Lokales

Räuber Hotzenplotz wird regelmäßig ersetzt

Erfreuliches konnte Ev Dörsam über die Gemeindebücherei im Schlössle in Oberlenningen dem Gemeinderat berichten. Trotz der Einführung einer Ausleihgebühr blieben die Leser der Einrichtung treu.

IRIS HÄFNER

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LENNINGEN "Unsere Gemeindebücherei genießt einen sehr guten Ruf. Das liegt an den Mitarbeiterinnen", fand Lenningens Bürgermeister Schlecht lobende Worte während der jüngsten Sitzung des Gemeinderates. Die Bücherei sei fester Bestandteil im Gemeindeleben und etabliert. "Dort wird Bildung betrieben", sagte Michael Schlecht.

"Das Jahr 2004 war spannend für uns, weil wir die Ausleihgebühr eingeführt haben", erklärte Ev Dörsam, Leiterin der Gemeindebücherei. Die Jahresgebühr beträgt 10 Euro, Einzelausleihen je Medium kosten 50 Cent. Die Reaktionen seien durchweg positiv ausgefallen. Für den Erhalt des bestehenden Niveaus, den Service sowie laufend Neuerscheinungen im Bestand seien die Kunden bereit zu bezahlen. "Wir hatten einen Zuwachs von 7,7 Prozent", freut sich Ev Dörsam. Insgesamt waren es 3028 Benutzer, die sich auf 60 Prozent Erwachsene, 38 Prozent Kinder und zwei Prozent Studenten verteilen. Die Büchereileiterin konnte eine weitere Tendenz feststellen: Immer mehr Auswärtige, besonders aus Owen und Erkenbrechtsweiler, nutzen das Angebot der Lenninger Bücherei. In beiden Orten wurde der Etat für diese Einrichtungen stark gekürzt. Selbst aus Kirchheim kommen regelmäßig Leser, die neben der guten Buchauswahl auch die besondere Atmosphäre des denkmalgeschützten Gebäudes zu schätzen wissen. "Sie bekommen Geld dafür, dass Sie hier arbeiten dürfen" diesen Satz hören Ev Dörsam und ihre Kollegin des Öfteren.

Insgesamt stehen in der Bücherei über 17 300 Medien zur Verfügung, die knapp 55 000 Mal ausgeliehen wurden. Spitzenreiter sind die neuen Medien wie CD-Roms oder Kassetten. "Der Hörbuchmarkt boomt", weiß die Leiterin aus erster Hand. Neu angeschafft wurden im vergangenen Jahr über 1800 Medien, damit die Aktualität beibehalten werden kann und somit auch die Attraktivität. Im Gegenzug wurden fast 1000 "Artikel" aus den Regalen entfernt. Dazu zählen beispielsweise zehn Jahre alte Reiseführer, "bei denen der Geheimtipp schon längst keiner mehr ist", oder auch Ratgeber. Vor allem sind es aber Zeitschriften. "Dauerbrenner wie der Räuber Hotzenplotz müssen nach zigmaligem Ausleihen auch irgendwann mal wieder ersetzt werden", erklärte die Bücherei-Leiterin.

Zudem finden im Schlössle zahlreiche Veranstaltungen statt. Für Kinder gibt es beispielsweise Märchenstunde oder Bilderbuchkino, Erwachse können Vorträge, Lesungen, Theater, Konzerte oder Ausstellungen besuchen. "Somit spielen wir auch im kulturellen Bereich eine große Rolle", sagt Ev Dörsam und freut sich über die gute und bewährte Zusammenarbeit mit dem Förderkreis Schlössle. "Wir bereichern uns gegenseitig mit neuen Ideen", so ihre Einschätzung. Eine Zusammenarbeit, die ihrer Ansicht nach immer wichtiger wird, gibt es aber auch mit Kindergärten und Schulen. Lehrer geben beispielsweise Leseempfehlungen und schon seit einigen Jahren stellen Schülerinnen und Schüler der Lenninger Realschule regelmäßig Werke im Schlössle aus. Zu 28 Veranstaltungen ließen sich rund 1000 Besucher anlocken. "An unserem Beispiel sieht man, dass auch kleine Büchereien erfolgreiche Arbeit leisten können", zieht Ev Dörsam Bilanz.

"Die Akzeptanz einer Bücherei hat etwas mit dem Bestand zu tun, nicht mit einer Gebühr", so das Urteil des Bürgermeisters. Zwischen den Zahlen erkennt er die Handschrift der Mitarbeiterinnen, die engagiert und kompetent im alten Gemäuer wirken. "Das ist eine Erfolgsgeschichte in einem tollen Gebäude", brachte es Michael Schlecht auf den Punkt.

Einen klaren Zusammenhang sieht Georg Zwingmann zwischen Qualität und Besucherzuwachs. "Hier dürfen wir nicht sparen", erklärte er und wunderte sich, wie hoch die Mahngebühren zu Buche schlagen. Hat die Bücherei 2004 knapp 4000 Euro an Gebühren eingenommen, kamen 2300 Euro durch Mahngebühr hinzu. "So hat die Vergesslichkeit auch mal einen positiven Nebeneffekt", freut sich Schultes.