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Qualitätsprämie für Kirchheims Kinokultur

Anerkennung für das hochwertige Programm, das die Kinos Central und Tyroler dem Publikum aus dem "Großraum Kirchheim" im letzten Jahr boten, erhielt das traditionsreiche Familienunternehmen Frech am Freitagabend von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg (MFG).

ANNEGRET KAPP

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KIRCHHEIM Erstmals war damit ein Kirchheimer unter den 51 Kinobetreibern, denen Staatsminister Willi Stächele in Stuttgart einen Preis für ihr kulturelles Engagement überreichte. Die Hinwendung zu anspruchsvollen und künstlerischen Filmen, die die beiden kleineren Kirchheimer Lichtspielhäuser seit 2001 allmählich vollzogen haben, erklärt Ulrike Frech wenig unternehmerisch: Für ihren Mann Eberhard, seinen Bruder Wolfgang und sie sei das Kino eher ein zeitaufwändiges Hobby. Mit Mainstream-Filmen würde das einfach nicht genug Spaß machen.

Eine Mischung aus familiärem Pflichtgefühl und Liebe zum Filmtheater hatte die drei Frechs im Jahre 2002 bewegt, den Kinobetrieb in Central und Tyroler und damit eine jahrzehntelange Tradition weiterzuführen. Bereits in den Nachkriegsjahren hatte nämlich der Senior, Richard Frech, mit einem Wanderkino bewegte Bilder in das Land um die Teck gebracht und 1955 mit dem Central in der Dreikönigsstraße Kirchheim ein echtes Lichtspielhaus geschenkt.

Hans-Jochen, der älteste Sohn, betrieb die drei Frech'schen Leinwände mittlerweile waren Tyroler und Stadtkino hinzugekommen bis 2002. Als gesundheitliche Gründe ihn zum Aufhören zwangen, sprangen die Brüder und die Schwägerin in die Bresche: Es galt den langfristigen Mietvertrag für das Central weiter zu erfüllen und die familieneigene Spielstätte Tyroler zu retten.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser für die gelernte Apothekerin, die neben der Kindererziehung auf einmal auch das Filmprogramm und die Kontakte zu den Verleihern zu organisieren hatte. Die beiden Brüder, die ja quasi zwischen Filmrollen aufgewachsen waren, mussten lernen, die technische Betreuung der Kinos mit ihren Hauptberufen als Kunststofftechniker und als Projektleiter bei Bosch unter einen Hut zu bringen. Wenn ein Vorführer fehlt, heißt das auch gelegentlich Feierabenddienst an der Kinokasse.

Die Entscheidung, sich mehr den anspruchsvollen Cineasten als dem Massenpublikum zuzuwenden, belohnten die Besucherzahlen schon vor der Auszeichnung durch die MFG. Selbst aus Ludwigsburg oder Ulm reisten schon Zuschauer an so erreicht Familie Frech gelegentlich die telefonische Frage, wo Kirchheim/Teck eigentlich zu finden ist.

Angelockt werden die Kinoliebhaber von einem Filmangebot, wie es sonst nur in Universitäts- und Großstädten zu finden ist. Da die Verleiher Filme wie "Das weinende Kamel" oder "Rhythm is it", von denen es bundesweit nur zehn bis vierzig Kopien gibt, ins kleine Kirchheim erst Wochen nach dem Start schicken, können die Frechs meist schon abschätzen, welche Titel gefragt sind. Dank flexibler Planung laufen Publikumslieblinge hier auch länger als in großstädtischen Programmkinos.

Ein weiterer Erfolgsfaktor ist die Zusammenarbeit mit Vereinen und Gruppen vor Ort, wie amnesty oder dem Hospiz, die thematische Veranstaltungen um einen Film gestalten. Tradition haben die monatlich gemeinsam mit der Volkshochschule angebotenen Filme in französischer oder englischer Originalsprache und die Kooperation mit dem club bastion. Doch auch für Anfragen zum Beispiel von Schulen haben die Kinomacher ein offenes Ohr.

Wie wichtig Kinobetreiber als "Gastgeber" die persönliche Kundenansprache nehmen müssen, gerade angesichts der verschärften Konkurrenz durch Multiplexe, betonte Christiane von Wahlert, Geschäftsführerin der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft, am Freitag in ihrem Grußwort als Jurymitglied. Sie freute sich über die Filmbegeisterung der Baden-Württemberger, die 2004 noch für 21 Millionen Kinobesuche sorgte.

Obwohl ein Qualitätsprogramm relative Sicherheit bietet vor der Konkurrenz der Großleinwände und der im Internet zirkulierenden Raubkopien, blickt Eberhard Frech hingegen etwas besorgt auf den bundesweiten Besucherrückgang von über 20 Prozent im ersten Halbjahr 2005. Einige Insolvenzen zog dieser nach sich, zum Beispiel die von Alfred Speiser, dem letzten Betreiber des Stadtkinos, an den sich die Frechs eher als Partner denn als Konkurrenten erinnern.Von der Auszeichnung durch die MFG erhoffen sie sich eine bessere Zusammenarbeit auch mit der Stadt, was etwa die Parkerlaubnis für die Filmlieferanten angeht.

Bleibt die Frage, wie sie die Prämie von 2500 Euro anlegen sollen. Dem Minister kam beim Spitzenpreis von zehntausend Euro, der an das Kino Klappe aus Kirchberg an der Jagst ging, als Erstes die Idee, drei Monate lang einen Maybach zu leasen. Dafür reicht es bei den Frechs nicht. Ihnen liegt aber auch mehr an der Renovierung des Tyrolers, das nach einer modernen Tonanlage nun auch noch eine frisch herausgeputzte Dachterrasse bekommen soll. Vielleicht finden sie dann im nächsten Jahr auch die Gelegenheit, das fünfzigjährige Bestehen der Kinobetriebe Frech gebührend zu feiern.