Lokales

Puffer schützt sensible Fauna und Flora vor Schaden

RICHARD UMSTADT

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BISSINGEN/LENNINGEN Es liegt rund 17 Millionen Jahre zurück, als die Erde auf der Vorderen Alb blubberte und der schwäbische Vulkanismus fröhliche Urständ feierte. Lava drang aus unzähligen Schloten. Das Magma erkaltete und bildete auf der Schopflocher Alb eine natürliche Wanne, in der sich das Regenwasser sammelte. Dort bildete sich im Laufe der Zeit eine fünf Meter dicke Torfschicht mit einer moortypischen Flora und Fauna. Und weil dieses Biotop mit seiner Pflanzen- und Tierwelt auf der Schwäbischen Alb so einzigartig ist, wurde das Hochmoor zwischen Ochsenwang und Schopfloch bereits 1942 unter Naturschutz gestellt.

Inzwischen nimmt das Naturschutzgebiet Schopflocher Torfmoor 50,4 Hektar ein. Einen wesentlichen Beitrag zur Erhaltung dieses einzigartigen Relikts vergangener Zeiten leistete die Torfmoor-Schopfloch-Stiftung, deren Vorsitzender Heinz Dangel aus Ochsenwang ist sowie der Schwäbische Albverein. Nicht immer führte der bei Naturfreunden und Wanderern bekannte Schwellenweg vom Parkplatz des Otto-Hoffmeister-Hauses ins Ried. Es gab Zeiten, in denen das Torfmoor wirtschaftlich genutzt wurde. Wassergräben, die im 19. Jahrhundert angelegt worden waren, sollten die Effizienz verbessern. Der trockene Torf konnte so leichter gestochen und verkauft werden. Dies aber schien der Anfang vom sicheren Ende des Kleinods zu sein, denn ein Wald drohte, das ganze Moor mit seiner Artenvielfalt zu verschlucken. Es wäre wohl dem Untergang geweiht gewesen, hätte dem nicht Naturverwaltung und Albverein Einhalt geboten. Die Torfmoor-Stiftung wurde ins Leben gerufen und ein "Stückle ums andere" im Moorgebiet gekauft.

Dies reicht jedoch zur Sicherung des Lebensraumes nicht aus. 2000 wurde mit der Wiedervernässung des Moors begonnen, damit sich wieder moortypische Pflanzen ansiedeln können. Doch Wasserhaushalt und landwirtschaftlich genutzte Wiesen und Äcker in der Umgebung stehen in direkter Verbindung. Deutlich konnten die Einflüsse der landwirtschaftlichen Nutzung, insbesondere der Düngereintrag, festgestellt werden. Deshalb plädierten Heinz Dangel und die anderen Vorstandsmitglieder der Torfmoor-Stiftung für eine Schutzgebietserweiterung. Zu den 50,4 Hektar sollen weitere Flächen kommen, um alle weiteren Beeinträchtigungen von der hoch sensiblen Insellage des Moors und seiner feuchtigkeitsliebenden Vegetation und Fauna fernzuhalten.

"Das Regierungspräsidium Stuttgart hat nun das Verfahren auf den Weg gebracht", bestätigt Lenningens Bürgermeister und Vorstandsmitglied er Stiftung, Michael Schlecht, die Mitteilung seines Bissinger Kollegen, Wolfgang Kümmerle. Sowohl der Bissinger Gemeinderat als auch die Schopflocher und Lenninger Bürgervertreter werden das Thema beraten und ihre Meinung dem Regierungspräsidium kundtun. Wie Michael Schlecht sagte, sollen nach der Ausweisung der Erweiterung und Arrondierung insgesamt eine Fläche von 76,5 Hektar unter Schutz stehen. Der größte Teil der hinzukommenden Wiesen und Äcker liegt auf Bissinger Gemarkung im Norden und Westen des Moors, ein kleinerer Teil in Richtung Gutenberger Höhlen.

Fachleute sehen die Erweiterung als sinnvoll an. "Das vergrößert die Pufferzonen zwischen dem Moor und den landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen in der Umgebung", sagt der Leiter des Naturschutzzentrums Schopfloch, Dr. Wolfgang Wohnhas, dessen Kollege Wolfgang Lissak das Projekt betreut. Um die "Außeneinflüsse" nach dem Motto "weniger düngen, später mähen" noch etwas zu reduzieren, versucht die Torfmoor-Stiftung Landwirte durch Fünf- beziehungsweise Zehn-Jahresverträge und Ausgleichszahlungen zu gewinnen. Wie Dr. Wohnhas weiß, zahlt sich dies für das einzigartige Kleinod auf der Alb aus.