Lokales

„Problematik nicht dramatisieren“

Zum nächsten Schuljahr wechseln Gymnasiasten aus G 8 und G 9 auf die beruflichen Schulen

Derzeit können sich die Schüler des achtjährigen und neunjährigen Gymnasiums an den beruflichen Schulen bewerben. Dort könnte es nächstes Schuljahr also eng werden. Doch die Leiterin der Kirchheimer Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule warnt vor verfrühter Panik.

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tobias flegel

Kirchheim. Die Leiterin der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule sieht dem nächsten Schuljahr gelassen entgegen. „Wir betrachten die Situation nicht als dramatisch“, sagt Marianne Erdrich-Sommer. Zwar kenne sie den genauen Stand der Anmeldungen nicht. Aber wenn es nach Ablauf der Frist am 1. März deutlich mehr seien als in den Vorjahren, müssten sich die Leiter der beruflichen Schulen im Kreis nochmal zusammensetzten, um über Lösungen zu beraten.

Zum nächsten Schuljahr könnten sich theoretisch doppelt so viele Gymnasiasten wie bisher auf den beruflichen Schulen bewerben. Das liegt daran, dass zwei Jahrgänge von ihnen im Sommer die mittlere Reife bekommen und damit den Pass für den Wechsel in der Tasche haben: Die Schüler, die derzeit nach dem achtjährigen Modell die Bank drücken, und diejenigen, die noch nach dem alten, neunjährigen Modell das Gymnasium besuchen.

Auf eine Schülerschwemme ist man an der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule begrenzt vorbereitet. Rein rechtlich darf Erdrich-Sommer sowieso nicht mehr als 15 Prozent der Plätze an Bewerber aus den Gymnasien vergeben. Das Kontingent war in der Vergangenheit ausreichend: „Die Bewerbungen bewegten sich im 12-Prozent-Bereich – da war keine Auswahl nötig“, berichtet sie. Auch angesichts der bevorstehenden Ausnahmesituation geht die Schulleiterin davon aus, dass 15 Prozent die Nachfrage decken werden.

Falls dennoch mehr Schüler auf das Wirtschaftsgymnasium oder Berufskolleg gehen wollen, gibt es drei Möglichkeiten, die Lage zu entschärfen. Wenn in Kirchheim kein Platz mehr frei ist, kann Erdrich-Sommer die Jugendlichen an benachbarte Schulen mit ungenutzten Kapazitäten vermitteln. Eine weitere Alternative ist die Bildung einer sogenannten Poolklasse. „Normalerweise haben wir drei Eingangsklassen“, erklärt die Schulleiterin und Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Kreistag. Ausnahmsweise könne sie im nächsten Schuljahr aber eine zusätzliche Klasse einrichten, um vorübergehend mehr Schüler bis zum Abitur zu unterrichten. Diese Lösung relativiert Erdrich-Sommer allerdings wieder: Für eine solche Poolklasse gäbe es an der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule „weder genügend Lehrer, noch Räume“. Auch wisse sie nicht, ob im Kreis überhaupt eine Poolklasse zustande komme.

Realistisch ist dagegen die dritte Lösung: Gymnasiasten, die partout auf eine berufliche Schule wollen, aber dort im nächsten Schuljahr nicht unterkommen, warten noch ein Jahr. Bis sie zum Zug kommen, gehen die Jugendlichen weiter an ihre bisherige Schule. Auch wenn sich dieser Weg zunächst nicht unbedingt befriedigend anhören mag, ist er doch vergleichsweise besser als die Situation der Realschüler, die sich für die Schöllkopf-Schule bewerben. Bekommen sie keinen Platz, müssen sie ein Jahr ohne Schule überbrücken. „Unter den Realschülern gibt es einen Verdrängungswettbewerb“, sagt Erdrich-Sommer. Auswahlkriterium sei der Schnitt im Abschlusszeugnis.

Im Moment mahnt die Schulleiterin zur Ruhe. „Wir haben das Gefühl, dass da Angst geschürt wird.“ Selbst Mutter, könne sie verstehen, dass Eltern für ihre Kinder die Ausbildung wollen, die sie verdienen. Doch jetzt sei es wichtig, „nicht künstlich etwas hochzuspielen, denn wir haben eine verhältnismäßig gute Situation.“ Viel schlimmer werde es, meint Erdrich-Sommer, wenn aufgrund der Rezession die Ausbildungsstellen zurückgehen sollten. „Dann wird es wirklich hart, weil auch Schüler mit verhältnismäßig guten Noten auf der Straße sitzen werden.“

Angesichts dieses Szenarios tröstet Eltern vielleicht ein Blick auf die Statistik: In zwei bis drei Jahren soll es wieder weniger Schüler im Land geben. Für sie steigt damit die Aussicht auf einen Platz an den beruflichen Schulen oder in einem Ausbildungsbetrieb.

Derzeit besuchen 13 195 Schüler die Schulen in der Trägerschaft des Kreises. Das sind 120 mehr als im Vorjahr.