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Professioneller Pflanzenschutz trägt Früchte

Noch steht die Kirschenernte erst am Anfang, doch schon jetzt ist den Experten klar: Nach der Bilderbuchernte im vergangenen Jahr fällt der Ertrag heuer eher mickrig aus. Schuld daran ist in erster Linie der Frostnachtspanner. Auch Monilia und Schrotschuss vermiesen zahlreichen Gütlesbesitzern die Ernte.

ANKE KIRSAMMER

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KIRCHHEIM Statt "prazzelvoller" Äste bietet sich beim Streifzug durch die Streuobstwiesen zum Auftakt der Kirschenernte ein trauriges Bild: Mit dunklen Flecken übersäte oder völlig durchlöcherte Blätter; mitunter sind die Früchte verkrüppelt, zahlreiche Bäume kahl gefressen.

"Die Ernte ist da gut, wo ein guter Pflanzenschutz betrieben wurde", so die Beobachtung von Christian Gruel, Ehrenvorsitzender des Owener Obst- und Gartenbauvereins. Dem Frostnachtspanner, der dieses Jahr einen Großteil der süßen Früchte auf dem Gewissen hat, könne man sehr gut mit Leimringen zu Leibe rücken. Damit lässt sich verhindern, dass die Weibchen am Stamm hinaufkriechen. Den anfliegenden männlichen Faltern fehlt dann die Begattungspartnerin. Gruel schätzt allerdings, dass lediglich an fünf Prozent der Bäume Leimringe angebracht wurden. "Wenn auf dem Nachbargrundstück nichts unternommen wurde, hilft die eigene Vorsorge auch nicht viel", betont Gruel.

Denn der kleine Frostnachtspanner so der eigentliche Name der Schädlinge driftet von Baum zu Baum und kann sich damit auch über bis dahin nicht befallene Pflanzen hermachen. An eine Plage ähnlichen Ausmaßes kann sich Gruel, der seit 45 Jahren als Baumwart fungiert, kaum erinnern. Mitverantwortlich für die explosionsartige Vermehrung des Frostnachtspanners sind wohl unter anderem die warmen Sommer der beiden vergangenen Jahre.

Ernüchternd findet auch die Geschäftsführerin des Kreisobstbauverbands, Ursula Kerner, aus Dettingen den Zustand der Bäume. Während einer Rundfahrt durch den Kreis musste sie feststellen, dass sich die Bäume von dem Kahlfraß im Frühjahr noch nicht erholt haben. "Wir dachten eigentlich, dass das schneller geht", meint die Fachfrau. Wo es Kirschen gebe, sei die Qualität nicht schlecht. "Insgesamt reißt einen die Ernte dieses Jahr aber nicht vom Hocker", urteilt Ursula Kerner.

Mitverantwortlich für die Misere unter anderem in punkto Bekämpfung der Kirschfruchtfliege macht die Dettingerin die äußerst rigide Pflanzenschutzverordnung. Wenig tröstlich sind auch die Aussichten auf den Herbst: "Bei den Äpfeln werden uns 80 Prozent fehlen", bedauert Ursula Kerner.

Als "mittelprächtig" stuft Karl Bölz, Vorsitzender des Weilheimer Obst- und Gartenbauvereins, die Ernte rund um die Limburgstadt ein. Wie jedes Jahr kommen in Weilheim an den Wochenenden wieder Bäume zum Abernten unter den Hammer. Wer das knackige Obst selbst pflücken will, ist in der Zähringerstadt mit zehn Euro aufwärts pro Baum dabei. Karl Bölz gibt die Marschrichtung vor: "Das Kilo kostet zwischen 50 und 80 Cent."

Am vergangenen Samstag startete auch der Verkauf in Hepsisau. Werden in guten Jahren 300 Bäume feilgeboten, so sind es dieses Jahr nur 200. Von einer halben bis dreiviertel Ernte spricht denn auch der ehemalige Hepsisauer Ortsvorsteher Hermann Bernauer.

Nicht nur der Schädlingsplage ist es anzulasten, dass das Kirschenjahr 2005 nicht gerade berückend ist. Auch das Wetter hat seinen Teil daran: Während der Blütezeit war die Witterung alles andere als optimal. "Nur an drei bis vier Tagen war es so warm, dass die Bienen fliegen konnten", erinnert sich der Chef des Nürtinger Landwirtschaftsamtes, Dr. Reinhold Klaiber. Nachtfröste am 9./10. April hätten den Blüten schwer zugesetzt.

Bei der Durchfahrt durch Neidlingen wird Passanten wohl nicht auf Anhieb auffallen, dass es um die Kirschenernte schlecht bestellt ist. "Sich mit einem Stand an die Straße zu stellen, ist bei uns einfach nicht Mode", meint der Vorsitzende des örtlichen Obst- und Gartenbauvereins, Rudolf Hepperle. "Hier ist schon früher viel über die Sammelstelle gelaufen, das sitzt einfach noch drin."

Sollen die großen, knackigen Früchte, die erst zur Hauptsaison Ende Juni, Anfang Juli heranreifen, ein gutes Aroma entfalten und eine ordentliche Größe bekommen, wäre eine Mischung aus Regen und Sonne in den nächsten Wochen nicht schlecht. Nachts Regen, tagsüber schön, aber nicht zu heiß, so lautet die Wunschvorstellung der Obstbauexperten.