Lokales

Qualifizierung gefragt

Die rosigen Zeiten für ungelernte Jobber sind vorbei. Diese brisante Mitteilung haben die SPD-Abgeordneten MdB Rainer Arnold und MdL Carla Bregenzer nach einem Gespräch in der Arbeitsagentur Kirchheim mit nach Berlin und Stuttgart genommen.

KIRCHHEIM Der Arbeitsmarkt hat sich im letzten Jahr "sehr positiv" in den Bezirken Kirchheim und Nürtingen entwickelt. Dies sagte die Leiterin der Göppinger Arbeitsagentur, Heidrun Schulz, im Gespräch mit dem Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold und der Landtagsabgeordneten Carla Bregenzer. Trotz guter Konjunktur wird es aber für gering qualifizierte Menschen zunehmend schwieriger, einen Job zu finden. Dieser Trend werde sich sogar noch in den nächsten Jahren verstärken, weil gut bezahlte einfache Tätigkeiten in der Industrie wegfallen.

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"Wir haben Verbesserungen in allen Kennziffern und auch erste Erfolge bei Langzeitarbeitslosen", sagte Heidrum Schulz. Die Arbeitslosenquote sank im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat um 20 Prozent auf 3,6 Prozent im Bezirk Nürtingen. Im Bezirk Kirchheim ging die Quote auf 3,2 Prozent zurück, das seien 25 Prozent weniger Arbeitslose als vor zwölf Monaten. Damit weise die Statistik im Wahlkreis Nürtingen nicht nur eine niedrigere Arbeitslosenquote als im Durchschnitt in Baden-Württemberg auf, im Bezirk Kirchheim sei sogar der Rückgang größer als im landesweiten Mittel. Für 2008 erwartet Schulz einen weiteren Rückgang. "Wir werden nicht mehr den Boom des letzten Jahres haben, es gibt aber keine Anzeichen dafür, dass der Abbau der Arbeitslosigkeit sich nicht weiter fortsetzt."

Im Bezirk Nürtingen bewertete die Agenturleiterin den Anstieg der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze als besonders positiv. Nachdem im Jahr 2000 die Zahlen in Nürtingen und Kirchheim noch etwa gleichauf lagen, seien sie nun in Nürtingen deutlich höher. Auch der Anstieg in den letzten Jahren sei in Nürtingen stärker ausgefallen. Schulz führt die Entwicklung auf die dort stärker vertretenden Personaldienstleistungsunternehmen zurück. Rainer Arnold sieht darin eine Bestätigung der Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre. "Im konjunkturellen Tal können auch die Personaldienstleister keine neuen Jobs schaffen. Bewegung bekommen wir erst dann, wenn die Wirtschaft anzieht, dies bestätigt sich jetzt hier sehr anschaulich", sagte er. Nun müsse darauf geachtet werden, die Leih- und Zeitarbeit nicht zum Abbau regulärer Beschäftigung zu missbrauchen.

Der Stellenzuwachs könne jedoch nicht über den fortschreitenden Abbau im gewerblichen Bereich hinwegtäuschen. Während einfache Tätigkeiten in der Industrie wegfallen, würden zwar neue im Dienstleistungsbereich entstehen, doch viele Beschäftigte täten sich schwer, von der Produktion in die schlechter bezahlte Dienstleistung zu wechseln. Für die Betroffenen sei dies nicht nur eine Frage der beruflichen Interessen, sondern auch der Existenz, so Carla Bregenzer. "Wenn das Einkommen sinkt, bedeutet ein solcher Wechsel für viele große Einschränkungen und einen niedrigeren Lebensstandard." Einen Ausweg sehen Arnold und Bregenzer nur in mehr Qualifizierungsmaßnahmen und verstärkter Weiterbildung. Heidrun Schulz erwartet, dass langfristig der Anteil der Erwerbstätigen ohne Ausbildung nur noch zehn Prozent betragen wird. Derzeit seien es noch gut 30 Prozent. Diese Entwicklung hat für Arnold eine doppelte Brisanz: "Wenn der Arbeitskräftebedarf zwar quantitativ, nicht aber qualitativ gedeckt werden kann, dann droht uns Massenarbeitslosigkeit bei gleichzeitigem Fachkräftemangel." Diese Entwicklung zeige, so Bregenzer, wie wichtig gleiche Bildungschancen für Kinder sind, "und wie sehr wir jetzt frühzeitig mehr in Bildung und Qualifikation investieren müssen".

pm