probe weiterreichen muss, kommt dagegen nur ganz selten vor. Zwei der Proben des Vormittags waren so genannte Blindproben, sie wurden von der Kommission bereits bewertet, ihr aber erneut vorgelegt. Damit soll überprüft werden, ob die erneute Bewertung identisch ausfällt: Sie tat es.

Natürlich werden die Proben nicht getrunken, sonst wären die Prüfer schnell außer Gefecht, sondern wieder ausgespuckt: Dafür trinken alle zwischen den einzelnen Tests zur Neutralisierung ihrer Geschmacksempfindung viel Wasser: Prüfer Frey war deshalb bereits fünf Mal zur Toilette unterwegs. Außerdem gibt es Brotstückchen.

Bevor jemand Prüfer wird oder Prüferin, denn Frauen sind zwar in der Minderheit, aber durchaus vertreten , nimmt er an einem zweitägigen Sensorikseminar des Verbands der Klein- und Obstbrenner teil. Seminare, die heiß begehrt sind, hilft das Erlernte den teilnehmenden Brennern doch in ihrer eigenen Arbeit. Genauso wie die Mitarbeit bei der alle zwei Jahre durchgeführten Prämierung: Inzwischen falle hier keiner seiner eingereichten Brände mehr durch, berichtet ein Prüfer. Das ist nicht selbstverständlich: "Beim letzten Mal bekamen 17 oder 18 Prozent der Proben keine Auszeichnung", berichtet Fritz Aichele, Erster Vorsitzender des Landesverbandes der Klein- und Obstbrenner in Nord-Württemberg, "da merkt man, wie schnell man betriebsblind wird".

2 500 Mitglieder zählt sein Verband, das südwürttembergische Pendant zählt 3 500. Bei den eingereichten Proben dominieren jedoch bei weitem die Nordwürttemberger dass der Qualitätswettbewerb im Bodenseeraum so wenig Anklang findet, bedauert Aichele sehr. Gehe es dem Verband doch darum, "keine Säufer, sondern bewusste Genießer zu erziehen". Dafür nehmen Gäste aus Dresden, Tschechien und Österreich an der Prämierung teil, für die immerhin rund 60 Leute im Einsatz sind, als Prüfer, zu deren Überwachung, zum Einschenken und zum Gläserspülen.

Zwei Dinge wünscht sich Aichele: Zum einen, dass die Kunden vermehrt zu heimischen Produkte greifen, "und nicht meinen, je weiter her, desto besser". Zum anderen, dass die Alkoholsteuer trotz aller politischen Diskussionen auch weiterhin in Naturalien statt in Geld geleistet werden kann die einzige deutsche Steuer, bei der dies möglich ist.

Nach drei Tagen sind alle Proben beurteilt und die Prüfer müde verlangt ihnen ihre Arbeit doch hohe Konzentration ab. Bis alle Wertungsbögen verarbeitet sind, dauert es noch, die Urkundenverleihung ist erst am 24. Juli. Dann stehen auch die Sieger der Gruppenauswertung fest, bei der nur Teilnehmer mit mindestens fünf eingereichten Proben berücksichtigt werden. Diese Meister ihres Fachs werden dann in der Broschüre "Geistige Spezialitäten" aufgelistet.