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Rätsel um den angeblichen Tecker-Grabstein in Alpirsbach

Denkmäler und historische Zeugnisse, die die Herzöge von Teck hinterlassen haben, aufzusuchen und zu erkunden das ist eines der Hauptanliegen des Alt-Owen-Förderkreises. Rund 50 Mitglieder und Freunde des Vereins unternahmen deshalb zusammen mit dem Historiker Rolf Götz eine eintägige Studienfahrt zu den ehemaligen Besitztümern der Tecker in Alpirsbach und Oberndorf am Neckar.

REGINE BENKER

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OWEN Von der Mitte des 13. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts besaßen die Herzöge von Teck die Vogtei über das Benediktinerkloster Alpirsbach. Gleichzeitig waren sie Stadtherren zu Oberndorf am Neckar und stifteten das dortige Augustinerinnenkloster. Während dieser Zeit residierten sie auf der Burg Waseneck in der Nähe Oberndorfs. Die Stammtafel der Tecker umfasst insgesamt sieben Generationen. Adalbert, der jüngere Bruder von Herzog Berthold IV. von Zähringen, hatte sich nach dessen Tod im Jahr 1186 als erster nach seinem neuen Stammsitz Herzog von Teck genannt. Sein Enkel Konrad gründete 1235 das Frauenkloster in Kirchheim und vor 1249 die Stadt Kirchheim. Zwischen dessen Söhnen Ludwig und Konrad erfolgte um 1280 die Erbteilung des Teckischen Besitzes, aus der die beiden künftigen Linien des Geschlechts, die Owener und die Oberndorfer Linie, hervorgingen.

Ludwig (gestorben 1283), wiewohl in Kirchheim begraben, übte bereits Herrschaft zwischen Oberndorf und Alpirsbach aus. Sein Sohn Hermann I. (gestorben 1313/14) verkaufte 1303 die Hälfte der Teck und die Stadt Kirchheim an Österreich und residierte hinfort als erster Tecker ständig auf der Burg Waseneck. Von seinen fünf Kindern (vier Söhne und eine Tochter), die er mit seiner Ehefrau Beatrix von Grüningen zeugte, pflanzte nur sein Sohn Hermann II. (gestorben zwischen 1300 und 1314) das Geschlecht fort. Mit dem Tod von dessen Sohn Hermann III. starb im Jahr 1363 die Oberndorfer Linie der Tecker männlicherseits aus.

Hermann III. war Herr zu Oberndorf, Vogt des Klosters Alpirsbach und oberster Schenk des Klosters Sankt Gallen. Sein Erbe wird sein entfernter Verwandter Herzog Friedrich von Teck (gestorben 1390) aus der Owener Linie der Tecker, der die Stadt Oberndorf und das Gallener Schenkenamt erhält. Hermanns Schwester Beatrix erbt die Burg Waseneck und die Vogtei über das Kloster Alpirsbach. Sie verkauft dieses Erbe dann aber an Herzog Friedrich von Teck, der diesen Besitz wiederum 1374 zusammen mit dem Gallener Schenkenamt und der Stadt Oberndorf an Graf Rudolf von Hohenberg veräußert. Im Jahr 1381 schließlich verkauft Rudolf von Hohenberg seine ganze Grafschaft, darunter die Herrschaft Oberndorf mit Waseneck, an Österreich. Die Gegend ist seitdem katholisch geprägt.

Die erste Station der Studienfahrt war das Kloster Alpirsbach, wo die Owener über dem Eingang der im 14. Jahrhundert erbauten westlichen Vorhalle gleich auf die erste Spur teckischer Vergangenheit stießen. Dort befindet sich eine Wappenreihe mit den Wappen der Stifter des Klosters (die Grafen von Sulz, die Grafen von Zollern und die Herren von Hausen) und dem Wappen der Klostervögte im 14. Jahrhundert, den Herzögen von Teck. Es zeigt über dem teckischen Schild einen Schwanenhals als Helmzier.

Das zweite (angebliche) Zeugnis, das an die Herzöge von Teck erinnert, ist im Inneren der 900 Jahre alten romanischen Klosterkirche zu besichtigen. Es handelt sich um eine Grabplatte eines "Herzogs von Teck, gest. nach 1313", so jedenfalls steht auf dem Erläuterungstäfelchen, das neben dem Grabstein angebracht ist. Rolf Götz indes äußerte erhebliche Zweifel an der Richtigkeit dieser Aussage. Der Grabstein, der weder Wappen noch Inschrift aufweist, ist wohl Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden. Er zeigt die Figur eines jugendlich stilisierten Edelmanns oder eines jungen Adligen. Auf dem von langen Locken umrahmten Antlitz liegt ein leichtes Lächeln. Es könnte fast das Gesicht einer jungen Frau sein. Für einen Mann dagegen spricht das Gewand, das die Füße freilässt und das vorne in der Mitte einen langen Schlitz hat, sodass sein Träger ungehindert breitbeinig auf einem Pferd sitzen konnte.

Um wen handelt es sich? Rolf Götz lässt die "Alt-Owener" an seinen Überlegungen teilhaben. Herzog Lutzmann von Teck (gestorben 1332/34), einer der vier Söhne von Hermann I., ist der einzige Tecker-Herzog, von dem eine Bestattung in Alpirsbach belegt ist. Er war bei seinem Tod allerdings etwa 40 Jahre alt zu alt, um der Jüngling auf dem Grabmal zu sein. Sein Bruder Hermann II. (gestorben 1300/1314) wurde in Oberndorf bestattet. Mit Feuereifer gehen die Exkursionsteilnehmer daran, die Grabplatte aufs Genaueste zu inspizieren. Hielt die fehlende rechte Hand ursprünglich ein Schwert, das an zwei noch deutlich sichtbaren Metallstiften befestigt war?

Der Zufall kam zu Hilfe, und so konnte das Geheimnis um den angeblichen Tecker-Grabstein an Ort und Stelle gelüftet werden: In einer neuen Veröffentlichung über Alpirsbach wird das Grabmal einem der Klostergründer von Alpirsbach zugewiesen (also den Grafen von Sulz, den Grafen von Zollern oder den Herren von Hausen). Es war als "Hochgrab mit lebensgroßer Figur des Verstorbenen im Zentrum der Kirche aufgestellt."

Nach diesem "Forschung-live-Erlebnis" suchten die Owener weitere Stätten mit teckischer Vergangenheit auf. Das ehemalige Frauenkloster in Oberndorf am Neckar wurde um 1260 von dem in Kirchheim bestatteten Herzog Ludwig von Teck (gestorben 1283) gegründet. Im 16. und 18. Jahrhundert erfolgten Neubauten und Umbauten des Klosters und der Klosterkirche. Im 19. Jahrhundert, nach der Säkularisation, wurde in dem ehemaligen Kloster eine Gewehrfabrik eingerichtet. Heute dient es als Kultur- und Verwaltungszentrum.

Die Klosterkirche war Grablege mehrerer Tecker-Herzöge und ihrer Gemahlinnen aus den letzten beiden Generationen der Oberndorfer Linie. Es wird berichtet, dass auch Hermann III., der letzte seines Geschlechts, dort gemeinsam mit seiner Ehefrau Anna von Signau seine letzte Ruhe gefunden hat. Die Grabstätten wurden vermutlich beim Neubau der Kirche Ende des 16. Jahrhunderts zerstört.

Keine Zeitreise ins Mittelalter ohne Burgenromantik: Das letzte Ausflugsziel schließlich war die Ruine Waseneck in der Nähe von Oberndorf. Die Burg war über hundert Jahre lang Sitz der Oberndorfer Tecker, vor allem Hermann I. wohnte dort mit seiner großen Familie. Waseneck ging nach dem Aussterben der Tecker zusammen mit dem anderen Besitz 1374 an die Grafen von Hohenberg. Anfang des 15. Jahrhunderts wurde sie aufgegeben und verfiel. Gelegenheit, sich näher mit der Geschichte Owens und der Herzöge von Teck zu beschäftigen, gibt es wieder am Sonntag, 23. Oktober, um 15 Uhr bei einer öffentlichen Führung in der Bernhardskapelle.