Lokales

"Radfahren ist gut für den Kreislauf und schont die Gelenke"

KIRCHHEIM Die Lokale Agenda Kirchheim hat Anfang April die Imagekampagne "FahrRad" gestartet. Der werbewirksame Einsatz für das Bike im Alltag findet nun in der kommenden Woche bei den Goldenen Oktobertagen seinen Abschluss. Passend zum Thema hat der Teckbote in einer lockeren Serie Menschen vorgestellt, die im Alltag den Drahtesel für sich entdeckt haben. Das letzte "Porträt" ist Dr. Dietmar Seegers gewidmet, der den gesundheitlichen Aspekt des Radfahrens anspricht.

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RICHARD UMSTADT

Nein, in der Wipper wollte der vierjährige Dietmar mit seinem nagelneuen Kinderfahrrad nicht landen. Erstens konnte er nicht schwimmen und zweitens gönnte er seinen Freunden, die ihn am abschüssigen Ufer hatten fahren lassen, die Schadenfreude nicht. Doch der Fluss kam immer näher. Was tun? In letzter Sekunde legte er sein Gefährt in die Kurve und war gerettet.

Schmunzelnd erinnert sich der Kirchheimer Nals-Nasen-Ohren-Spezialist Dr. Dietmar Seegers noch heute gerne an die Anekdote aus seinem früheren Heimatort Hettstedt bei Eisleben im Harz. Das Radfahren ließ ihn seitdem nicht mehr los, verbindet er damit doch schöne, aber auch aufregende Erlebnisse. So krachte der achtjährige Dietmar mit dem Rad gegen die Tür eines Linksabbiegers und hatte Glück. Er kam ohne Blessuren davon, die Tür des Loyd-"Plastikbombers" war kaputt. Mit 15 radelte Dietmar Seegers gemeinsam mit einem Freund über Mönchengladbach, Gent, Ostende und Dover nach London. Zwar goss es in Südengland in Strömen und vor der belgischen Grenze fuhr er einen "Platten", dennoch "war das alles in allem 'ne schöne Tour", meint Dr. Seegers heute. Vier Wochen waren die "German boys" in ihren Lederhosen mit den voll bepackten Stahlrössern unterwegs, immer wieder wurden sie von freundlichen Briten zu einer "cup of tea" eingeladen.

Inzwischen sind 42 Jahre vergangen. "Ich habe etliche Mopeds gehabt und auch Motorräder gefahren," sagt der Mediziner. Er plädiert jedoch nach wie vor dafür, im Alltag, und hier vor allem im Nahbereich, das Fahrrad zu benutzen. Denn viele Argumente aus medizinischer Sicht sprechen fürs Radfahren: "Es ist gesund, . . .. . . weil es die Belastung des Kreislaufs von gering bis maximal ermöglicht;. . . weil es bei richtiger Sitzposition sehr gelenkschonend ist;. . . weil es das Gleichgewichtssystem trainiert;. . . weil man sich an der frischen Luft befindet;. . . weil es vom vierten Lebensjahr bis ins Alter ausgeübt werden kann;. . . weil man bei richtiger Kleidung ins Schwitzen kommt und dadurch auch die Schleimhäute von Nase bis Lunge profitieren."

Dr. Seegers rät von der "Rennfahrer-Bieberle-Haltung" beim Radfahren ab. "Man sollte auf eine möglichst aufrechte Sitzhaltung achten." Das heißt, die Halswirbelsäule sollte gegenüber der Brustwirbelsäule nicht zu stark nach hinten geknickt sein, wie dies oft bei Mountainbikern und Rennradfahrern der Fall ist. Bei ungeübten Fahrern könne dies zu Störungen im Gleichgewichtsverhalten führen. Nach längeren Radtouren rät der Mediziner zu Dehnungs- und Streckübungen: "Das ist gut für die Rücken- und Halsmuskulatur." Auch empfiehlt er die Kleidung so zu wählen, dass der Radfahrer nicht friert. Bei vier Grad und darunter sollten die Pedaleure eine Mütze und einen Mundschutz tragen.

Und wer etwas für seine Wadenmuskulatur und Gefäße tun will, dem gibt der Arzt den Tipp, mit den Zehenspitzen in die Pedale zu treten.

Der Mediziner spricht sich im Übrigen dafür aus, Kleinkindern im dritten und vierten Lebensjahr zuerst einen Roller zu kaufen, bevor sie Fahrrad fahren lernen. "Rollerfahren trainiert die Beinmuskulatur stärker und auch das Gleichgewichtssystem, auf Grund des größeren Kippmoments."

Ein klares "Ja" sagt Dr. Seegers auf die Frage: "Fahrradhelm tragen oder nicht?" "Der Helm sollte straff sitzen, aber nicht zu straff und sollte darüber hinaus eine feste Innenschale besitzen." Es lohne sich, für den Radhelm lieber fünf Euro mehr auszugeben als am Geld zu sparen, ist er sich sicher. Der Mediziner plädiert dafür, im Umkreis von zwei Kilometern die täglichen Besorgungsfahrten und nicht nur diese mit dem Rad zu erledigen. "Mehr Bewegung bedeutet weniger Übergewicht, weniger Fett, weniger schnell hohen Blutdruck und in Folge weniger Tablettenverbrauch."

Er selbst radelt mit seinem "Allwetterbike", einem Tourenrad mit Sieben-Gang-Torpedo-Nabenschaltung, zur Arbeit in seine Praxis im alten Kirchheimer Krankenhaus. Dazuhin steht bei ihm zu Hause noch ein "Sonntagsrad" mit Federung. Sein Traum jedoch ist "ein schickes Hollandrad mit Kettenschutz und verchromtem Bremsgestänge".