Lokales

Prüfer klopfen Kompetenzen ab

An den Realschulen im Land steht im Sommer erstmals eine neue Art der Prüfung an

Am heutigen Mittwoch beginnen die schriftlichen Abschlussprüfungen an den Realschulen mit dem Deutsch-Aufsatz. Während die Zehntklässler damit Neuland betreten, ist die schriftliche Prüfung für die Schule eine Routineangelegenheit. Was für alle Beteiligten aber neu sein wird, das ist die mündliche Prüfung Ende Juni / Anfang Juli: Erstmals stehen dabei fächerübergreifende Kompetenzprüfungen in Teams an.

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Andreas Volz

Kirchheim. Während es über Jahrhunderte hinweg Hauptaufgabe der Schule war, Wissen zu vermitteln, geht es nun vor allem darum, dass die Schüler Kompetenzen erwerben. Das zumindest sehen die neuen Bildungspläne vor, die vor wenigen Jahren an den baden-württembergischen Realschulen in Kraft getreten sind. Eine logische Konsequenz der neuen Bildungspläne besteht nun darin, dass die Kompetenzen auch zum Abschluss der Realschulzeit überprüft werden: Fachkompetenz, Methodenkompetenz und Sozialkompetenz müssen die Mitglieder einzelner Prüfungsgruppen jetzt unter Beweis stellen.

Die Teams haben sich bereits im Herbst gebildet. Sie bestehen aus drei bis fünf Schülern, die nicht unbedingt dieselbe Klasse besuchen müssen. Wichtig ist, dass sie gut zusammenarbeiten können und dass sie sich für dasselbe Rahmenthema interessieren. Jeder Einzelne bearbeitet dann einen Teilbereich des gemeinsamen Themas. In der eigentlichen Prüfung kommt jeder Schüler 15 Minuten lang auf den Prüfstand. Die Hälfte dieser Zeit dient der vorbereiteten Präsentation. In der zweiten Hälfte – dem Kolloquium-Teil – fühlen die Prüfer dem Kandidaten auf den Zahn, stellen weiterführende Fragen und überprüfen, ob die Inhalte auch verstanden wurden oder ob jemand vielleicht nur eine fremde Präsentation abgespult hat.

Während der Kompetenzprüfung ist das gesamte Team präsent, auch wenn jedes Mitglied der Gruppe individuell befragt und benotet wird. Im Abschlusszeugnis taucht außer der Note auch das Thema der fächerübergreifenden Kompetenzprüfung auf. An der Kirchheimer Freihof-Real­schule lauten solche Themen beispielsweise „Erderwärmung“, „Evolution“, „Energiegewinnung durch Kernspaltung“, „Biogas – Energie aus Mist und Abfällen“ oder auch „Bewegungsmangel und Übergewicht – die neuen Kinderkrankheiten?“ Betreut von Fachlehrern, bereiten die Teams ihre Präsentationen in einer dreiwöchigen Intensivphase vor. Direkt im Anschluss findet die Prüfung statt.

„Die Forderung kam von der Industrie“, sagt Eberhard Schweizer, der Rektor der Freihof-Realschule, über die neuen Bildungspläne und die neue Prüfungsform: „Es ging da­rum, die Schüler team- und handlungskompetent zu machen.“ Tatsächlich hätten die Schüler, die von Grund auf dazu angeleitet wurden, Ergebnisse vor der gesamten Klasse zu präsentieren, in diesem Punkt ­enorm dazugelernt, sieht Schweizer bereits erste Erfolge des kompetenzenorientierten Unterrichts.

Sein Kollege Wolfgang Wörner von der Teck-Realschule verweist allerdings auch auf Schwierigkeiten im Umgang mit den neuen Anforderungen: „Ein bestimmter Typ von Menschen tut sich schwer damit, vor der ganzen Klasse etwas sagen zu müssen.“ Ein weiteres Problem benennt wiederum Eberhard Schweizer: „Vor lauter Methodenkompetenz kann das Fachwissen auf der Strecke bleiben.“

Insgesamt sind die beiden Rektoren gespannt auf die neue Art der Prüfung, die sie zunächst einmal ohne Vorurteile an ihren Schulen umsetzen wollen. Entsprechend wertneutral sprechen sie denn auch von einer „zeitgemäßen Prüfungsform“, bei der abzuwarten sei, wie sie sich entwickelt und ob sie zu den Ergebnissen führt, die sich die Industrie tatsächlich wünscht.