Lokales

Prozessauftakt am Donnerstag

Die Vierte Große Jugendstrafkammer am Stuttgarter Landgericht wird in der nächsten Woche einen der brutalsten Morde aus dem vergangenen Jahr verhandeln. Angeklagt sind drei Personen, die am 29. Oktober vergangenen Jahres auf einem Gartengrundstück bei Weilheim den 62-jährigen Besitzer durch Messerstiche getötet haben. Auch in Dänemark, wo ihre Flucht zunächst endete, sollen sie einen Mann erstochen haben.

BERND S. WINCKLER

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Die Bluttat in Weilheim hat die Bevölkerung betroffen gemacht. Der 62-jährige Strickmeister hatte sich an jenem 29. Oktober vergangenen Jahres auf seinem Gartengrundstück bei Weilheim mit Schnittarbeiten beschäftigt, als eine 18-jährige Polin zusammen mit zwei 26- und und 35-jährigen Männern auftauchten.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte es das Trio, das sich schon seit etwa einer Woche in der Gegend aufhielt, auf den vor dem Schrebergarten geparkten silberfarbenen Opel-Zafira abgesehen. Mit dem Fahrzeug wollten sie die Weiterreise antreten.

Was dann genau auf dem Gartengrundstück geschah, liegt bis jetzt noch im Dunkeln. Fest steht für die Anklage nur, dass die Angeklagten den 62-Jährigen mit mehreren Messerstichen töteten, um an das Fahrzeug zu kommen. Die Leiche des Opfers wurde nur notdürftig versteckt. Die Ehefrau des 62-Jährigen fand ihren Mann erst am Abend, nachdem sie sich durch sein Ausbleiben Sorgen gemacht hatte.

Die drei Verdächtigen fuhren von Weilheim aus mit dem Opel des Opfers in Richtung München, verursachten dort einige Unfälle und wurden bei einer stationären Radaranlage geblitzt. Danach wurde das in Weilheim entwendete Fluchtfahrzeug abgestellt. Die Münchner Polizei fand den Wagen in einer Seitenstraße. Die Polizei hatte jetzt ein erstes Fahndungsfoto.

Einer der männlichen Polen soll sich dann in seine Heimat abgesetzt haben, während die 18-Jährige und ihr 26-jähriger Freund auf noch unbekannte Weise nach Dänemark ausreisten. Dort sollen die beiden dann im November letzten Jahres einen 17-jährigen Schwarzafrikaner überfallen und ebenfalls durch Messerstiche getötet haben. Die dänische Polizei konnte das Pärchen dann in einem Kopenhagener Hotel festnehmen, wobei auch das mutmaßliche Tatmesser gefunden wurde.

Ihnen soll nun auch in Kopenhagen der Prozess um den Mord an dem 17-Jährigen gemacht werden. Allerdings werden sie zunächst für die Stuttgarter Verhandlung von der dänischen Justiz hierher ausgeliehen. Die 18-Jährige war am 4. April, ihr 26-jähriger Begleiter eine Woche später den Stuttgarter Behörden übergeben worden. Der dritte Mann, ein 35-jähriger Pole, wurde bereits am 10. Dezember letzten Jahres in seiner Heimat festgenommen und im Februar 2006 nach Stuttgart ausgeliefert.

Zu dem Prozess, der am kommenden Donnerstag vor der Vierten Großen Jugendstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts beginnt, sind mehrere Sachverständige und Zeugen geladen. Bisher hatten die Beschuldigten in vorangegangenen Vernehmungen sich die Weilheimer Bluttat vom 29. Oktober gegenseitig zugeschoben. Nur die 18-Jährige machte bislang noch keine Angaben. Das Verfahren wird voraussichtlich mehrere Wochen andauern.