Lokales

Prüfplakette für verkehrsunsichere Fahrzeuge

Polizei ermittelt wegen gewerbsmäßiger Bestechlichkeit und Falschbeurkundung

Die Esslinger Kriminalpolizei hat am Freitag drei Männer verhaftet, die im Verdacht stehen, ­verkehrsunsichere Fahrzeuge mit einer Prüfplakette aus­gestattet zu haben. Die Ermittler gehen von mehreren Hundert falsch ausgestellten Prüfbescheinigungen aus.

Kreis Esslingen. Langwierige Ermittlungen hatten die Kriminalbeamten auf die Spur eines 58-jährigen Mannes aus dem Landkreis Reutlingen geführt. Er wird verdächtigt, als Gutachter für Kfz-Wesen wider besseren Wissens und trotz er­heb­licher Mängel an Fahrzeugen zugunsten der Fahrzeuginhaber Prüfberichte positiv bescheinigt und Prüfplaketten zugeteilt zu haben.

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Der Sachverständige reiste dazu mehrmals in der Woche zu verschie­denen Werkstätten im Landkreis Esslingen. In den Betrieben, die teilweise nicht für solche Hauptuntersuchungen ausgestattet waren, fertigte der 58-Jährige mit Wissen der Werkstattverantwortlichen jeweils bis zu zehn Fahrzeuge in kürzester Zeit ab. Für die falsch bescheinigten Prüfberichte wurde der Gutachter von den Werkstattbetreibern oder den Kunden bezahlt.

Die Ermittler gehen bislang davon aus, dass der Sachverständige in den vergangenen beiden Jahren in mehreren Hundert Fällen solche falschen Prüfbescheinigungen ausgestellt und sich dadurch bereichert hat.

Nach Monate dauernden Ermittlungen durchsuchten schließlich am Freitagnachmittag Beamte der Poli­zeidirektion Esslingen und der Bereitschaftspolizei Göppingen zeitgleich drei Autowerkstätten in Filderstadt und Leinfelden-Echterdin­gen. Die Beamten beschlagnahmten Computer, Unterlagen sowie weitere Beweismittel.

Während des Einsatzes konnten der 58-jährige Gutachter und zwei 25  und 26 Jahre alte Verantwortliche einer Werkstatt festgenommen werden. Der Gutachter hatte kurz zuvor drei Fahrzeugen neue Prüfplaketten zugeteilt. Bei einer Überprüfung stellte sich heraus, dass die Fahrzeuge verkehrsunsicher waren und niemals hätten positiv bescheinigt werden dürfen. Zudem fanden die Ermittler im Privatwagen des Gutachters über 100 000 Euro. Nach seinen Angaben handelt es sich hierbei um Erlöse aus seiner Prüftätigkeit.

Die drei Männer wurden am Samstag mit Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart einem Haftrichter vorgeführt. Gegen den Sachverständigen wurde ein Verfahren wegen Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall und Falschbeurkundung im Amt eingeleitet.

Die beiden Werkstattbetreiber müssen sich wegen Bestechung in besonders schwerem Fall und Anstiftung zur Falschbeurkundung im Amt verantworten.

Klarheit über das wirkliche Ausmaß des Falles erhoffen sich die Ermittler über die Auswertung der beschlagnahmten Beweismittel. Das Verkehrsministerium sowie die zuständigen Behörden wurden informiert und in die weiteren Ermittlungen einbezogen. Es ist davon auszugehen, dass weitere verkehrsunsichere Fahrzeuge mit gültigen Prüfplaketten im Straßenverkehr unterwegs sind. Deshalb werden die bei der Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen ermittelten Halter dieser Fahrzeuge umgehend informiert.lp