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Quartiere händeringend gesuchtInfo

Evangelische Landeskirche macht bei Kloster Denkendorf einen Rückzieher – Gebäude in Neckarhausen in Prüfung

Von vielen Seiten wurde der Landkreis kritisiert für die Unterbringung von Flüchtlingen auf dem Parkplatz der Berufsschule. Dabei sucht die Verwaltung händeringend nach Unterbringungsmöglichkeiten. Die Hoffnung, im Kloster Denkendorf Menschen unterbringen zu können, hat sich zerschlagen, ein Objekt in Neckarhausen wird zurzeit ­geprüft.

Derzeit wird geprüft, ob in der Brückenstraße 14 in Neckarhausen Asylbewerber untergebracht werden können.Foto: Holzwarth
Derzeit wird geprüft, ob in der Brückenstraße 14 in Neckarhausen Asylbewerber untergebracht werden können.Foto: Holzwarth

Nürtingen. „Man kann die Lage ruhig als dramatisch bezeichnen“, sagt Peter Keck, Pressesprecher des Landratsamtes. Die Unterbringung der Asylbewerber in den Baucontainern sieht auch er als absolute Notlösung an. Im August habe der Kreis monatlich 65 Asylbewerber unterzubringen gehabt, dafür hätten 30 die Unterkünfte des Kreises verlassen. Auf dieser Basis sei geplant worden. Doch dann seien dem Kreis auf einmal 100 Flüchtlinge zugewiesen worden und nur 20 hätten die Unterkünfte verlassen. Der Kreis habe nur anderthalb Wochen Zeit gehabt, die Menschen unterzubringen, und sei so auf den Parkplatz der Berufsschule gekommen. Die Stadt Nürtingen habe sich beim Baurecht sehr kooperativ gezeigt, so Keck.

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An anderen Stellen im Landkreis wird weiter gesucht und geplant. In Leinfelden-Echterdingen werde gerade ein Gebäude aus höherwertigen Wohncontainern errichtet, das nächstes Jahr fertig sein soll. Doch wegen der steigenden Zahl von Asylbewerbern würden langsam die Container knapp. In Nürtingen werde derweil eine Überdachung der Wohn- und Sanitärcontainer geprüft, die den Brandschutzvorschriften gerecht wird.

Mit der Betreuung der Asylbewerber habe der Kreis nichts zu tun, hier gebe es einen Betreuungsvertrag mit der AWO, in dem auch die Zusammenarbeit mit den Ehrenamtlichen enthalten sei. Dafür bekomme die AWO den gesamten Betrag, der für die Betreuung vorgesehen sei. „Wir rechnen bis zum Jahresende mit 300 weiteren Flüchtlingen, 70 verlassen voraussichtlich die Unterkünfte“, rechnet Keck. 60 kommen noch nach Nürtingen, 60 weitere nach Sielmingen. Damit bleiben noch 110 Menschen unterzubringen, doch erst kommendes Jahr werden weitere Plätze in Sielmingen zur Verfügung stehen.

Auch Privatpersonen könnten Wohnungen anbieten, der Kreis werde dann das Gespräch suchen. Ohnehin sei der Kreis gerade dabei, seinen Bestand an Wohnungen aufzustocken, für besondere Fälle, die beispielsweise wegen Krankheit nicht in einer Gemeinschaftsunterkunft bleiben können. Andere Wohnungen könnten an jene vermietet werden, die die Gemeinschaftsunterkünfte verlassen können, weil eine Entscheidung in ihrem Asylverfahren gefallen ist. „Unsere Leute sind ständig unterwegs und suchen Quartiere. Wir sind für alle Anregungen dankbar“, sagt Keck.

Widersprüchliche Signale kommen diesbezüglich von der Württembergischen Landeskirche. Ende September hatte der Esslinger Dekan Bernd Weißenborn den Vorstoß gemacht, Flüchtlinge im seit über zwei Jahren leer stehenden Kloster Denkendorf unterzubringen. Anfang Oktober kam eine Pressemitteilung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, in der in knappen Worten zu lesen war, dass die Immobilie dafür nicht geeignet sei. Eine Nachfrage bei der Pressestelle der Kirche ergab keine nähere Begründung dafür. Die Kirche stelle jedoch 1,4 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereit.

Geprüft wird derzeit bei der Stadt Nürtingen ein Baugesuch für das Gebäude Brückenstraße 14 in Neckarhausen. Dort könnten 31 Menschen untergebracht werden, wenn das Bauverwaltungsamt einer entsprechenden Nutzungsänderung zustimmt. Der Ortschaftsrat hatte das Thema auf der Tagesordnung. „Eigentlich steht dem nichts entgegen, wenn offene Fragen zum Thema Brandschutz geklärt sind“, so Ortsvorsteher Bernd Schwartz. Mit einer Entscheidung werde Ende Oktober gerechnet.

Wer eine Immobilie anzubieten hat, kann sich an das Landratsamt Esslingen, Pulverwiesen 11, 73726 Esslingen, unter der Telefonnummer 07 11/39 02-23 18 oder E-Mail an lra@lra-es.de wenden.