Lokales

Psychiater ist gefragt

Im Denkendorfer Muttermord-Prozess vor dem Stuttgarter Schwurgericht soll am morgigen Mittwoch der psychiatrische Gutachter zu der Frage gehört werden, ob die angeklagte 64-Jährige ihre 93 Jahre alte Mutter im Zustand eines Wahns mit einem Kissen erstickte, oder nicht. Und ob es sich um eine Art Mitnahme-Suizid handelte.

BERND WINCKLER

Anzeige

STUTTGART In welchem Zustand befand sich die wegen Mordes angeklagte Frau an jenem 20. Februar dieses Jahres, als sie offensichtlich mit einem Kissen ihre demenzkranke Mutter in der Denkendorfer Wohnung erstickte? Die Polizei fand bei ihren Ermittlungen vor Ort einen Abschiedsbrief der Beschuldigten, aus dem hervorgeht, dass sie nach der Tat sich selbst das Leben nehmen wollte. Tatsächlich wurde die Angeklagte auch erheblich an den Armen verletzt aufgefunden und zunächst zur Behandlung in ein Krankenhaus gebracht. Doch die Schnittwunden an den Armen waren nach den Feststellungen der Mediziner nicht lebensgefährlich.

In dem aufgefundenen Abschiedsbrief hatte die Frau geschrieben, dass sie ihrer 93-jährigen Mutter durch deren Tod ein jahrelanges Leiden durch die Demenz ersparen wollte. Sie habe sich danach auch selbst töten wollen. Die Angeklagte selbst sei, so ein Polizeibeamter jetzt im Zeugenstand, damals in der Wohnung überhaupt nicht ansprechbar gewesen. Sie habe praktisch nur unartikulierte Laute von sich gegeben. Nach einem vorläufigen ärztlichen Attest leidet die Frau an einer eingebildeten Krankheit. Sie lässt sich mit einer fahrbaren Bahre in den Stuttgarter Gerichtssaal bringen und verfolgt große Teile ihres Prozesse nur liegend. Allerdings gibt es Momente, in denen sie ganz plötzlich auf die Beine kommt und dann mit Bekannten und Freunden vor dem Gerichtsgebäude diskutiert und es sich dann später wieder auf ihrer Krankenbahre gemütlich macht.

Am morgigen Mittwoch sollen noch eine ganze Reihe von Zeugen vernommen werden. Danach wollen die Richter einen Mediziner zur Frage der Verletzungen und der möglichen Krankheit der Angeklagten vernehmen. Erst am späten Nachmittag kommt dann der Gerichtspsychiater zu Wort. Ein Urteil soll erst Anfang Januar verkündet werden.